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„Schnelles Bauen braucht Qualität“

Der Bau-Turbo wird für die Kommunen zur Herausforderung – die Architektenkammern sind gefordert 

© Tobias Hase

Lydia Haack

Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer

Seit Ende Juni 2021 ist Lydia Haack Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer. Gemeinsam mit John Höpfner führt sie das Architekturbüro Haack + Höpfner und lehrt Baukonstruktion und Entwerfen an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz. Qualitative und nachhaltige Stadtentwicklung bilden einen Schwerpunkt ihrer Arbeit. 

17.03.2026 5min
© Julian Rentzsch für das DAB 

Kein Instrument der aktuellen Wohnungsbaupolitik wird derart intensiv diskutiert wie der Bau-Turbo. Durch deutlich verkürzte Planungsverfahren soll schnell bezahlbarer Wohnraum entstehen. Prozesse, die bislang mehrere Jahre dauerten, könnten jetzt auf wenige Monate reduziert werden — vorausgesetzt, die jeweilige Kommune stimmt zu.

Diese neue Geschwindigkeit hat jedoch ihren Preis. Wo Verfahren verkürzt werden, ist zumeist weniger Expertise in den Planungsprozess eingebunden. Kritiker warnen vor Zersiedelung, Landbevorratung und baulichem Qualitätsverlust. Auch langfristige Stadtentwicklungsstrategien könnten aus dem Blick geraten. Schnelligkeit darf nicht zu minderer Qualität führen.  

Der Bau-Turbo macht Städte und Gemeinden handlungsfähiger denn je – doch die neue Freiheit verlangt nach klaren fachlichen Leitplanken, damit Schnelligkeit nicht zulasten der Qualität geht.

Prof. Lydia Haack

Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer

Die Entbürokratisierung und Beschleunigung des Bauens ist nicht nur eine Frage des Gesetzestextes, sondern vor allem seiner Anwendung. Durch ihre neue Entscheidungsmacht über die Dauer von Bauplanungsverfahren stehen die Kommunen vor komplexen Fragen: Ist ein Wohnungsbauvorhaben infrastrukturell sinnvoll, wenn kurzfristig weder zusätzliche Kitaplätze noch Schulräume geschaffen werden? Kann eine Nachverdichtung städtebaulich verantwortet werden, wenn dadurch Grünflächen oder Frischluftschneisen verschwinden? Und was, wenn beschleunigte Genehmigungen gerichtlich angefochten werden?  

Fragen wie diese erfordern klare Gestaltungsrahmen — durch frühzeitige Grundsatzbeschlüsse in den Gemeinderäten und klar definierte Voraussetzungen für Bauvorhaben. Dazu ist Kompetenz nötig, die vielerorts aber noch nicht in ausreichendem Maß vorhanden ist.

Damit das neue Gesetz nicht zum Qualitätsrisiko und zur Überforderung der Kommunen wird, sind auch die Architektenkammern gefordert. Mit dem Fachwissen und der Expertise ihrer Mitglieder können sie Kommunen gezielt unterstützen. Die Bayerische Architektenkammer arbeitet an einem Eckpunktepapier zur Umsetzung des Bau-Turbos und will zielgerichtete Beratungen auf Gemeinde- und Landkreisebene anbieten. Zudem werden Bildungsangebote entwickelt, um Entscheidungsträger:innen die erforderlichen fachlichen Leitplanken zu vermitteln.

Die Unterstützung der Kommunen kann nicht im Alleingang funktionieren. Erst die Zusammenarbeit mit Verbänden, Akademien und den zuständigen Ämtern sorgt für ein breites, abgestimmtes Unterstützungsangebot. In unserem Planungsprozess stimmen wir uns deshalb eng mit dem Gemeinde- und Städtetag, dem Landesverein für Heimatpflege, der Akademie Ländlicher Raum sowie den Ämtern für Ländliche Entwicklung ab.

Der Bau-Turbo macht Städte und Gemeinden handlungsfähiger denn je. Doch die neue Freiheit verlangt nach einer fachlichen Grundlage. Damit der Bau-Turbo nicht nur für schnelles, sondern auch für qualitätvolles Bauen sorgt. 

 


Dieser Artikel erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026 für die Region Bayern.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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