„Es geht, wenn man es will!“
Neuer Wohnraum muss wieder bezahlbar werden. Der Hamburg-Standard zeigt, wie das zu schaffen ist.
Es hat gedauert, aber es hat sich gelohnt. Über ein Jahr ist es her, dass Hamburgs Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Karen Pein, erstmals Repräsentant:innen der Immobilien- und Bauwirtschaft, Wohnungsbauunternehmen, Politik und Verwaltung sowie der Planungsberufe zu sich rief, um gemeinsam die Möglichkeiten für einen kostengedämpften Wohnungsbau zu identifizieren. Erklärtes Ziel war und ist es, einen Wohnungsbau für unter 3.000 EUR brutto pro Quadratmeter nicht nur zu ermöglichen, sondern Realität werden zu lassen, um so neuen Wohnraum wieder bezahlbar zu machen für die Menschen in der Stadt.
Wir, die ehren- und hauptamtlich für die Hamburgische Architektenkammer sowie die Hamburgische Ingenieurkammer-Bau tätigen Vertreter:innen haben dabei in vielen Workshoprunden unsere Expertise und Erfahrung eingebracht und mitgeholfen, den neuen Hamburg-Standard zu definieren. Wir haben es geschafft, zentrale Kostentreiber zu identifizieren und rechtssichere, praxistaugliche Alternativen sowie neue Prozess- und Verfahrensansätze zu entwickeln, um so die Baukosten um über ein Drittel zu senken.
Uns war es dabei besonders wichtig, dass die Kostenreduktion und die Effizienzgewinne keinesfalls zu schlechteren, unattraktiven Gebäuden und Wohnungen führen, sondern im Gegenteil, dass essenzielle Qualitäten definiert und gestärkt werden. Standards und Vorschriften werden immer da gesenkt oder abgeschafft, wo sie reduzier- oder verzichtbar sind. Der Hamburg-Standard bedeutet, neue Wege einzuschlagen, um sowohl bezahlbare als auch wohnliche, schöne und zeitgemäße und nicht zuletzt klimagerechte Lebensräume zu entwickeln.
Wer mit der Komplexität heutigen Planens und Bauens und den zahllosen, sich teils widersprechenden Anforderungen, Wünschen und Forderungen an den Wohnungsbau vertraut ist, ahnt, welch dicke Bretter da zu bohren waren. Umso erfreulicher ist es, dass sich die heterogen zusammengesetzten Arbeitsgruppen allesamt auf Lösungsansätze in ihren Feldern einigen konnten. Und es sind bereits 13 Pilotprojekte in allen Hamburger Bezirken in der Planung oder Umsetzung, noch dazu wissenschaftlich begleitet, um herauszufinden, welche Maßnahmen und Prozesse besonders effektiv Kosten sparen. Die bundesweite Aufmerksamkeit für den Hamburg-Standard zeigt, dass Hamburg hier eine Vorreiterrolle einnimmt und die Ergebnisse und Erkenntnisse werden dem kostengünstigen Bauen in ganz Deutschland zugutekommen. Und wir, die Architektinnen und Architekten, sind ganz vorne dabei bei der Gestaltung dieser Bauwende.
Der Hamburg-Standard zeigt: Mit neuen Prozessen und klaren Prioritäten lassen sich Baukosten um über ein Drittel senken – ohne Abstriche bei Qualität, Gestaltung und Klimagerechtigkeit.
Katrin Loosen
Dieser Artikel erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026 für die Region Küste (Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern).
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