„Jung denken heißt: offen, mutig und zuversichtlich agieren“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Was ist das Spezifische an „jungen Ideen“? Nora Schöffel verbindet Büroalltag, Familie und gestalterischen Mut mit einer klaren Haltung.
Was ist das Spezifische an „jungen Ideen“? Der Spruch „Das haben wir schon immer so gemacht“ bringt uns nicht weiter. Ein frischer Blick lohnt sich, besonders in der Planung.
Für mich haben „Junge Ideen“ weniger mit dem Alter zu tun als mit der Haltung. Sie definieren sich über intellektuelle Neugier, gestalterischen Mut und die nötige Resilienz, visionäre Konzepte durch langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse zu steuern. Unser Leitgedanke war von Anfang an: einfach machen. Diese Haltung trägt uns bis heute. Wir sind sicher, dass mutige Ansätze überzeugen, und haben uns diesen Optimismus bewahrt. Wir freuen uns wie am ersten Tag über jede Herausforderung.
Für mich ist eine kooperative Haltung auf allen Ebenen eine essenzielle Basis, die wir konsequent umsetzen. Inzwischen führen wir unser eigenes Büro, tragen Verantwortung für Team, Projekte und Familie. Meine Themen könnten nicht unterschiedlicher sein, was jedoch wahnsinnig erfüllend ist. Als Büroinhaberin und Mutter erlebe ich täglich, dass sich diese Welten vereinen lassen – durch flexible Prioritäten und eine gesunde Portion Gelassenheit. Dieser Lebensabschnitt schärft den Blick für die Diversität gesellschaftlicher Bedürfnisse.
Wir stehen aktuell an einem kritischen Wendepunkt und tragen die Verantwortung für irreversible Entscheidungen: Wir müssen jetzt die Weichen stellen, wie unser Planet lebenswert und bewohnbar bleibt. Der bewusste Umgang mit Ressourcen – und die Frage, was wir bauen oder im Sinne der Nachhaltigkeit besser lassen – ist keine Einschränkung, sondern ein gestalterischer Aufruf. Gute Architektur entsteht im Dialog auf Augenhöhe. Jung zu denken, heißt für mich deshalb vor allem: offen, mutig und zuversichtlich zu agieren – im tiefen Bewusstsein darüber, dass gebauter Raum Gesellschaft nicht nur abbildet, sondern aktiv mitprägt.
Fazit
Die Weichen für eine gute, lebenswerte Zukunft werden jetzt gestellt. Die Gesellschaft steht dabei vor enormen Herausforderungen. Dennoch ist es wichtig, sich den nötigen Optimismus zu bewahren und mit einer gesunden Portion Gelassenheit an die Dinge heranzugehen – ob im Büro oder in der Familie. Nicht nur in der Planung lautet die Devise: einfach machen. Manchmal hilft es, die gesetzten Prioritäten noch einmal zu überprüfen. Manchmal braucht es auch ein bisschen Neugier und Mut. Und immer ist eine kooperative Haltung essenziell.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für Baden-Württemberg.
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