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„Mehr Vielfalt abbilden“

Kammerkommentar: Lavinia Wagner, Vorstandsmitglied der Bayerischen Architektenkammer, erläutert, wie junge Kolleg:innen ihren Beruf künftig leben wollen und was die Kammer dafür leisten kann.

"Porträt einer Frau mit schulterlangem braunem Haar, das zur Seite fällt. Sie hat blaue Augen und ein strahlendes Lächeln. Ihr Gesicht zeigt Sommersprossen. Sie trägt ein dunkelblau gefärbtes Leinenhemd mit Kragenausschnitt. Der Hintergrund ist neutral grau gehalten. Die Beleuchtung ist hell und gleichmäßig, was einen professionellen Porträtstil unterstreicht."
© Johannes Mueller

Lavinia Wagner

Vorstand der Bayerischen Architektenkammer

Lavinia Wagner ist Architektin. Nach ihrem Studium in Linz, Gent und München arbeitete sie in verschiedenen Architekturbüros und derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Architektur urbaner Dichte der Technischen Universität München. Im Vorstand der Bayerischen Architektenkammer vertritt sie für die Liste „Junge Perspektiven“ die Interessen der nächsten Generation von Planerinnen und Planern.

14.09.2026 2min

Was wollen junge Menschen eigentlich von der Kammer? Wenn man der Kontextur-Umfrage vom Juni 2026 Glauben schenkt, wollen etwa 70 % die Kammer abschaffen. Sie kostet Geld und alle fragen sich: Was hab ich davon? Die geringe Wertschätzung ist bedauerlich – und nicht gerechtfertigt. Denn eine starke Kammer kann eine wichtige Stimme für den Berufsstand sein. Dafür braucht es auch die Perspektive der Jüngeren in der Kammer.

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"Illustration einer Frau mit schulterlangem dunklem Haar, das zur Seite fällt. Sie lächelt warm in die Kamera. Die Zeichnung ist in schwarzer Tinte ausgeführt und zeigt feine Details im Gesicht. Im Hintergrund und hinter dem Hals sind blaue Aquarell-Pinselstriche zu sehen, die einen abstrakten, künstlerischen Hintergrund bilden. Die Frau trägt einen schwarzen Kragen oder Oberteil. Der Gesamteindruck ist eine moderne, künstlerische Porträtillustration mit einer Kombination aus präziser Zeichnung und freien Aquarellakzenten."
Lavinia Wagner, Vorstand der Bayerischen Architektenkammer
© Julian Rentzsch für das DAB

Am Anfang der beruflichen Laufbahn liegen alle Möglichkeiten und viele Unwägbarkeiten. In Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche, gefährdeter demokratischer Systeme, rapider technologischer Entwicklungen und drohender Umweltkatastrophen werden Prognosen unschärfer und vermeintliche Sicherheiten schwinden. Ein unschöner Ausblick, aber gleichzeitig eine große Chance, neu darüber zu verhandeln, welche Rolle der Berufsstand künftig einnehmen soll. Unsere breit aufgestellte Ausbildung ermöglicht ein weites Spektrum an Karriereoptionen. Neben Planungsleistungen gehören dazu viele andere Aufgaben: Wir forschen zu Materialien, Prozessen und gesellschaftlichen Fragestellungen, wir lehren und referieren, wir kommunizieren komplexe Inhalte zwischen Auftraggebenden, Fachplanenden, Öffentlichkeit und Politik. Wir strukturieren Planungs- und Bauprozesse, beraten private und öffentliche Akteure, kalkulieren Kosten, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit und publizieren in Fachmedien oder wissenschaftlichen Kontexten.

Diese Vielfalt darf sich in der Kammer noch deutlicher abbilden. Wichtig ist, die immer komplizierteren Bau- und Planungsprozesse unter die Lupe zu nehmen. Gleichzeitig bringen neue Zeiten neue Herausforderungen mit sich – und damit neue Berufsprofile. Jede Architektengeneration muss neu danach fragen, welche Rollen sie in Zukunft übernehmen wird.

Was junge Menschen von der Kammer auch erwarten, ist Unterstützung in puncto Gleichberechtigung und Arbeitsbedingungen. Wir sind überzeugt, dass Verantwortung im Beruf und Sorgearbeit sehr gut zusammenpassen können, wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Zentral ist die Frage, wie man zu Beginn seiner Laufbahn Fuß fasst und in seiner Weiterentwicklung unterstützt wird.

Wenn wir als junge Generation eines von der Kammer wirklich brauchen, dann ist es gute Lobbyarbeit. Die Expertise unseres Berufsstandes muss in die Politik und in die Gesellschaft getragen werden. Wir sollten das Feld nicht allein der Bauindustrie überlassen. Als junge Generation werden wir unweigerlich mit den Folgen der mangelnden Konsequenz in puncto Bauwende konfrontiert. „Abriss-Moratorium“ und Netto-Null beim Flächenverbrauch bilden den Grundstein, auf dem unsere Zukunft liegt. Wenn wir also verhindern wollen, dass wir in Zukunft dazu gezwungen werden, unnötige Ersatzneubauten zu planen, müssen wir Einfluss nehmen. Ja – wir wollen in Zukunft von unserem Beruf leben können. Aber wir wollen durch seine Ausübung nicht unsere Zukunft zerstören, sondern einen Beitrag für eine bessere Welt leisten. 


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für Bayern.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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