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„Qualitäten schätzen, Visionen wagen!”

Warum wir mehr in den Gebäudebestand investieren müssen

Schwarzweißfoto eines älteren Mannes in formeller Kleidung (Sakko, Krawatte, Einstecktuch) mit Brille und Schnurrbart, der gestikulierend an einem Rednerpult in ein Mikrofon spricht; auf dem Pult ist die Aufschrift „Architektenkammer Nordrhein‑Westfalen“ zu sehen.
© Mathias Kehren

Dipl.-Ing. Ernst Uhing

Architekt, Präsident der Architektenkammer NRW
12.03.2026 6min
Kommentar Nordrhein-Westfalen
© Julian Rentzsch für das DAB

4,0 – 9,3 – 35: Was wie die Hälfte der Lottozahlen klingt, sind drei magische Werte, die deutlich machen, dass wir bei der Diskussion um einfacheres, schnelleres und kostengünstigeres Bauen den Fokus neu ausrichten müssen. Während die Bundesregierung ihren Bau-Turbo erkennbar auf Neubau – und das oft auf der grünen Wiese – ausrichtet, liegt die Zukunft des Bauens schon ganz offensichtlich vor uns: im Gebäudebestand. In unserem dicht besiedelten Bundesland Nordrhein-Westfalen zählen wir 9,3 Millionen Gebäude, davon 4,0 Millionen Wohnungsbauten. IT-NRW schätzt, dass etwa ein Drittel aller Gebäude aus der Nachkriegszeit stammt. Damit ist klar: Diesen Schatz gilt es, zu heben, zu pflegen und auszubauen. Leider ist das Bauen im Bestand gegenwärtig noch weniger attraktiv als der Neubau. Das liegt vor allem daran, dass bei Sanierungen und Bestandsergänzung das gesamte Bauwerk den rechtlichen Anforderungen der heutigen Zeit unterworfen wird.

Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen fordert deshalb die Einführung einer „Oldtimer-Regelung“, die vorhandene Qualitäten weiter gelten lässt – und damit Investitionen in den Gebäudebestand wieder lohnenswert und attraktiv macht. Wir brauchen mehr Mut, vielleicht auch mehr packende Visionen für die Bestandsentwicklung, um vorhandene bauliche Qualitäten für die Zukunft zu bewahren und auszubauen! Unbenommen davon ist es richtig, ergänzenden Neubau – vor allem neuen bezahlbaren Wohnraum – zu forcieren.

Die Zukunft des Bauens liegt im Bestand: Wenn vorhandene Qualitäten anerkannt werden, können Millionen Gebäude einfacher, günstiger und nachhaltiger weiterentwickelt werden.

Ernst Uhing

Architekt, Präsident der Architektenkammer NRW

Liebe Kolleg:innen, wenn Sie diese Zeilen lesen, ist der März gekommen. Am 21. März 2026 wird sich unsere neue, XIII. Vertreterversammlung der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen konstituieren. Alle Gremien werden dann neu gewählt, darunter auch der Präsident bzw. die Präsidentin. Ich selbst bin nicht mehr angetreten. Ich bin mir aber sicher, dass die genannten Ziele auch von der künftigen Kammer-Präsidentin  bzw. vom künftigen Kammer-Präsidenten – wer immer es sein wird – geteilt werden. Ich bitte Sie, die Kolleg:innen der mit rund 33.000 Mitgliedern größten deutschen Architektenkammer, darum, die von Ihnen demokratisch gewählten Delegierten des neuen NRW-Architektenparlaments aktiv zu unterstützen. Wir sind eine starke Gemeinschaft – und wir arbeiten in einem starken Verbund: mit unseren Partner:innen in Wissenschaft und Lehre, in Verbänden und Institutionen, in der Bau- und Immobilienwirtschaft, in Kommunen und Landesverwaltung, in der Kreativwirtschaft und den Medien. Gemeinsam wird es uns gelingen, das Planen und Bauen in Nordrhein-Westfalen besser zu machen. Für eine lebendige Baukultur, für lebenswerte Städte und Gemeinden. Kurz: für eine gebaute Umwelt, die Menschen Heimat bietet und die uns alle verbindet. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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