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Auf dem Land etwas bewegen: Vom Engagement eines Rückkehrers

Studiobesuch: Im sächsischen Oschatz hat der Architekt Johannes Voigt 2022 ein eigenes Büro gegründet – nach Stationen in Berlin und Sydney. Wie genau funktioniert das Architektur-Machen abseits der Metropolen?

Barbara Hallmann
21.09.2026 2min
"Fünf Personen sitzen an einem großen Holztisch in einem Büroraum mit Betondecke. Von links nach rechts: Frau mit dunklen Haaren im grünen Kleid, Mann mit dunklen Haaren und Hemd mit Muster, Mann mit grauem Haar in weißem Hemd und Brille (Mitte), Frau mit dunklen Haaren in schwarzem Ärmelloses Top, Frau mit dunklen Haaren in weißem Ärmelloses Top. Ein schwarzer Hund liegt unter dem Tisch. Im Hintergrund dunkelblaue Regale und helle Wände."
Der Architekt Johannes Voigt (Mitte) mit seinem Team im Oschatzer Büro.
© JOHANNES VOIGT ARCHITEKTUR GmbH

Weimar, Sydney, Berlin – und dann Oschatz. Nach dem Studium an der Bauhaus-Universität und einem prägenden Praxissemester in Australien arbeitete Johannes Voigt sechs Jahre in Berlin, zuletzt fünfeinhalb Jahre im Büro von Bernd Albers. 2022 wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit – und zwar in einer sächsischen Kleinstadt zwischen Leipzig und Dresden. Grund war, dass er in seiner Heimatstadt eine alte Villa gefunden hatte, die Raum für Familie und Büro bot. „In Berlin hätte ich das Büro auch gegründet“, sagt er, „aber später und kleiner.“

"Mann mit Brille steht auf einer modernen Betonterrasse mit Glasgeländer. Er trägt ein hellblaues Hemd, dunkelblaue Jeans und braune Schuhe. Im Hintergrund sind grüne Bäume, eine Kirchturmspitze und eine Stadt zu sehen. Ein grauer Betonpfeiler und ein Betonvordach rahmen die Szene ein."
© Stefanie Heider
Zur Person

Johannes Voigt

Architekt

Johannes Voigt studierte an der Bauhaus-Universität Weimar und absolvierte einPraxisjahr in Sydney. Nach dem Studium arbeitete er sechs Jahre in Berliner Büros. 2022 gründete er JOHANNES VOIGT ARCHITEKTUR in Oschatz, Er ist Mitglied der Architektenkammer Berlin.

jvarchitektur.de

 Der Start hätte schwieriger sein können, denn Voigt traf in Oschatz auf eine Lücke: Kaum ein Büro hatte sich hier in den vergangenen Jahren aufgestellt, und ein frisch angetretener, junger Bauamtsleiter suchte seinerseits nach frischem Wind. Den ersten großen Auftrag – die Sanierung einer Grundschule inklusive Lüftungsanlage – nutzte Voigt als Sprungbrett: Über die öffentliche Vergabe kam er mit den regionalen Handwerksbetrieben in Kontakt. Und dann wuchs der Auftrag immer weiter, denn „die Schule hatte neben der Lüftungsanlage noch ein paar andere Baustellen“. So stellte Voigt kurz nach der Gründung bereits die erste Mitarbeiterin ein – alles, sagt er, „ein bisschen über Nacht“. 

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"Frontansicht eines weißen klassizistischen Gebäudes mit zwei Geschossen. Fünf große rechteckige Fenster mit Gewänden sind in zwei Reihen angeordnet. Das Dach ist dunkelblau mit Dachfenstern. Ein Sockelgeschoss aus rötlichem Stein und eine Treppe mit Metallgeländer sind zu sehen. Karge Bäume rahmen das Gebäude ein."
Johannes Voigt tut in Oschatz, was er kann – zum Beispiel einer alten Villa neues Leben einhauchen. Die dort entstandenen Wohn- und Büroräume erzählen von seinen Erfahrungen an der Bauhaus-Uni, in Berlin und Australien.
© JOHANNES VOIGT ARCHITEKTUR GmbH
"Heller, offener Wohnraum mit weißen Wänden und Dachfenstern. Links eine Holzregalbrett-Wand mit Büchern. Ein Holztisch mit dunklen Stühlen bildet einen Arbeitsbereich. Rechts große dunkelblaue Fenster mit Holzbank und Sitzpouf. Am Boden Spielzeugautos und ein Puzzle. Der Boden ist in Betonoptik grau gestaltet."
Johannes Voigt tut in Oschatz, was er kann – zum Beispiel einer alten Villa neues Leben einhauchen. Die dort entstandenen Wohn- und Büroräume erzählen von seinen Erfahrungen an der Bauhaus-Uni, in Berlin und Australien.
© JOHANNES VOIGT ARCHITEKTUR GmbH
"Heller, minimalistischer Raum mit weißen Wänden und weißer Decke. Ein einfacher Holztisch aus hellem Holz mit schwarzem Stahlgestell steht in der Bildmitte. An der Decke eine große runde LED-Deckenleuchte. Im Hintergrund zwei offene Durchgänge zu weiteren Räumen mit dunkelblauen Türrahmen und Fensterrahmen. Links eine braune vertikale Blende oder Trennwand. Der Boden ist poliert grau."
Johannes Voigt tut in Oschatz, was er kann – zum Beispiel einer alten Villa neues Leben einhauchen. Die dort entstandenen Wohn- und Büroräume erzählen von seinen Erfahrungen an der Bauhaus-Uni, in Berlin und Australien.
© JOHANNES VOIGT ARCHITEKTUR GmbH
"Heller Großraum-Arbeitsbereich mit Betondecke und weißen Wänden. In der Mitte ein großer Holztisch mit grauen Stühlen. Links und rechts Arbeitsstationen mit dunkelblauen Regalen und Schränken. Im Hintergrund eine Nische mit ausgestellten Kunstwerken. Der Parkettboden zeigt ein geometrisches Muster in Brauntönen. Natürliches Licht fällt durch die linke Fensterfront."
Johannes Voigt tut in Oschatz, was er kann – zum Beispiel einer alten Villa neues Leben einhauchen. Die dort entstandenen Wohn- und Büroräume erzählen von seinen Erfahrungen an der Bauhaus-Uni, in Berlin und Australien.
© JOHANNES VOIGT ARCHITEKTUR GmbH

Was er aus Berlin und Sydney mitgebracht hat, ist nicht nur die 3D-Visualisierung – obwohl auch die in Oschatz neu war. Es ist vor allem eine Haltung: Bauen im Bestand statt Abriss, Genius Loci statt Tabula rasa. Solches Denken war selten zu finden in diesem Ort mit gewachsenem historischen Stadtkern, Gestaltungssatzung und viel denkmalgeschützter Substanz. Die Herausforderung: Entscheidungsträger, bei denen es Überzeugungsarbeit braucht. Voigt betreibt sie beharrlich – und wünscht sich dabei vor allem eines: „Mut und Optimismus und auch ein bisschen Risikobereitschaft.“ 

"Heller Flur mit zweifarbiger Wandgestaltung: oben weiß, unten dunkelrosa. Obere Wandhälfte in Gelb. An der Wand links ein blauer Meldekasten. Eine Aufzugstür in Weiß mit dunkelrotem Rahmen zeigt die Nummer '201' in großen weißen Ziffern. Rechts neben der Tür ein roter Feuerlöscher. Ein rotes Metallgeländer ist links sichtbar."
Die Grundschule »Zum Bücherwurm« in Oschatz wurde umfassend saniert: Mit neuer Lüftungsanlage, digitalen Tafeln, optimierter Gebäudeautomation und energetischer Ertüchtigung.
© JOHANNES VOIGT ARCHITEKTUR GmbH
"Nahaufnahme eines modernen Treppenhauses mit zwei durchgehenden rosa-gefärbten Metallhandläufen aus Stahlrohr. Zwischen den Rohren sind vertikale Streben zu sehen. Stufen mit weißem und dunklem Bereich, dazwischen hellgrauer Bereich. Minimalistische, geometrische Komposition in Pastelltönen."
Die Grundschule »Zum Bücherwurm« in Oschatz wurde umfassend saniert: Mit neuer Lüftungsanlage, digitalen Tafeln, optimierter Gebäudeautomation und energetischer Ertüchtigung.
© JOHANNES VOIGT ARCHITEKTUR GmbH
"Großformatiger Flur mit hellblauer Decke und punktförmigem Muster. Wände oben weiß, unten gelb. Eine offene Tür mit dunkelrotem Rahmen zeigt die Nummer '201' und führt in einen Innenraum mit dunkelblauen Türrahmen. Weitere Türen und Raumteilwände sichtbar. Eine Wanduhr mit schwarzem Rand und schwarzen Zeigern zeigt die Zeit an."
Die Grundschule »Zum Bücherwurm« in Oschatz wurde umfassend saniert: Mit neuer Lüftungsanlage, digitalen Tafeln, optimierter Gebäudeautomation und energetischer Ertüchtigung.
© JOHANNES VOIGT ARCHITEKTUR GmbH

Für eine leer stehende Schule, die abgerissen werden sollte, entwickelte er ein Konzept mit 35 barrierefreien Wohnungen – bahnhofsnah, bezahlbar, als Angebot an ältere Bewohner, deren Eigenheime dann für Familien frei würden. Seine These dahinter: Oschatz liegt knapp 40 Minuten per Zug von Leipzig und rund eine Stunde von Dresden entfernt – und könnte so zur Wohnreserve für die boomenden Großstädte werden. „Keine Konkurrenz, sondern Symbiose“, nennt er das. Voigt weiß, dass Büros wie seins „unter dem Radar schwimmen“, solange kein Leuchtturmprojekt gelingt. 

Ein erster Schritt in die Öffentlichkeit war sein Entwurf für ein Oschatzer Flugzentrum anlässlich der Segelkunstflug-Weltmeisterschaft 2024 im Ort. Auch diesbezüglich bleibt Voigt beharrlich. Mittlerweile beschäftigt er vier Mitarbeitende, alle aus der Region, alle mit dem gleichen Wunsch: hier ankommen und etwas bewegen. 


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts Ausgabe Q3/2026.

Barbara Hallmann

DAB Redaktion

Nach ihrem Kulturwissenschaftsstudium in Lyon und Weimar ließ sich Barbara Hallmann in der ARD zur Radio- und Fernsehjournalistin ausbilden. Seit knapp 20 Jahren schreibt sie hauptsächlich über Architektur und Design. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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