„Ist Architektur vermittelbar?“
Kammerkommentar: Architektur gehört zu den kreativen, künstlerischen Disziplinen. Damit ist die Kluft zwischen Öffentlichkeit und Fachwelt bereits angelegt.
Um Wege zur Vermittelbarkeit von Baukunst aufzeigen zu können, muss zunächst klar sein, was unter Architektur zu verstehen ist. Die Vielschichtigkeit des Berufsbildes und der planerischen Aufgaben erfordert es, unterschiedliche Optionen der Vermittlung zu nutzen.
Wesentliche Teile der Qualität von Räumen und Gebäuden sind auch für Laien leicht begreifbar und erfahrbar. Schützt das Bauwerk vor klimatischen Einwirkungen? Ist die Konstruktion stabil und dauerhaft? Werden alle gewünschten Funktionen reibungslos erfüllt? Ist die Ausführung mängelfrei und erscheinen Bauzeit und Kosten angemessen? Von solchen banal erscheinenden Fragen zur Architektur wird nicht selten die öffentliche Diskussion bestimmt. Und das nicht zu Unrecht. Denn wem nützt das spektakulärste Bauwerk, wenn es ewig nicht fertiggestellt wird, mit ausufernden Kosten verbunden ist und am Ende nicht einmal gut funktioniert.
Die Vermittlung von Baukultur wird aber erst dann interessant, wenn sie über den großen gemeinsamen Konsens eines baulich einwandfreien und hochwertigen Gebäudes hinausgeht. Gerade dabei muss unterschieden werden zwischen der internen Diskussion unter Fachleuten und der Vermittlung in der Öffentlichkeit. Wie in allen Fachdisziplinen, insbesondere den künstlerischen, kommt es weniger darauf an, was wir Experten sagen, sondern darauf, was bei den Zuhörern ankommt. Es gilt, die Sprache und den Zeitgeist der Öffentlichkeit zu treffen.
Erfolgreiche Kommunikation braucht Dialog. Dieser wird immer dann entstehen können, wenn die Architektur in die Öffentlichkeit getragen wird und sich der breiten Meinungsfindung stellt. Dazu bieten sich Formate wie der alljährliche „Tag der Architektur“, Ausstellungen und Diskussionen im öffentlichen Raum sowie Präsentationen in allen verfügbaren Medien an.
Architektur kann Besinnlichkeit oder auch Heiterkeit auslösen, Staunen und Ablehnung hervorrufen. Sie ist in der Lage, zu animieren und zu provozieren. Architektur kann Kultur und Gesellschaft materialisieren. Sie steht bestenfalls für positive Emotionen, für Heimat und Identifikation. Solche Werte der Baukunst sind weniger verbal vermittelbar als vielmehr persönlich erfahrbar, und ihre Wahrnehmung ist subjektiv. Daher werden sich direkte Kontakte und offene Gespräche als der beste Weg zur Vermittlung erweisen. Wenn es uns gelingt, Planungsentscheidungen transparent und nachvollziehbar aufzuzeigen, wenn wir in diesem Dialog Interesse und Verständnis für die vielfältigen abstrakten Aspekte guter Architektur wecken können, schaffen wir auch die Basis für Partizipation und Mitwirkung der Öffentlichkeit. Kommunikation in allgemein verständlicher Sprache und öffentlicher Dialog sind notwendige und hilfreiche Vehikel, aber die tiefergehende Qualität von Architektur vermittelt sich am besten durch persönliche Erfahrung. Und das braucht Zeit auf der einen und Geduld auf der anderen Seite.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
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