Vom Planen in schwierigen Zeiten: Der Auftragsbestand sinkt
Fast jedes vierte deutsche Planungsbüro bezeichnet seine wirtschaftliche Lage als schlecht. Das geht aus der Strukturbefragung 2026 der Bundesarchitektenkammer (BAK) hervor. Doch die Umfrage sendet auch positive Signale aus.
Fragt man BAK-Präsidentin Andrea Gebhard, wie sie die Ergebnisse der diesjährigen Strukturbefragung einschätzt, so fällt ihr Fazit zwiespältig aus. „Die wirtschaftliche Lage der Planungsbüros ist derzeit stabiler, als angesichts der gesamtwirtschaftlichen Situation zu erwarten war“, sagt sie. Das dürfe jedoch nicht über die Risiken hinwegtäuschen. „Die Ergebnisse sind ein deutliches Warnsignal: Viele Büros verfügen über kaum noch Spielraum für weitere Verschlechterungen.“
Dabei stellt sich die wirtschaftliche Lage der Büros sehr unterschiedlich dar. 22 % bezeichnen sie selbst als schlecht, 33 % als befriedigend. Auf der anderen Seite sehen sich 45 % der Büros in einer wirtschaftlich guten Lage. Beteiligt an der diesjährigen Strukturbefragung haben sich rund 14.000 der insgesamt knapp 96.000 angeschriebenen Kammermitglieder, was einer Rücklaufquote von 14,7 % entspricht. Für den Bericht zur konjunkturellen Lage der Büros wurden die Antworten von gut 4.000 selbstständig tätigen Kammermitgliedern gesondert ausgewertet.
Auftragsbestand für zehn Monate
Wie aus den Antworten weiter hervorgeht, reicht der durchschnittliche Auftragsbestand für die nächsten zehn Monate. Dabei ist die Spannbreite groß: 9 % der Büros haben sich so viele Aufträge gesichert, dass sie für mindestens 24 Monate ausgelastet sind. Ebenfalls 9 % befürchten hingegen, in spätestens drei Monaten keine Aufträge mehr zu haben. Die 2025 vorgenommene Befragung hatte noch einen durchschnittlichen Auftragsbestand von 11,5 Monaten ergeben.
Mit jetzt zehn Monaten bewege sich der Auftragsbestand „weiterhin auf einem vergleichsweise soliden Niveau“, sagt Dr. Philip Steden, Referatsleiter für nationale und internationale Wirtschaftspolitik bei der BAK. Der Rückgang um anderthalb Monate gegenüber dem Vorjahr zeige jedoch, dass die wirtschaftliche Unsicherheit zunehmend in den Büros ankomme. „Diese Entwicklung“, sagt Steden, „müssen wir ernst nehmen, denn ein kontinuierlich schrumpfendes Auftragspolster gefährdet mittelfristig die wirtschaftliche Stabilität der Büros.“
Die Sorgen verschärfen sich bei der Frage, ob in letzter Zeit Aufträge storniert oder zurückgestellt worden sind. Bei gut jedem zweiten Büro (52 %) war dies zumindest bei einzelnen Projekten der Fall. Besonders hoch war der Anteil bei größeren Büros, was sich durch die insgesamt höhere Anzahl an Aufträgen erklären dürfte.
Büroschließungen bleiben Ausnahme
Immerhin ist kurzfristig keine Welle von Büroschließungen zu erwarten. 76 % der Befragten halten es für unwahrscheinlich, ihr Büro im nächsten halben Jahr aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgeben zu müssen. 7 % halten hingegen eine Geschäftsaufgabe für wahrscheinlich, während sich 17 % keine Einschätzung zutrauen.
Wie unterschiedlich die wirtschaftliche Lage der Büros ist, zeigt auch ein Blick auf die Geschäftserwartung. Fast die Hälfte, nämlich 44 %, erwarten, dass sich ihre Auftragslage in den kommenden Monaten nicht verändern wird. 35 % rechnen mit einer negativen Entwicklung, 20 % versprechen sich eine Verbesserung. Auch beim jährlichen Überschuss, den die Büros erzielen, zeigt sich ein keineswegs einhelliges Bild. Über alle Größenordnungen hinweg beträgt der Median des Überschusses 20.800 Euro; die eine Hälfte der Büros verzeichnet also einen höheren, die andere einen niedrigeren Überschuss. Das arithmetische Mittel beträgt jedoch knapp 98.000 Euro. Dieser Mittelwert wird durch Büros mit 25 oder mehr Beschäftigten nach oben gezogen, die im Durchschnitt einen Überschuss von knapp 740.000 Euro erzielen.
Größere Büros erhoffen sich zudem eine positive Entwicklung im Bereich der öffentlichen Aufträge, und zwar vor allem dann, wenn sie einen hohen Anteil an Aufträgen des Bundes haben. „Diese positiven Erwartungen dürften auch mit dem Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes zusammenhängen“, vermutet Philip Steden. Zwar fließen nach seinen Worten die Mittel des Sondervermögens bislang vor allem in die klassische Infrastruktur, doch auch öffentliche Bauaufgaben wie Schulen und Krankenhäuser entwickeln sich vergleichsweise stabil. Dass künftig verstärkt auch Investitionen in öffentliche Gebäude vorgesehen sind, bezeichnet Steden als „wichtiges Hoffnungssignal für die Planungsbüros“. Entscheidend sei jetzt, dass die Mittel tatsächlich in konkrete Planungs- und Bauaufträge mündeten.
Die größten Hemmnisse
Gefragt nach den wichtigsten Hemmnissen, nennen die teilnehmenden Kammermitglieder vor allem den wirtschaftlichen Abschwung, regulatorische Anforderungen und Materialkostensteigerungen. Aber auch politische Faktoren belasten die Büros: 13 % bezeichnen fehlende Planungssicherheit aufgrund von unklaren politischen Signalen als Hemmschuh, 20 % kritisieren eine überbordende Bürokratie, und 25 % beklagen langsame Genehmigungsverfahren.
Um die Hürden für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit zu senken, ist deshalb nach Ansicht von BAK-Präsidentin Andrea Gebhard die Politik gefragt. Diese müsse bei drei Stellschrauben ansetzen: Sie müsse Baukosten senken, die Bürokratie abbauen und Investitionen ermöglichen. Wichtig ist für Gebhard besonders die rechtssichere Einführung des Gebäudetyps E. Dieser Punkt zeigt aber auch, wie schwer sich die Politik tut: Der längst angekündigte Gesetzentwurf verzögert sich immer weiter.
Außerdem, sagt Gebhard, „brauchen Planungsbüros weniger bürokratische Belastungen und verlässlichere Rahmenbedingungen“. Entscheidend sei aber vor allem, das Investitionsklima im Wohnungsbau spürbar zu verbessern. „Denn nur wenn Bauherrschaften wieder investieren, entstehen neue Planungsaufträge und dringend benötigter Wohnraum.“
Zur Studie
Zur Studie
Die Konjunkturbefragung der Bundesarchitektenkammer wurde in Kooperation mit den beteiligten Kammern und Verbänden (AHO, VBI und BIngK) durchgeführt. Im Zeitraum vom 5.5. bis 15.6.2026 wurden alle selbstständig tätigen Mitglieder der Architektenkammern der Länder eingeladen, an der Befragung zur konjunkturellen Lage teilzunehmen.
Strukturbefragung 2026
Strukturbefragung 2026
Im Mai und Juni 2026 führten die Architektenkammern der Länder unter Federführung der Bundesarchitektenkammer eine Online-Befragung der freiberuflich tätigen Kammermitglieder zur Struktur ihrer Büros durch.
Die Ergebnisse der Umfragen stehen unter bak.de/Umfrage zur Verfügung.
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