Architekturvermittlung in Sachsen: Vielfältige Angebote
Wie Kinder und Jugendliche heute lernen, kreativ und verantwortungsbewusst mit ihrer gebauten Umwelt umzugehen, prägt die Zukunft unserer Städte und Dörfer. Schulen spielen dabei eine Schlüsselrolle, indem sie diese zukünftige Verantwortung vermitteln und sensibilisieren.
Wie Kinder und Jugendliche heute lernen, kreativ und verantwortungsbewusst mit ihrer gebauten Umwelt umzugehen, prägt die Zukunft unserer Städte und Dörfer. Schulen spielen dabei eine Schlüsselrolle, indem sie diese zukünftige Verantwortung vermitteln und sensibilisieren. Die Förderung von Architekturvermittlung liegt der Architektenkammer Sachsen am Herzen. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Architekturvermittlung und der Stiftung Sächsischer Architekten sollen Schulen in diesem Bereich verstärkt unterstützt werden. Im Rahmen dieser Projekte und auch darüber hinaus engagieren sich Kammermitglieder aus eigenem Antrieb an Schulen in ihrer Region – oft bereits seit vielen Jahren und häufig ohne große öffentliche Aufmerksamkeit.
Der Klassiker: Architektur macht Schule
Der Klassiker: Architektur macht Schule
Seit 2013 führt die Stiftung Sächsischer Architekten das Programm „Architektur macht Schule“ an sächsischen Schulen durch – und kann damit auf mehr als zehn Jahre erfolgreiche Bildungsarbeit verweisen. Mehr als 80 Projekte konnten bislang erfolgreich umgesetzt werden, viele davon in Kooperation mit und durch Förderung von LEADER-Regionen.
Das Angebot ermöglicht Kindern und Jugendlichen, Architektur als Teil ihrer Lebenswelt aktiv zu erforschen. Stadtspaziergänge, Exkursionen, kreative Entwurfs- und Modellbauprozesse sowie die Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Architektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung vermitteln praxisnahes Wissen über Baukultur und Stadtentwicklung. Die Schülerinnen und Schüler, unterstützt von engagierten Lehrkräften, analysieren, dokumentieren, zeichnen, konstruieren und entwickeln eigene Ideen für ihre Umgebung. Besonderer Wert wird dabei auf Mitbestimmung unter anderem in den Kommunen gelegt.
Ideen für die Zukunft auf großer Bühne
Den Höhepunkt des Projektjahres 2025/26 bildete die landesweite Abschlussveranstaltung am 20. Mai 2026 in Thum. Dort kamen die Schülerinnen und Schüler aus den elf teilnehmenden Schulen aus Sachsen zusammen, um ihre Projektergebnisse zu präsentieren. Auf einer gemeinsamen Bühne sowie in einer begleitenden Ausstellung wurden Modelle, Entwürfe und Projektarbeiten vorgestellt, die im Laufe des Schuljahres entstanden waren.
Die Veranstaltung bot den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ihre Ideen zur Gestaltung von öffentlichen Räumen, Schulhöfen und Freiflächen zu präsentieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig diente sie als Plattform für den Austausch zwischen Schulen, Kommunen, LEADER-Regionen und Architekturbüros. Die Teilnehmenden berichteten von ihren Erfahrungen im Projektverlauf und diskutierten die Herausforderungen und Chancen einer aktiven Mitgestaltung der gebauten Umwelt.
Zu den präsentierten Projekten gehörten unter anderem die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Waldenburg. Sie stellten die Zukunft eines Skateparkes in Waldenburg in den Mittelpunkt ihres Projektes. Neben Modellen gestalteten sie sogar eine Website und T-Shirts für den geplanten Skatepark. Die Zentralschule Adorf stellte Entwürfe für die Neugestaltung eines öffentlichen Platzes neben dem Schulgelände vor. Die entwickelten Konzepte waren zuvor bereits im Stadtrat vorgestellt und diskutiert worden. Dabei spielte insbesondere die Perlmuttertradition der Stadt eine wichtige Rolle und ist auch in den Modellen und Entwürfen wiederzufinden. Beim Internationalen Gymnasium Niederwürschnitz stand die Umgestaltung eines Bauwagens zu einem Jugendtreff im Mittelpunkt der Projektarbeit. Die Gemeinde stellte den Bauwagen zur Verfügung und ermöglicht damit einen zukünftigen Treffpunkt für junge Menschen. Das Motto des Vorhabens lautet „Aus Alt wird Unser – ein gemeinsames Projekt von Jugendlichen für Jugendliche“.
Weiterlesen auf der Website zum Projekt
www.ams-sachsen.de
Der Projekttag 2026: Auf den Spuren von Wolfgang Hänsch
Der Projekttag 2026: Auf den Spuren von Wolfgang Hänsch
Auch 2026 wird der Projekttag „Moderne sehen und verstehen. Auf den Spuren des Architekten Wolfgang Hänsch“ fortgesetzt. Die Landeshauptstadt Dresden würdigt damit das Werk des bedeutenden Dresdner Architekten, dessen Bauten – darunter der Kulturpalast, die wiederaufgebaute und erweiterte Semperoper, der Presse- und Druckereikomplex „Sächsische Zeitung“ und der rekonstruierte Publikumssaal im Staatsschauspiel Dresden – das Stadtbild bis heute prägen.
Dresdner Schulen konnten sich mit einer fünften oder sechsten Klasse im März 2026 zum siebten Mal für die kostenfreie Teilnahme bewerben. Schülerinnen und Schüler einer 6. Klasse des Gymnasiums Bürgerwiese wurden per Losverfahren in diesem Jahr dafür ausgewählt. Der Projekttag fand am 24. Juni 2026 statt und vermittelte baukulturelles Wissen anhand eines Stadtrundgangs mit fotografischer Entdeckungstour durch die Dresdner Altstadt. Stationen waren unter anderem der Theaterplatz mit der Semperoper, die Busmannkapelle, der Kulturpalast sowie der Neumarkt inklusive Frauenkirche. Im Stadtmuseum Dresden gestalteten die Schülerinnen und Schüler abschließend ihre Architekturleporellos, die die Eindrücke des Tages dokumentieren.
Finanziert wird das Projekt von der Landeshauptstadt Dresden. Umsetzungspartner sind die Stiftung Sächsischer Architekten und das Stadtmuseum Dresden.
Frei organisiert: Architekturvermittlung mit lokalem Bezug
Frei organisiert: Architekturvermittlung mit lokalem Bezug
Wie Architekturvermittlung auch außerhalb etablierter Bildungsprogramme wirken kann, zeigt ein Projekt am Oberlandgymnasium Seifhennersdorf. Im Kunstunterricht setzten sich Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 mit der Zukunft des denkmalgeschützten Bahnhofs Seifhennersdorf auseinander.
Der Bahnhof war Anfang 2025 von der Bürgerinitiative Bahnhof Seifhennersdorf e. V. erworben worden, die sich für seine Sicherung und langfristige Sanierung einsetzt. Die damit verbundene umfangreiche bundesweite Berichterstattung stieß auf große Resonanz und führte zu einer breiten Unterstützung des Vereins. Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligten sich mit zahlreichen, teils auch größeren Spenden und trugen damit dazu bei, die für die beantragte Förderung erforderlichen Eigenmittel bereitzustellen.
Über die unmittelbaren Maßnahmen zur Notsicherung und Sanierung hinaus hat die Zukunft des Seifhennersdorfer Bahnhofs auch in anderen Bereichen großes Interesse geweckt. So beschäftigte sich die Seifhennersdorfer Architektin Friederike Cieslak gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern intensiv mit dem historischen Gebäude. Im Rahmen des Kunstunterrichts bearbeiteten Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 des Oberlandgymnasiums Seifhennersdorf unter Anleitung ihres Kunstlehrers Jan Riha umfangreiche Aufgabenstellungen. Dazu gehörten unter anderem die Erfassung des Bestandsgebäudes sowie die Entwicklung und Darstellung möglicher zukünftiger Nutzungen des Bahnhofs. Zwei Schulklassen setzten sich dabei über ein gesamtes Schuljahr hinweg mit Ideen für eine Nachnutzung des Gebäudes auseinander und leisteten so einen wertvollen Beitrag zur Diskussion über dessen zukünftige Entwicklung.
Unter fachlicher Begleitung entwickelten die Jugendlichen Konzepte für eine mögliche Nachnutzung des Bahnhofs. Dabei entstanden Ideen für Begegnungsstätten, Freizeitangebote, Gastronomie sowie neue Mobilitätsangebote für die Region. Die Ergebnisse wurden in Form von Präsentationen, Plänen und Modellen erarbeitet und im Rathaus der Stadt öffentlich ausgestellt.
Das Projekt zeigt beispielhaft, wie sich junge Menschen mit ihrer gebauten Umwelt auseinandersetzen und dabei Verantwortung für die Entwicklung ihres Heimatortes übernehmen. Gleichzeitig leistet die Beschäftigung mit dem Bahnhofsgebäude einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die Zukunft eines ortsbildprägenden und identitätsstiftenden Bauwerks.
Auch aktuell wird die Zusammenarbeit fortgeführt: Die aktuelle Klassenstufe 10 bearbeitete im Rahmen eines weiteren Projekts die Entwicklung einer innerstädtischen Brachfläche in Seifhennersdorf. Die fachliche Unterstützung übernahm zum wiederholten Mal Architektin Cieslak gemeinsam mit dem Kunstlehrer Riha. Die Ergebnisse wurden der Bürgermeisterin Ende Mai im Foyer des Rathauses vorgestellt.
Schulen und Planende zusammenbringen
Um Architekturvermittlung in Sachsen weiter auszubauen, werden interessierte Architektinnen und Architekten, Innen- und Landschaftsarchitektinnen und -architekten sowie Stadtplanerinnen und Stadtplaner gesucht, die Schulen unterstützen möchten. Diese können sich unkompliziert bei der Architektenkammer Sachsen in die „Kooperationspartnerliste zur Architekturvermittlung an sächsischen Schulen“ eintragen lassen. Damit finden Schulen und Fachleute schneller zueinander.
Die Zusammenarbeit kann in unterschiedlichen Formaten erfolgen – etwa im Rahmen von „Architektur macht Schule“, durch Gastvorträge, Ganztagsangebote oder Projekttage. Die Inhalte werden individuell mit den Schulen abgestimmt. Gleichzeitig können Schulen bei der Suche nach geeigneten Kooperationspartnerinnen und -partnern unterstützt werden. Ziel ist es, junge Menschen frühzeitig für Baukultur, Planung und die Gestaltung ihrer Lebensräume zu sensibilisieren.
Mehr über die Kooperationspartnerliste zur Architekturvermittlung an sächsischen Schulen:
www.aksachsen.org/berufspolitik/nachwuchs-und-zukunft/architekturvermittlung/
Marén Schober
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Architektenkammer Sachsen DAB Redaktion SachsenDas könnte Sie auch interessieren
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