Schule mit Zukunft
In Fürth wird gerade der Erweiterungsbau einer Grundschule als Gebäudetyp E geplant. Das Gebäude soll als Prototyp für weitere Schulbauten dienen. Dazu setzt man unter anderem auf ein flexibles Raumkonzept und eine vereinfachte Haustechnik.
Momentan werden 19 Pilotprojekte als Gebäudetyp E umgesetzt, mit denen man ein einfaches und experimentelles Bauen erproben will. Das Ganze geht auf eine Initiative der Bayerischen Architektenkammer und des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr zurück. Bei den meisten Bauvorhaben handelt es sich um Wohngebäude. Mit der Grundschule Soldnerstraße 50 in Fürth ist allerdings auch ein Schulneubau dabei, der sich gerade in der Planung befindet. Die Erweiterung für ein bestehendes Gebäude stammt aus der Feder von Hey! Architektur aus München. Auf einer Bruttogeschossfläche von etwa 2.500 qm soll hier ein Schul- und Ganztagsbereich auf einem ehemaligen Parkplatz entstehen. Er bildet mit dem Bestandsbau ein Ensemble, das auch das Schulgelände neu zonieren wird. „Ziel der Stadt Fürth ist es, einen einfachen, aber guten Ausführungsstandard zu entwickeln“, erzählt Marco Bumeder, Partner bei Hey! Architektur. „Das Projekt ist ein Prototyp, der als Vorbild für weitere Schulbauten in Fürth dienen soll.“ Gerade wird die Leistungsphase 2 abgeschlossen. Der Baubeginn ist für Sommer 2027 geplant, die Fertigstellung für Ende 2028.
Das Projekt geht auf ein VgV-Verfahren zurück. Dazu wurden Generalplanerinnen und -planer gesucht, die Lösungen im Sinne des Gebäudetyps E erarbeiten und umsetzen. Laut Bumeder mussten deshalb schon zu Beginn konkrete Vorschläge gemacht werden. „Der Gebäudetyp E ist Pionierarbeit. Man weiß als Architektin oder Architekt erst am Schluss, wie viel Planungsleistung man eigentlich erbracht hat. Deshalb ist es nicht so einfach, die Honorare in einem Vertrag festzulegen.“ Allerdings hatten Hey! Architektur bereits in einem anderen Projekt Erfahrungen mit dem Gebäudetyp E gesammelt. Die sechs Mehrfamilienhäuser in Augsburg sollen Ende 2026 fertiggestellt werden. So weit ist man in Fürth noch nicht. Hier hat man zwar das Konzept festgelegt, arbeitet aber noch an der konkreten Ausführung. Grundlage ist ein nutzungsoffener, flexibler Holzbau mit vereinfachter Haustechnik und optimiertem Brandschutzkonzept. Dazu ist eine manuelle Fensterlüftung angedacht, deren Machbarkeit durch eine dynamische Gebäudesimulation überprüft wurde. Außerdem wird auf einen Keller verzichtet.
Der Erweiterungsbau greift den Fußabdruck des Bestands auf. Durch seine städtebauliche Setzung erzeugt er eine klar gefasste Vorzone mit einem geschützten Pausenbereich zwischen den beiden Baukörpern. Wie der Bestand weist das neue Gebäude einen Versprung in der Kubatur auf. Dadurch entsteht eine zweite, kleinere Vorzone als eigener Eingangsbereich. „Neben der Gliederung des Schulgeländes ging es auch darum, in der Gebäudeklasse 3 zu bleiben, um so einfach wie möglich zu bauen. Das hätten wir mit einem Gebäude als Hochpunkt nicht geschafft“, erläutert Bumeder. Im Innern soll der Erweiterungsbau an zukünftige Nutzungsszenarien anpassbar sein. Ziel ist es, möglichst wenig Wände zu verbauen, um die Flächen multifunktional nutzen zu können. Deshalb ist eine offene und modulare Struktur mit sich wiederholenden Bauteilen geplant, in der die raumbildenden Elemente einfach ausgetauscht werden können. Die Klassenzimmer sind über Eck platziert und erhalten von zwei Seiten Tageslicht. Außerdem lassen sie sich querlüften.
Das Erdgeschoss ist für den Ganztagesbetrieb mit Küche und Speisebereich vorgesehen. In den beiden Obergeschossen befinden sich die Klassenzimmer und zusätzliche Funktionen wie Musik- oder Werkräume. Zwischen jeweils zwei Klassenzimmern gibt es einen offenen Gruppennebenraum ohne Wände, der nur durch das Mobiliar zoniert wird. Er soll von den jeweiligen Klassen für Gruppenarbeiten oder als Pausenraum genutzt werden. Ein wichtiges Element sind die umlaufenden Balkone vor den Klassenzimmern. Dadurch ist kein elektrischer Sonnenschutz nötig, was beim Bau und bei der Wartung Geld spart. Zudem werden Rankhilfen für die Begrünung der Fassade daran befestigt. Die Verdunstungskälte der Pflanzen soll zusätzlich zum sommerlichen Wärmeschutz beitragen. Die Balkone können von den Schülerinnen und Schülern auch als Außenklassenzimmer genutzt werden. „Das ist unserer Meinung nach ein sehr schönes Bild, dass die Kinder dort sitzen und ihre Hausaufgaben machen. So wird die Schule zu einem Teil des städtischen Raums“, sagt Bumeder. Die Balkone samt außenliegender Treppen dienen auch als Fluchtweg. „Im Moment sieht es so aus, dass das Treppenhaus im Innern kein notwendiger Fluchtweg sein wird. Stattdessen flüchtet man von jedem Aufenthaltsraum direkt auf die Balkone.“
Auch bei der konstruktiven Ausformulierung des Gebäudes sind noch einige Punkte offen. Fest steht, dass der Bau ressourcenschonend und größtenteils aus Holz errichtet werden soll. Geplant ist ein Skelettbau mit sichtbaren Holzoberflächen, bei dem die Wände im Fall einer Umnutzung flexibel entfernt oder hinzugefügt werden können. Auch das zirkuläre Bauen soll berücksichtigt werden. Bei der Ausführung will man auf unnötige Konstruktionsschichten verzichten. Ein Beispiel wäre ein möglichst einfacher Bodenaufbau beim Schallschutz. Bumeder erklärt: „Wir haben grundsätzlich hinterfragt, wo der Schallschutz überhaupt sinnvoll ist, da die Norm teilweise nicht mehr zu den Nutzungsszenarien von Schulen passt.“ Darin sieht er auch ein Grundprinzip des Gebäudetyps E: „Es geht darum, kritisch zu hinterfragen, was wirklich notwendig ist. Muss wirklich jeder Raum von einer Wand abgetrennt werden? Braucht es in jedem Klassenzimmer ein Wachbecken, obwohl es keine Kreidetafeln mehr gibt? Diese Fragen stellen wir uns gerade zusammen mit der Bauherrenschaft. Das ist ein offener Entwicklungsprozess.“
Neubau Grundschule Soldnerstraße (GSO-C), Fürth
Neubau Grundschule Soldnerstraße (GSO-C), Fürth
Ort: Fürth
Bauherr: Stadt Fürth
Generalplanung/Architektur: Hey! Architektur Bumeder Wehmann Architekten PartG mbB
Landschaftsarchitektur: Kronenbitter Landschaftsarchitekten
Fachplanung: KPPK Ziviltechniker GmbH
BGF: 2.500 qm
Fertigstellung: 2028
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