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„Junge Ideen brechen Denkmuster auf“

Eine Frage – mehrere Meinungen: Was ist das Spezifische an „jungen Ideen“? Für Alija Viola Dolo Wernicke zählt Mut vor Regelwerk – gerade am Anfang der Karriere.

© Privat

Alija Viola Dolo Wernicke

Ehemalige Co-Vorsitzende des Netzwerks der Juniorarchitekt:innen und Stadtplaner:innen junAS.bw

Alija Viola Dolo Wernicke ist Innenarchitektin und ehemalige Co-Vorsitzende des Netzwerks der Juniorarchitekt:innen und Stadtplaner:innen junAS.bw und für diese in der Landesvertreterversammlung.

16.09.2026 2min

Was ist das Spezifische an „jungen Ideen“? Der Spruch „Das haben wir schon immer so gemacht“ bringt uns nicht weiter. Ein frischer Blick lohnt sich, besonders in der Planung.


Jung sein ist nicht gleichbedeutend mit berufseinsteigend, das ist für mich ein wichtiger Unterschied. Es gibt junge Planerinnen und Planer, die bereits mehrere Jahre im Beruf stehen, ebenso wie ältere Personen, die ganz frisch angefangen oder ihr Büro gegründet haben. Es geht also nicht unbedingt um das Alter. Die Ideen von Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern zeichnen sich für mich durch einen mutigen, teils naiven Charakter aus. Sie sind noch „unverbraucht“, weil sie noch nicht von Bauvorschriften, technischen Details oder Baustellenerfahrungen beeinflusst oder eingeschränkt sind. 

Diese Art zu denken kann man – glaube ich – nicht zurückerlangen. Ist das freie, von äußeren Umständen unbeeinflusste Denken erst einmal überlagert worden von all den Regeln und auch dem Wissen um den Aufwand, den das Besondere mit sich bringt, ist es sehr schwer, sich davon wieder freizumachen. Mein Erleben ist, dass beginnende Architektinnen und Architekten aller Fachrichtungen besonders im Entwurf die konzeptionell stärkeren und gestalterisch konsequenteren Ideen haben. 

Junge Ideen brechen Denkmuster auf! Dafür ist die Umsetzung der Entwürfe manchmal schwierig. In diesem Punkt ist Berufserfahrung von Vorteil. Die Zusammenarbeit von Neulingen und Erfahrenen ist daher eine große Chance: Oft lässt sich eine auf den ersten Blick vielleicht verrückte Idee durchaus umsetzen, wenn man sich ernsthaft mit ihr auseinandersetzt. Wichtig ist, Unkonventionelles überhaupt zuzulassen. Denn wenn wir unsere Denkweise von Anfang an einschränken, entwickelt sich unsere gebaute Umwelt nicht weiter. 

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Fazit

Ohne Mut kein Fortschritt. Erfahrene Planerinnen und Planer lassen sich mitunter zu sehr von Regeln und Vorschriften leiten – auch unterbewusst. Junge Ideen zeichnen sich durch eine offene Herangehensweise an Problemstellungen aus; dadurch, nicht gleich das zu sehen, was alles nicht geht, sondern zu fragen, wie es funktionieren könnte. Wichtig ist deshalb das Miteinander von Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern und Erfahrenen. Es ermöglicht, gestalterischen Mut und Machbarkeit zu verbinden.


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für Baden-Württemberg.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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