„Impulse für eine leistungsfähige, schnelle Bauleitplanung“
Torsten Becker über den Stellenwert der Bauleitplanung und den Bauleitplanertag am 28. August 2026.
Marion Mugrabi: Welche Beschleunigungspotenziale gibt es in der Bauleitplanung?
Torsten Becker: Bauleitplanung gilt oft als langwierig und als Hemmnis für Investitionen gerade im Wohnungsbau. Klar ist: Sie ist im Laufe der Jahre immer komplexer geworden und führt mitunter zu Frust bei den Beteiligten. Dabei bietet die Bebauungsplanung jedoch erhebliche Vorteile wie eine Sicherung von Qualitäten und die Rechtssicherheit. Schlaue Verfahren, frühzeitige Abstimmungen und eine konsequente Steuerung können Planungszeiten deutlich verkürzen. Entscheidend ist eine enge Zusammenarbeit von Verwaltung, Politik und Planung. Bauleitplanung bleibt ein unverzichtbares Instrument für eine qualitätvolle und nachhaltige Stadtentwicklung.
Die geplante Novelle des Baugesetzbuchs wird intensiv diskutiert. Wo sehen Sie Ansatzpunkte für mehr Geschwindigkeit?
Die Grundstruktur des BauGB ist nach wie vor tragfähig. Gerade die Stringenz des Aufstellungsverfahrens hat sich über die Jahre bewährt und muss beibehalten werden. Jedoch wird der Prozess der Bauleitplanung immer weiter durch sachfremde Aspekte vonseiten der Fachplanungen und der Politik überfrachtet. Wir brauchen eine Fokussierung auf die zentralen, langfristig relevanten Planinhalte der städtebaulichen Entwicklung und eine größere Fehlertoleranz mit besseren Heilungsvorschriften.
Welche Rolle spielt Bauleitplanung im Kontext der Architekturvermittlung?
Die Bauleitplanung hat sich leider immer weiter von der Befassung mit städtebaulichen Qualitäten hin zu einem abstrakten Planwerk entwickelt, was mit seinen technischen und juristischen Ausführungen für Außenstehende nicht verständlich ist. Dabei bietet gerade die Öffentlichkeitsbeteiligung doch hervorragende Möglichkeiten zur Visualisierung von Zukunft. Gute Bauleitplanung übersetzt gesellschaftliche, politische und räumliche Anforderungen in attraktive städtebauliche Konzepte und macht diese für unterschiedliche Akteure so verständlich, dass die Projekte auf Akzeptanz stoßen. Wenn wir Bauleitplanung stärker, anschaulicher und schneller machen, können wir als Stadtplaner:innen zum Auflösen des Reformstaus beitragen. Das und vieles mehr wollen wir beim Tag der Bauleitplanung am 28. August diskutieren.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland
Marion Mugrabi
Leiterin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Architektenkammer Hessen DAB Redaktion HessenDas könnte Sie auch interessieren
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