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KI und Architektur – Fluch oder Segen?

Künstliche Intelligenz – kurz KI – verändert nicht nur unseren Alltag in rasanter Geschwindigkeit. Sie ist längst auch im Architekturbüro angekommen. Warum KI Chance und Risiko zugleich ist, erläutert Eva Holdenried, Vorstandsmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, im Interview.

Lena Pröhl
07.05.2026 8min
Eva Holdenried, Vorstandsmitglied der Architektenkammer- Rheinland- Pfalz © Kristin Bucher, Frankfurt

Lena Pröhl: Kann KI Architektur?

Eva Holdenried: Künstliche Intelligenz kann heute vieles – aber sie kann (noch) keine Architektur im ganzheitlichen Sinne. Zwar ist sie längst in gängige Planungsprogramme integriert, und kaum eine Software kommt inzwischen ohne KI-gestützte Assistenzfunktionen aus. Doch bei aller Dynamik gilt auch: Viele Anwendungen versprechen derzeit mehr, als sie tatsächlich leisten. Der Fokus liegt aktuell vor allem auf Arbeitserleichterung – etwa durch die Automatisierung von Routinen, Unterstützung beim Verfassen von Texten oder die Generierung von Bildern. Wirklich planungsunterstützende Systeme, die komplexe Detail-, Koordinations- und Abstimmungsprozesse eigenständig übernehmen, stehen hingegen noch am Anfang ihrer Entwicklung. 

Nutzen vor allem große Architekturbüros KI?

Es zeichnet sich deutlich ab, dass insbesondere große Büros beim Einsatz von KI eine Vorreiterrolle einnehmen. Sie verfügen über die notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen, um sich intensiv mit der Technologie auseinanderzusetzen und teilweise sogar eigene, maßgeschneiderte Anwendungen zu entwickeln. Kleinere Büros haben diese Möglichkeiten in der Regel nicht. Hier bleibt der Einsatz häufig auf standardisierte Tools beschränkt, die zwar unterstützen, aber selten tief in die eigenen Planungsprozesse eingreifen. 

Ein Bild und ein Grundriss allein ist noch keine Architektur.

Eva Holdenried

KI kann vieles – aber plant sie auch?

Bildgebende KI greift in die DNA unseres Berufs ein: das Entwerfen. Hier werden Bilder erzeugt, die dem Bauherrn suggerieren, dass die Planung bereits abgeschlossen ist. Auf der anderen Seite gibt es Ansätze zur KI-gestützten Generierung von Grundrissen. Dies nehmen viele als Bedrohung für unseren Berufsstand wahr. Wie belastbar diese Ergebnisse tatsächlich sind, ist jedoch offen. Denn ein Bild und ein Grundriss allein ist noch keine Architektur. Planung entsteht in einem komplexen Prozess – durch Kommunikation und Abstimmung mit Bauherrschaft, Fachplanenden und Behörden. 

Ziel ist es, unterschiedlichste Anforderungen in Einklang zu bringen. Diese fachlichen und sozialen Dimensionen kann KI bislang noch nicht abbilden – und wird es vermutlich auch nie.

Der aktuelle Diskurs über KI in der Architektur bewegt sich oft zwischen Extremen: zwischen Heilsversprechen und Untergangsszenarien. Sinnvoller ist ein nüchterner Blick. KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz. Man kann sie sich eher als Mitarbeitenden vorstellen, der unterstützt, zuarbeitet und Prozesse beschleunigt. Die Verantwortung bleibt jedoch klar bei den Planenden. 

Wird das Berufsbild durch KI verzerrt wahrgenommen?

Das öffentliche Bild des Architekten – als kreativer Entwerfer – unterscheidet sich ohnehin stark von der Realität, die zu großen Teilen aus Koordination, Abstimmung und Detailarbeit besteht. Gerade in stark standardisierten Bereichen, etwa im Bauträgergeschäft, könnte KI künftig tatsächlich Prozesse übernehmen und die Rolle des Architekten verändern oder reduzieren. In der individuellen Planung hingegen bleibt die Expertise von Architektinnen und Architekten zentral – insbesondere dort, wo es um Kontext, Qualität und spezifische Lösungen geht. 

Wie verändert KI Arbeitsabläufe und Entscheidungsprozesse?

Das hängt stark vom konkreten Einsatz ab. Sprachbasierte Tools können bei Projektbeschreibungen, Präsentationen oder Dokumentationen unterstützen. KI kann Entscheidungsgrundlagen liefern, Varianten aufzeigen und große Informationsmengen strukturieren. Dadurch werden Prozesse schneller und oft auch transparenter. Die eigentliche Entscheidung jedoch – mit all ihren fachlichen, wirtschaftlichen und gestalterischen Implikationen – bleibt Aufgabe der Planenden. 

KI wird die Architektur verändern – aber sie wird Planer nicht ersetzen.

Eva Holdenried

Gibt es bereits Best-Practice-Beispiele?

Vor allem in der frühen Entwurfsphase zeigt KI ihr großes Potenzial – etwa bei der Entwicklung von Varianten, der Visualisierung oder schnellen Konzeptskizzen. Die KI-basierte Bildproduktion zählt derzeit zu den sichtbarsten und am weitesten entwickelten Einsatzfeldern und gewinnt weiter an Bedeutung, zumal in der Architektur ohnehin seit Langem modellbasiert gearbeitet wird.

Für Büros, die auf klassische Renderings spezialisiert sind, stellt diese Entwicklung eine echte Herausforderung dar. KI-generierte Bilder ermöglichen eine schnelle und kostengünstige Visualisierung von Ideen und Atmosphären; ein Vorreiterbüro ist hier zum Beispiel das Büro Tim Fu aus London. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass solche Darstellungen eine Planungsreife suggerieren, die tatsächlich noch nicht gegeben ist.

Auch in der Analyse großer Datenmengen – etwa im Kontext von BIM – eröffnet KI neue Möglichkeiten, beispielsweise bei der Optimierung von Prozessen oder der Auswertung komplexer Zusammenhänge. Hier kann uns KI wirklich deutlich entlasten und die Vorteile von BIM als datenbasierte Planung voll ausspielen. 

Kann KI zu nachhaltigerer Architektur beitragen?

Gerade im Bereich der Nachhaltigkeit liegt großes Potenzial. KI kann helfen, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen, Ressourcen effizienter einzusetzen und Varianten hinsichtlich Energieverbrauch, Materialeinsatz oder Lebenszykluskosten zu simulieren und zu optimieren. Voraussetzung dafür ist jedoch eine belastbare und konsistente Datenbasis – und auch hier gewinnt das Thema BIM weiter an Bedeutung. Ohne strukturierte Daten bleibt das Potenzial der KI begrenzt. 

KI – Chance oder Risiko?

Beides. Laut dem Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung könnten rund 57 % der architektonischen Tätigkeiten zumindest teilweise automatisiert werden. Gleichzeitig eröffnet KI enorme Chancen, produktiver zu arbeiten und sich stärker auf die wirklich relevanten, kreativen und koordinativen Aspekte des Berufs zu konzentrieren. Entscheidend ist letztlich, wie wir die Technologie einsetzen. 

Die Bundesarchitektenkammer arbeitet derzeit an einem KI-Kodex, der einen verantwortungsvollen Umgang mit KI in der Planung definieren soll. Parallel dazu entsteht mit der Initiative ARKO eine neue Infrastruktur, um Daten sicher und standardkonform nutzbar zu machen. Die Architektenkammern gehen das Thema offensiv an, das sollten wir als Planer auch. 

Fazit

KI wird die Architektur verändern – aber sie wird Planer nicht ersetzen. Sie ist Werkzeug, Beschleuniger und Impulsgeber zugleich. Die Verantwortung für gute Architektur, für Entwurf, Abwägung und Entscheidung, bleibt jedoch beim Planenden. 

Zur Person

Eva Holdenried

Vorstandsmitglied Architektenkammer Rheinland-Pfalz
Porträt einer Frau mit Brille in Innenraum Freundlich lächelnde Frau im Business-Outfit vor hellem Hintergrund.

Lena Pröhl

M. A. Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Architektenkammer Rheinland-Pfalz
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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