„Wir Architektinnen und Architekten wissen, was wir weglassen können, ohne Qualität zu verlieren.“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Kostentreiber und Bremsklötze: Woran scheitert „einfach“?
Das einfache Bauen findet sich in jeder baupolitischen Agenda. Gleichzeitig steigen die Ansprüche weiter. Eine Krux
Einfaches Bauen scheitert nicht zuerst an Technik oder fehlendem Wissen, sondern an einem gesellschaftlichen Mindset, das geprägt ist von der Angst vor Klagen der Nutzer. Erst wenn diese überwunden ist, werden fachliche Lösungsansätze wirksam. Ein Teil der Antwort kann im seriellen und modularen Bauen liegen. Kolleg:innen aus dem Design diskutieren derzeit im Podcast ddc.de, wie man von der perfekten, optimierten Serie wieder zu Produkten findet, die reparabel, fair und lokal hergestellt sind. Diese Frage stellt sich auch für unseren Berufsstand: Wo liegt das Optimum zwischen Einzelstück und Serie? Wo zwischen lokaler Produktion und Vorfertigung andernorts? Droht uns die Rolle reiner Dienstleister großer Bauunternehmen, die in Fabriken produzieren? Oder: Entwickeln wir uns dorthin, wo die Designer gerade herkommen? Der Wunsch nach „All-inclusive“-Produkten beim Planen und Bauen ist offenkundig. Was wäre, wenn unser Versorgungswerk einen Bruchteil der gemeinsamen Mittel in einen Immobilienfonds investierte, der Gebäude „von Architekten für Architekten“ kauft? In diesem Kontext ließe sich bewusst einfach bauen im Wissen darum, was wir ohne Qualitätsverlust weglassen können. Gelänge es mit diesem Ansatz, funktionierende, wirtschaftliche und qualitätvolle Gebäude zu realisieren, könnten diese vorbildhaft sein: für öffentliche Auftraggeber, für Investoren, für die Gesellschaft. Einfaches Bauen wird dann nicht mehr als Verzicht gelesen, sondern als selbstverständlicher Standard – und als Haltung, die zeigt: Qualität, Verantwortung und Einfachheit gehen zusammen. Let’s shift our mindset!
Fazit
Wir Architektinnen und Architekten sollten die Chance nutzen, auf den Wunsch von „All-Inclusive“-Produkten entsprechend zu reagieren: Zum Beispiel durch Entwickeln von Konzepten, die den neuen Anforderungen unserer Auftraggeber entsprechen und zugleich Haltung zeigen.
Dieses Meinungsstück aus der Rubrik „Eine Frage – mehrere Meinungen” stammt aus der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026, Region Baden-Württemberg.
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