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„Statt Omas Socken anzuziehen, will jeder jederzeit im T-Shirt durch die Wohnung laufen.“

Eine Frage – mehrere Meinungen: Kostentreiber und Bremsklötze: Woran scheitert „einfach“? Das einfache Bauen findet sich in jeder baupolitischen Agenda. Gleichzeitig steigen die Ansprüche weiter. Eine Krux

© AKBW

Astrid Fath

Architektin

Vorständin der TreuBau Freiburg AG und in der AKBW engagiert als Vorsitzende der Kammergruppe Rhein-Neckar sowie des Kompetenzteams Bauwirtschaft

24.03.2026 6min
Normen Einfaches Bauen Baden-Württemberg

Was ist „einfaches Bauen“? Darüber wäre erst einmal gesellschaftliches Übereinkommen herzustellen. Derzeit gehen die Vorstellungen doch weit auseinander. Die DIN hat den Versuch unternommen, über Regelungen eine akzeptierte Normung hinzubekommen. Nur: An ihre Empfehlungen hält sich kaum noch jemand. Das hat viele Ursachen, allen voran die seit Jahren steigende Erwartungshaltung von Wohnungsnutzern, selbst im Winter in kurzen Hosen und T-Shirts herumlaufen zu können – in überhitzten Wohnungen. Die Wollsocken von Oma haben längst ausgedient.  Wir können noch so viele Bauvorschriften erlassen, ändern oder anpassen, Baustandards aufweichen, Landesbauordnungen vereinfachen und das Bauen über die Änderung des Baugesetzbuches beschleunigen: Es wird nicht gelingen, ohne in den Köpfen den Schalter umzulegen.

Dies ist kein Plädoyer für Verzicht oder Komfortverlust, sondern dafür, sich wieder auf die Abdeckung grundlegender Wohnbedürfnisse zu besinnen. Das serielle, modulare, auch das vorgefertigte Bauen mit Elementen kann Teil der Lösung sein, gibt aber keine Antwort auf Konsensfragen. Alle Ansätze, die sich rein auf technische Regelungen, DIN-Normen oder Gesetze stützen, sind zum Scheitern verurteilt. Wir brauchen vielmehr neue Übereinkünfte, unser Miteinander zu gestalten. Hierzu gehört, dass die Fachrichtungen an einem Strang ziehen; dass Rechtsprechung Bauvorschriften und technische Anforderungen nicht unterwandert, gar verschärft und Ansprüche selbst auf nicht gesetzliche Vorgaben bestätigt; dass Architekten offen sind für abgesenkte Standards oder Vorfertigung. Und, aufs Ganze bezogen, eine wertebasierte Neujustierung unserer sozialen Normen.

Fazit 

Die Anzahl der Steckdosen oder der Datenleitungen im Hochbau festzulegen, bringt uns nicht weiter. Schnelles, einfaches und kostengünstiges Bauen ist eine Konsensfrage. Unsere Gesellschaft müsste sich darauf einigen, dass es auch ausreicht, die Grundbedürfnisse beim Wohnen abzudecken.

 


Dieses Meinungsstück erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026, Region Baden-Württemberg. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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