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Säule versus Netzwerk

Architekturvermittlung an Hochschulen? Bei Interdisziplinarität stoße deren Struktur an Grenzen, sagt Susanne Dürr.

Gabriele Renz
30.06.2026 2min
Weiterbildung Studium Baden-Württemberg
Susanne Dürr, Architektin, Professorin für Städtebau und Gebäudelehre an der Hochschule Karlsruhe, Vizepräsidentin der Architektenkammer Baden-Württemberg
© Lena Reiner

DAB Redaktion Baden-Württemberg: An Hochschulen wird Architektur vermittelt. Aber sind es auch die richtigen Inhalte?

Susanne Dürr: Lehrende wie Studierende sind sich der Transformation des Bausektors mit Fokus auf Ressourcenorientierung, Digitalisierung oder KI-Anwendung bewusst. Wir hinterfragen das eigene Wissen und die Werkzeuge aus der Praxis, die nicht unbedingt Antworten auf diese Fragenkomplexe geben. Evaluierung, Monitoring wie Forschung werden wichtiger – auch als Studieninhalte. Mit Neubesetzungen von Professuren wird inhaltlich nachjustiert. Gleichzeitig reden wir in Studienkommissionen darüber, wie Lehrinhalte anzupassen sind. Dabei kristallisiert sich verstärkt die Notwendigkeit zur Interdisziplinarität heraus – zu einem Denken jenseits der Organisation in Studiengängen. Die Diskussion um Säule versus Netzwerk ist an Hochschulen und Universitäten angekommen. 

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Haben Sie eine Idee, wie sich die Praxisnähe verbessern ließe?

Der Austausch zwischen Praxis und Lehre existiert auf vielfältige Art, z. B. über Gesprächsrunden in den Akkreditierungen oder über Pflichtpraktika, braucht aber Aufmerksamkeit und Kontinuität. Dabei gibt es nicht die EINE Praxis und damit EINE Nähe. Die Breite des Berufsfeldes erfordert eine Balance zwischen generalistischer Ausbildung und Spezialisierung. Denn Ziel ist ja, die unterschiedlichen Berufsaufgaben und die individuellen Fähigkeiten der Studierenden zusammenzubringen. 

Architekt:innen müssen gut kommunizieren können. Wie ertüchtigt die Hochschule dafür?

Um einen konstruktiven Dialog über Konzepte, Gestaltung oder Konstruktion mit einer jeweils anderen Zuhörerschaft zu bewältigen, reicht es nicht, Fakten über Pläne, Visualisierungen oder Modelle zu transportieren. Es braucht auch Sprach- und Vermittlungsfähigkeit. Dieses Thema wird an den Hochschulen schon wahrgenommen. 

Sehen Sie auch die Architektenkammern in der Pflicht?

Ja, deren Aufgabe liegt insbesondere darin, den Austausch an den Schnittstellen zu fördern: z. B. mit dem bundesweiten Nachwuchsarchitekt:innentag oder mit der Repräsentanz und aktiven Mitarbeit von Juniorarchitekt:innen im Landesvorstand der AKBW. Auch das Fortbildungsinstitut IFBau arbeitet stetig daran, das dynamisch sich verändernde Wissensspektrum durch Inhalte abzubilden.

© Lena Reiner
Zur Person

Susanne Dürr

Vizepräsidentin der Architektenkammer Baden-Württemberg

Susanne Dürr ist Architektin und Professorin für Städtebau und Gebäudelehre an der Hochschule Karlsruhe. Seit 2018 ist sie Vizepräsidentin der Architektenkammer Baden-Württemberg.


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für Baden-Württemberg

Gabriele Renz

Leitung Kommunikation/ Pressesprecherin Architektenkammer Baden-Württemberg DAB Redaktion Baden-Württemberg
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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