„Einfaches Bauen rechtfertigt sich nur dann, wenn es auch qualitative Kriterien erfüllt.“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Kostentreiber und Bremsklötze: Woran scheitert „einfach“?
Das einfache Bauen findet sich in jeder baupolitischen Agenda. Gleichzeitig steigen die Ansprüche weiter. Eine Krux
Kostentreiber und Bremsklötze? Für mich stellt sich die Frage nach dem Gelingen einfachen Bauens nicht allein als eine mit den Zielgrößen Kosten und Geschwindigkeit. Auf sie wird viel zu sehr geschaut. Einfaches Bauen rechtfertigt sich nur dann, wenn es auch qualitative Kriterien erfüllt, die Gebäude den Anforderungen heutigen Wohnungsbaus genügen wie Barrierefreiheit, flexible Grundrisse und gemeinschaftliche Flächenangebote. Da mögen die Verfahren blitzschnell sein, wenn die Bauten nicht eingebettet sind in den baulichen Kontext und die Konzepte typologisch, funktional und gestalterisch tragen, werden sie keine Akzeptanz finden. Ein Blick in die Schweiz: Die Stadt Zürich hat eine öffentlich-rechtliche „Stiftung Einfach Wohnen“, deren Zweck und Ziel es ist, das Angebot an günstigem und ökologisch vorbildlichem Wohnraum zu erweitern. Der architektonische Anspruch wie Effizienz und Flexibilität wird dort nicht etwa zugunsten von „günstig“ aufgegeben, sondern ausdrücklich eingefordert. Ein anderes Beispiel gibt die „Initiative kostenreduziertes Bauen“ der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, die im Wettbewerb ausdrücklich „Innovative Grundrisse im geförderten Wohnungsbau“ verlangt. Oder das genossenschaftliche Projekt „Das große kleine Haus“ in München der ARGE Teleinternetcafé/Bogevischs Buero, das über innovative Konzepte die Baukosten reduzieren und leistbare Wohn-, Arbeits- und Gemeinschaftsräume schaffen will. Das AKBW-Kompetenzteam Wohnen greift solche Beispiele in einer Seminarveranstaltung des Ifbau auf.
Fazit
Das einfache Bauen ist keine Vision, sondern Realität, es darf kein Experiment bleiben, sondern ist Notwendigkeit. Viel zu sehr wird auf Tempo und geringe Herstellungskosten geschaut. Einfaches Bauen muss die Vielfalt zum Standard machen, besondere Bedürfnisse komfortabel und inklusiv abzudecken.
Dieses Meinungsstück aus der Rubrik „Eine Frage – mehrere Meinungen” stammt aus der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026, Region Baden-Württemberg.
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