„Wir müssen endlich ins Handeln kommen!“
Altes Denken trägt nicht mehr. Für gutes Bauen braucht es Mut, Freiheit und neue Strukturen.
Wie wollen und können wir künftig bauen und wohnen? Wenn die Frage mit schnell und bezahlbar verbunden wird, lautet die Antwort: Nicht gut! Nach herkömmlichem Strickmuster können wir künftig weder gut bauen noch gut wohnen.
Wir kennen das magische Dreieck des Projektmanagements aus Zeit, Kosten und Qualität. Theoretisch liegt der Projekterfolg in seiner Mitte – praktisch verfehlt man ihn fast immer. Denn nach traditionellen Mustern sind nur zwei Dimensionen gleichzeitig erreichbar: Preiswert und schnell wird nicht gut, gut und preiswert geht nicht schnell, schnell und gut ist nie preiswert.
Doch unsere Zeit verlangt genau das: schnelles, bezahlbares und nachhaltiges Bauen. Demografische Entwicklung, Klimawandel, wirtschaftliche Transformation und Kostensteigerungen erhöhen den Druck auf unser Planen und Handeln. Dennoch drehen sich die Debatten im Kreis. Wie soll Bauen günstiger werden, wenn Rohstoffe knapper, Energie teurer und Vorschriften komplexer werden? Wie soll Bauen preiswerter werden, wenn Starkregen, Hitze und Dürre resilientere Bauweisen verlangen? Und vor allem: Wie soll Bauen erschwinglicher werden, wenn Ansprüche stetig steigen?
Es gibt Antworten – zumindest erste. Der Berufsstand hat mit dem Gebäudetyp E einen intelligenten Planungsansatz formuliert. In Hamburg entstand mit über 200 Fachleuten der Hamburg-Standard. Diese Modelle zeigen, dass einfachere, kosten- und ressourcenschonendere Lösungen möglich sind. Sie wurden vorgestellt, diskutiert, gefeiert – aber noch zu selten umgesetzt.
Jetzt gilt es, in die Umsetzung zu kommen. Wenn es gelingt, Auftraggeber für kreative, humanistisch inspirierte und zukunftsorientierte Ideen zu gewinnen, kann unser Berufsstand zum Innovationstreiber werden.
Gutes, schnelles und bezahlbares Bauen gelingt nur, wenn wir rechtliche Spielräume nutzen, digital effizient arbeiten und Qualität durch Wissen, Freiheit und Innovation neu ermöglichen.
Ines M. Jauck
Architektin, Präsidentin der Architektenkammer ThüringenVerwaltungen müssen Ermessensspielräume nutzen und Entscheidungen zügig treffen. Die Politik muss das Gebäudetyp-E--Gesetz endlich verabschieden, um experimentelles, innovatives Planen zu ermöglichen. Und die Digitalisierung muss flächendeckend greifen, um Zeit, Transparenz und Effizienz zu gewinnen.
Unser freier Beruf braucht seine Freiheit zurück – jene Freiheit, aus der Qualität, Kreativität und Innovation entstehen. Visionäre Ansätze müssen mit Projekten unterfüttert, Modellvorhaben sichtbar und anerkannt werden.
Das Wesentliche bleibt: Wir selbst sind für unseren Erfolg verantwortlich! Nur wer fachlich up to date bleibt und sich fortbildet, kann Qualität sichern und überzeugend auftreten.
Wenn wir es schaffen, diese Faktoren zu verbinden – digitale Effizienz für Zeitgewinn, rechtliche Spielräume für Innovation und Bildung als Fundament für Qualität –, dann nähern wir uns der Mitte des magischen Dreiecks. Dann gelingt gutes, schnelles und bezahlbares Bauen – ökonomisch, nachhaltig und baukulturell anspruchsvoll.
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