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„Transparenz schafft Orientierung für Büros“

Fast kein Verfahren öffnet jungen Büros den Marktzugang. Jonas Faber zeigt, wie der Vergabekompass Verfahren vergleichbar macht und Zugangshürden sichtbar.

Christine Jokerst-Pauli
13.07.2026 1min
Person mit Glatze und Bart hält ein Mikrofon und spricht vor einem Publikum.
Jonas Faber, Architekt, Freischaffend. Bewertet seit 2025 die Vergabeverfahren für den Vergabekompass Berlin. Gemeinsam mit einem Partner gründete er 2020 in Berlin das Studio Schamofski. © Till Budde

DAB Redaktion Berlin: Viele junge Büros kämpfen mit Akquise. Sie analysieren parallel zu Ihrer Selbstständigkeit Vergabeverfahren – hilft dieser „Blick hinter die Kulissen“ konkret bei der eigenen Bürostrategie?

Jonas Faber: Ja, definitiv. Man entwickelt ein besseres Verständnis dafür, wie Auftraggeber denken und welche Kriterien tatsächlich entscheidend sind. Für die eigene Bürostrategie heißt das, gezielter auszuwählen, an welchen Verfahren wir in welcher Konstellation teilnehmen können, denn fast kein Verfahren bietet einen Marktzugang für kleine, junge Büros. Es geht darum, sich passgenau mit dem richtigen Team zu bewerben. 

Was ist der entscheidende Mehrwert des Vergabekompasses im Alltag? 

Der größte Mehrwert für die Nutzenden liegt in der übersichtlichen Aufbereitung des Verfahrenssteckbriefs. Auf einen Blick ist festzustellen, ob man die geforderten Eignungskriterien erfüllt. Die hohe Transparenz und Vergleichbarkeit, welche der Vergabekompass aufzeigt, schafft eine wichtige Orientierungshilfe für Büros. Dadurch wird das System insgesamt nachvollziehbarer und weniger zufällig. Gleichzeitig stärkt dieses Wissen die eigene Handlungssicherheit – man kann fundierter entscheiden, wann sich eine Teilnahme lohnt und wie man sich optimal positioniert.

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Wo sehen Sie den größten berufspolitischen Handlungsbedarf? 

Ein zentrales Thema ist aus meiner Sicht die Chancengleichheit. Wenn junge und kleinere Büros stärker am Wettbewerb teilnehmen sollen, müssen bestehende Zugangshürden konsequent reduziert werden. Dazu gehören insbesondere die Anforderungen an Referenzen und Jahresumsätze, die oft sehr hoch angesetzt sind und Neueinsteiger benachteiligen. Gleichzeitig besteht Bedarf an Vereinfachung und Digitalisierung der Verfahren. Viele Abläufe sind unnötig komplex und bürokratisch, was sowohl für Auslobende als auch für Teilnehmende einen erheblichen Aufwand bedeutet. Schlankere, transparenter gestaltete Prozesse würden Zeit und Ressourcen sparen und auch die Attraktivität von Vergabeverfahren insgesamt erhöhen. Perspektivisch hoffen wir anhand der Daten konstruktive Gespräche mit den Auslobenden zu führen, um die Marktzugänge für alle Planenden gerechter zu gestalten.


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Berlin, Brandenburg

Christine Jokerst-Pauli

Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Architektenkammer Berlin DAB Redaktion Berlin
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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