„Räume erzählen Geschichten“
Kammerkommentar: Planende sollten Übersetzer ihrer eigenen Werke sein.
Wir alle bewegen uns überwiegend in gestalteten Räumen, sei es in Gebäuden oder draußen in Kulturlandschaften oder Stadträumen. Umso wichtiger ist es, unseren Lebensraum so zu gestalten, dass er für uns nicht nur gut funktioniert und wir uns wohlfühlen, sondern einen Mehrwert schafft, uns inspiriert.
Doch was sind gut gestaltete Räume? Architekturvermittlung ist vielschichtig. Sie sollte bereits im jüngsten Alter beginnen, viele Kinder verbringen den Großteil ihrer Lebenszeit in Einrichtungen wie Kitas und Ganztagesbetreuungen. Daher sollten ganz besonders hier die Räume neben ihrer Funktionalität und Kindgerechtigkeit einen hohen Anspruch an gestalterischer Qualität haben und die Entwicklung der Kinder unterstützen. Neue Unterrichtskonzepte sowie die voranschreitende Digitalisierung passen nicht mehr zu den tradierten Raumkonzepten von Schulgebäuden.
Klimaschutz und Inklusion fordern zusätzliche Anpassungen. In mehreren Schulbaukonferenzen haben wir die verantwortlichen Akteurinnen und Akteure zusammengebracht und anhand von Vorträgen und Best-Practice-Beispielen vermittelt, wie neue Raumkonzepte aussehen können, und Wege der Umsetzung aufgezeigt. Die Vortragenden kamen nicht nur aus der Architektur, sondern auch aus den Kommunen, den Schulen und der Psychologie.
Schlussendlich ist Architekturvermittlung auch eine Frage der Identität. Viele machen sich keine Gedanken über ihre gebaute Umwelt und respektieren sie dadurch oft nicht. Es ist erwiesen, dass deutsche Städte immer mehr im Müll versinken, dem sogenannten Littering. Das liegt auch an der fehlenden Identität im Quartier, in der Stadt, an dem Ort, in dem gelebt wird. Orte sollten Geschichten erzählen, die ihre Bewohner:innen und Nutzer:innen mitnehmen. Das erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl für Quartier und Straße.
Ein Instrument, um Architektur und Stadtplanung transparenter und durchlässiger zu machen, ist der Tag der Architektur. Er bringt Besuchenden die gebaute Umwelt näher. Ein Gebäude kann nicht sprechen. Und oft sehen wir nur dessen Hülle. Am Tag der Architektur bekommen wir die Gelegenheit, die Entwurfsgedanken kennenzulernen und Gebäude von innen zu erleben. Das Verständnis eines Gebäudes ergibt sich oft von innen nach außen. Lerne ich diesen Prozess kennen, kann ich mich ganz anders mit Architektur identifizieren, ähnlich einer Bildbeschreibung in der Kunst.
Partizipation ist ein wichtiger Hebel bei einer zielführenden Architekturvermittlung. Die Leistungsphase Null gewinnt immer mehr an Bedeutung. Es werden Bedarfe abgefragt und fließen als Wünsche in ein Raumprogramm ein. Auf Augenhöhe treten Planende mit Nutzerinnen und Nutzern in den Austausch und versuchen gemeinsam, einen Wohlfühlort, den man sich aneignen kann und der inspiriert, zu erschaffen.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland
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