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Kammerwahl Rheinland-Pfalz 2026: Wer gestaltet die Zukunft der Architektur?

Bei den Kammerwahlen geht es um mehr als um Sitze in einem Gremium. Es geht um die Frage, wer die Zukunft des Berufsstands mitgestaltet – und wer seine Interessen vertritt.

Architektenkammer Rheinland-Pfalz
25.09.2026 4min
Politik Rheinland-Pfalz
Menschen in einem Besprechungsraum sitzen an Tischen in U-Form und heben mehrheitlich die rechte Hand
Die Herbstsitzung findet traditionell in der Landesgeschäftsstelle der Architektenkammer Rheinland-Pfalz am Hindenburgplatz in Mainz statt.
© Kristina Schäfer

Die Zukunft der gebauten Umwelt entscheidet sich nicht nur auf der Baustelle oder im Planungsbüro. Auch in den Gremien der Architektenkammern werden die Rahmenbedingungen dafür gesetzt, wie künftig geplant, gebaut und gestaltet wird. Gute Ideen brauchen deshalb nicht nur fachliche Qualität, sondern auch Orte, an denen sie gehört und politisch wirksam werden.
 

Von der Hochschule in die Berufspolitik

Wer Architektur studiert, diskutiert ständig über die Zukunft: Wie wollen wir bauen? Was bedeutet Nachhaltigkeit? Was lässt sich erhalten, statt abzureißen? Wie können Städte klimaresilient werden? Wie viel Fläche können wir noch versiegeln? Und wie bleibt Architektur gesellschaftlich relevant?

Mit dem Berufseinstieg wird der Blick häufig enger. Das nächste Projekt muss fertig werden, die Abgabe steht an, das Büro muss funktionieren. Zwischen HOAI, Baurecht, Abstimmungen und Termindruck bleibt wenig Zeit für die großen Fragen. Dabei werden genau diese Fragen in politischen Prozessen, Gesetzgebungsverfahren und berufspolitischen Gremien verhandelt.

Kammerwahl Rheinland-Pfalz 2026

Im Herbst 2026 findet die Wahl zur XI. Vertreterversammlung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz (AKRP) statt. Alle Mitglieder sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben – entweder online vom 4. bis 20. Oktober oder per Briefwahl vom 4. bis 13. November, 15 Uhr. 

www.diearchitekten.org/ 

Die Spielregeln des Berufs mitgestalten

Hier kommt die berufliche Selbstverwaltung ins Spiel. Architektenkammern vertreten nicht nur die Interessen ihrer Mitglieder. Sie wirken an den Rahmenbedingungen des Berufsstands mit, bringen fachliche Expertise in politische Debatten ein und setzen sich für Baukultur, Qualität und nachhaltiges Planen und Bauen ein.
Für Kammerpräsident Joachim Rind ist gerade diese Selbstbestimmung zentral: „Unser Berufsstand organisiert sich selbst." Die Kammer entscheide über die Berufsbezeichnung, verhandle mit den politischen Gesetzgebern über die Honorarordnung und bestimme Anforderungen an Fortbildung und berufliche Qualität.

Vizepräsident Joachim Becker bringt es auf den Punkt: „Wir entscheiden selbst, welche Themen für unseren Berufsstand wichtig sind – nicht ein Ministerium oder ein Konzern." Selbstverwaltung bedeute deshalb vor allem eines: Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft des Berufsstands aktiv mitzugestalten. Wer sich in der Kammer engagiert, arbeitet damit nicht nur an der Gegenwart, sondern wirkt an den Spielregeln für die kommenden Jahre mit.

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Wer vertritt eigentlich die Mehrheit?

Eine zentrale Frage der anstehenden Wahl ist deshalb auch die nach der Repräsentation. Denn die Zusammensetzung der Architektenschaft hat sich verändert.

In Rheinland-Pfalz sind inzwischen mehr als die Hälfte der Kammermitglieder angestellt oder verbeamtet. In der Vertreterversammlung spiegelt sich dieses Verhältnis bislang jedoch nicht wider: Von achtundvierzig Mitgliedern sind knapp ein Viertel angestellt. Im Vorstand ist die Perspektive der Angestellten derzeit nur durch Julia Holzemer-Thabor vertreten. Die AKRP werde von vielen noch immer als „Kammer der Freiberufler" wahrgenommen, so Holzemer-Thabor. Eine zeitgemäße Selbstverwaltung müsse jedoch die tatsächliche Zusammensetzung des Berufsstands abbilden.

Das ist nicht nur eine Frage der Statistik. Fortbildungspflicht, Beitragsreform, Berufsordnung, Berufsbild oder Versorgungswerk betreffen angestellte und beamtete Mitglieder unmittelbar. Auch für die Baukultur ist ihre Perspektive unverzichtbar: Beschäftigte in Kommunen und öffentlichen Verwaltungen sind häufig früh an Bauprojekten beteiligt, beraten politische Entscheidungsträger, initiieren Projekte oder stoßen qualitätssichernde Verfahren wie Wettbewerbe an.

Gruppe von etwa 50 Personen steht vor einem historischen Gebäude mit Bogen und Pflastersteinboden
Knapp 50 Menschen, zwei Sitzungstage, jede Menge Einfluss: Die Vertreterversammlung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz tagte 2025 in Bernkastel-Kues.
© Chris Marmann

Ehrenamt – mehr als ein Zusatztermin

Engagement in der Kammer kostet Zeit. Aber nicht jedes Engagement bedeutet einen zusätzlichen Vollzeitjob. Für die Vertreterversammlung sind beispielsweise zwei Sitzungen pro Jahr vorgesehen. Hinzu kommen Arbeitsgruppen, in denen sich Mitglieder entsprechend ihrer Interessen einbringen können. Umfangreicher ist die Arbeit im Vorstand.

Für Vizepräsident Joachim Becker überwiegt der Gewinn, insbesondere der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Das Ehrenamt schafft damit etwas, das im hektischen Planungsalltag häufig fehlt: Zeit für den Austausch über das einzelne Projekt hinaus und für die Fragen, die den Berufsstand insgesamt betreffen. 

Drei Frauen mit Brillen sitzen an einem Tisch mit Wasserflaschen und Gläsern in einem hellen Raum
2026 kam die Vertreterversammlung in der vielfach ausgezeichneten neuen Kulturhalle in Schaidt, Wörth am Rhein, zusammen. Entworfen wurde sie von AV1 Architekten aus Kaiserslautern.
© Kai Mehn

Warum gerade jetzt junge Stimmen gefragt sind

Die Herausforderungen des Berufsstands sind groß: Klimakrise, Ressourcenknappheit, Flächenverbrauch, Wohnraummangel, Umbaukultur, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern die Rahmenbedingungen der Planung grundlegend. Gerade die jüngeren Mitglieder werden mit diesen Veränderungen über Jahrzehnte leben und arbeiten.

Wie gehen wir künftig mit dem Bestand um? Wie verändern Digitalisierung und KI den Planungsprozess? Welche Kompetenzen braucht der Berufsstand? Und wie müssen Vergabeverfahren gestaltet sein, damit Qualität nicht allein dem Preis untergeordnet wird?

Auf diese Fragen braucht es Erfahrung – aber ebenso die Perspektive einer Generation, die mit den neuen Rahmenbedingungen in den Beruf startet. Eine niedrigschwellige Möglichkeit, sich einzubringen, bietet seit 2022 die Juniormitgliedschaft mit aktivem und passivem Wahlrecht.

Gruppe von Menschen steht vor einer rostbraunen, wellenförmigen Wand mit dreieckigen Fenstern und hört einer Frau zu, die Papiere hält
Mit ihrer Frühjahrssitzung ist die Vertreterversammlung traditionell in Rheinland-Pfalz unterwegs.
© Kristina Schäfer

Selbstverwaltung ist kein Lieferservice

Architektenkammern sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und übernehmen wichtige Aufgaben der beruflichen Selbstverwaltung. Sie gestalten berufliche Rahmenbedingungen mit, vertreten den Berufsstand gegenüber Politik und Gesellschaft und setzen sich für Baukultur und nachhaltiges Planen und Bauen ein.

Doch Selbstverwaltung funktioniert nur, wenn der Berufsstand sie auch nutzt. Neue Perspektiven sind dabei kein dekoratives Extra, sondern Voraussetzung für eine lebendige Selbstverwaltung.

Die Kammerwahl 2026 ist deshalb mehr als ein Wahltermin. Sie ist eine Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen, Themen zu setzen und die eigene berufliche Zukunft mitzugestalten. 

Architektenkammer Rheinland-Pfalz

DAB Redaktion Rheinland-Pfalz
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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