„Für mehr gute Baukultur“
Kammerkommentar: Architekturvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit sind in Zeiten des Medienüberflusses notwendiger denn je
Architektinnen und Architekten entwickeln, planen, entwerfen und konstruieren Gebäude sowie Außen- und Innenräume mit künstlerischer, technischer und organisatorischer Expertise. Doch wie wird unsere Architektur und Baukultur in der Öffentlichkeit, von unseren Bauherr:innen aufgenommen? Wird sie überhaupt und wie wird sie wahrgenommen? Gesprochen wird – außerhalb der eigenen Blase – über Architektur meist nur, wenn ein Werk außergewöhnlich gut gelungen ist oder als misslungen angesehen wird und darüber berichtet wird. Dabei entstehen jedes Jahr viele gelungene Renovierungen, Bauten und Räume, die in Summe die Baukultur unseres Landes weit stärker repräsentieren als einzelne spektakuläre Projekte.
Architekturvermittlung ist für mich – neben dem immer wichtiger werdenden Marketingaspekt für das eigene Büro – Öffentlichkeitsarbeit für mehr gute Baukultur. Sie ist ein zentraler Aspekt der baukulturellen Bildung und Kulturarbeit sowie überlebenswichtig für unseren Berufsstand; dazu gehört natürlich auch die Vermittlung stadt- und landschaftsplanerischer Konzepte. Ohne Verständnis für Architektur und die damit verbundenen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, technischen und gestalterischen Bedingungen, Zusammenhänge und Möglichkeiten kann ich mir kein Verständnis für den ganzheitlichen Ansatz unserer Arbeit oder für unseren Beruf vorstellen. Gute Architektur hat immer einen ganzheitlichen Anspruch, gute Architektur ist gute Baukultur.
Architekturvermittlung ist Kommunikation mit potenziellen Bauherr:innen, Fachkräftegewinnung und gesamtgesellschaftlicher Auftrag. Sie ist Bestandteil der Fort- und Weiterbildung für unsere Mitglieder und die, die es werden wollen. Im Rahmen der baukulturellen Bildung soll sie in den Schulen beginnen und ein Bildungsangebot zur Stärkung unserer liberalen Demokratie werden. Architekturvermittlung zeigt, was Architektur leisten kann, und fördert einen faktenbasierten Diskurs. Sie stärkt das Verständnis für unsere Arbeit, unsere Werke und die Leistungen früherer Kolleginnen und Kollegen. Gute Baukultur, gute Architektur muss in einer demokratischen Gesellschaft Teil der öffentlichen und politischen Auseinandersetzung sein.
In Brandenburg setzen wir dabei auf den bundesweit etablierten Tag der Architektur, den Brandenburgischen Baukulturpreis mit herausragenden Beispielen, das Projekt Stadtentdecker für Kinder und Jugendliche, das Architektur und Stadtentwicklung in Schulen vermittelt, die Gestaltungsbeiräte zur Unterstützung der Qualität von Bauvorhaben sowie den DorfDialog zur Ortsgestaltung mit Architekt:innen in ländlichen Räumen.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Berlin, Brandenburg.
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