„Schnell, bezahlbar und doch gut“
Warum eine gestärkte Innenarchitektur für einen erfolgreichen Wohnungsbau entscheidend sein wird
Gerade in Ballungsgebieten ist der Handlungsdruck enorm: Wohnraummangel, steigende Baukosten, knappe Ressourcen. Der sogenannte Bau-Turbo verspricht Abhilfe. Doch Beschleunigung allein löst keine strukturellen Probleme. Entscheidend ist, wie wir schneller bauen – und für wen. Das magische Dreieck aus Qualität, Zeit und Kosten sollte weiterhin angemessen ausbalanciert werden. Langfristige Qualität benötigt Priorität vor kurzfristiger Quantität. Demokratische Planung, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz sind dabei weiterhin zu berücksichtigen.
Wenn schneller und günstiger gebaut werden soll, braucht es vor allem eines: bessere Planung, nicht weniger. Wer Planung verkürzt, indem er sie ausspart oder entwertet, riskiert langfristig höhere Kosten und geringere Qualität. Zeit wird nicht durch Planungsverzicht gewonnen, sondern durch klare Prozesse, frühe Planungstiefe und interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Beschleunigung allein schafft keinen guten Wohnraum: Entscheidend ist bessere Planung – mit Priorität für Qualität, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz statt kurzfristiger Quantität.
Elke Hobmeyr
Innenarchitektin, Vorstandsmitglied der Architektenkammer BerlinEs gibt viele Parameter, die sich durch Veränderung vorteilhaft auswirken können. Ein Ansatz wäre zum Beispiel die Realisierung von kleineren Wohneinheiten. Intelligente Flächenoptimierung ebnet den Weg zu Wohnkonzepten auf kleinerem Raum, ohne dass dies als Verzicht empfunden wird. Das hat positive Auswirkungen auf Bauzeit, Baukosten und auf die spätere Miete und die Nebenkosten. Ein weiteres wesentliches Potenzial liegt im Bauen im Bestand. Umbau und Umnutzung können teils schneller und ressourcenschonender als Neubau sein. Darüber hinaus ermöglicht eine Rückbesinnung auf einfaches, funktionales Bauen eine zusätzliche Reduktion der Herstellungskosten. Werden Wartungs- und Instandhaltungsaufwendungen bereits in der Planung berücksichtigt, können die Nutzungskosten langfristig weiter minimiert werden.
Ein Bau-Turbo, der auf Kosten der Inklusion geht, verfehlt sein Ziel. Schnell gebaut, aber für viele nicht nutzbar, ist weder sozial noch wirtschaftlich. Partizipation ist dabei kein Zeitverlust, sondern ein Qualitätsgewinn. Räume, die für alle funktionieren, sind robuster, flexibler und zukunftsfähiger.
Der Innenarchitektur der Gebäude kommt bei allen genannten Punkten eine zentrale Rolle zu. Denn dort, wo Gebäude tatsächlich genutzt, angeeignet und bewertet werden, bemisst sich der Erfolg des Bauens im Innenraum. Innenarchitektur ist kein nachgelagerter Ausbauschritt, sondern ein zentraler Bestandteil qualitätvollen Bauens. Die Qualität des Innenraums entscheidet über Nutzbarkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.
Bezahlbares Bauen ist immer auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Räume sind Gemeingüter und wir haben die Verantwortung, für alle Menschen guten Wohnraum zu schaffen. Die Frage ist nicht, ob wir uns das leisten können – sondern ob wir es uns leisten können, es nicht zu tun.
Dieser Artikel erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026 für Berlin - Brandenburg.
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