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Denk mal modern! Nachkriegsarchitektur und ihre Zukunft

Die Bauten der Nachkriegszeit prägen Rheinland-Pfalz bis heute. Thomas Dang, Vorstandsmitglied der Landesarchitektenkammer, thematisiert, wie damit in Zukunft umgegangen werden kann und sollte.

Thomas Dang
15.01.2026 2min
Kommentar Baukultur Rheinland-Pfalz
Eine monumentale, symmetrisch aufgebaute Gebäudefassade aus hellem Stein mit stark gegliederten Wandflächen und tiefen Fenstergittern dominiert den Stadtraum, der zentrale Eingang ist zurückgesetzt und wird von wenigen Personen im Maßstab erfahrbar gemacht, wodurch das Bild ein bedeutendes Verwaltungs- oder Kulturbauwerk zeigt und für die Auseinandersetzung mit historischer Architektur, Denkmalwert und zeitgenössischer Nutzung steht.
Das Rathaus der Stadt Mainz wurde von Arne Jacobsen und Otto Weitling zwischen 1968 und 1970 entworfen und ist ein eindrückliches Zeichen der Nachkriegsmoderne in Rheinland-Pfalz. Nach langen Diskussionen wird es aktuell saniert. © Fredrik von Erichsen / picture alliance / dpa

„Was bleibt?“, fragte die Musikband Puhdys 1993 in ihrem gleichnamigen Lied. „Alles, was zu Ende ist, kann auch Anfang sein. Man sollte nicht an alten Zeiten kleben.“ In der Mode erleben wir, alles kommt wieder. Erleben wir dies auch in den Stilrichtungen der Architektur? Was bleibt? Was gestern noch abgerissen werden sollte, erlebt eine Renaissance. Besonders Gebäude der sogenannten „Nachkriegsmoderne“ droht der Abriss, eine Sanierung galt jahrelang als nicht machbar. Beispielhaft ist es dem Engagement einer Bürgerinitiative zu verdanken, dass die von 1956 bis 1959 erbaute Bonner Beethovenhalle erhalten wurde. 25 Jahre später drohte der Abriss. 2009 begründeten die Initiatoren ihre Initiative zur Rettung der Halle: „Wir übernehmen nun die Aufgabe, die Gebäude, die unsere Großeltern errichtet haben, vor unseren Eltern zu schützen.“ Alles, was anscheinend zu Ende ist, kann also auch Anfang sein, über die Bedeutung vergangener Bauzeiten nachzudenken und in die Moderne zu überführen.  

Beispielhaft scheint dies auch in unserer Landeshauptstadt Mainz zu gelingen. 2011 hat sich die Mainzer Kammergruppe in einer Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Denk mal modern!“ den „modernen“ Denkmälern und schutzwürdigen Gebäuden gewidmet, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind – wie dem von Arne Jacobsen geplanten Mainzer Rathaus, das 1973 feierlich eröffnet wurde. Diskutiert wurde über den Umgang mit einer Ästhetik, die noch nicht historisch, aber auch nicht mehr zeitgenössisch ist, sowie mit einer Architektur, die den energetischen und ökologischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts nicht entspricht.  

Gut 50 Jahre sind vergangen, seit Arne Jacobsen den Mainzern ihr aktuelles Rathaus bescherte. Ein halbes Jahrhundert, in dem sich die Gemüter nie beruhigt haben. Die einen nennen es Meisterwerk der Moderne. Die anderen sprechen von Betonklotz. Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, und bei diesem Bau gehen die Augen weit auseinander. Das langjährige Engagement der Kammergruppe, gemeinsam mit den Betonisten, dem Deutschen Werkbund und dem BDA, konnte Abrissüberlegungen früh entgegenwirken. Der Mainzer Stadtrat hat 2018 den Grundsatzbeschluss Sanierung gefasst. Ziel ist sowohl „die Erneuerung der Haustechnik als auch die Bewahrung der charakteristischen Grundzüge des Verwaltungsgebäudes und seiner denkmalwerten Innenausstattung“. Wir sind gespannt, wenn im nächsten Jahr das Fassadengerüst fällt, wenn die Mainzer wieder ihr Rathaus betreten werden, ob der Anspruch an die denkmalwerte Erneuerung erfüllt wurde.

Ein Porträt zeigt eine einzelne erwachsene Person mit grauem Haar und Bart in dunkler Kleidung vor hellem, neutralem Hintergrund, die Arme sind verschränkt und der Blick ist ruhig auf die Kamera gerichtet, wodurch das Bild eine professionelle und souveräne Darstellung vermittelt und für fachliche Autorität, Erfahrung und persönliche Verantwortung innerhalb eines architektonischen oder kulturellen Kontextes steht.

Thomas Dang

Vorstandsmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz