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„Qualität ist eine Investition in eine lebenswerte Zukunft.“

Im Interview spricht Ines M. Jauck, Präsidentin der Architektenkammer Thüringen, über die Bedeutung des Thüringer Staatspreises für Baukultur, den neuen Publikumspreis und die Rolle von Qualität und Nachhaltigkeit.

Architektenkammer Thüringen
31.08.2026 4min
Porträt einer Frau
Die Präsidentin der Architektenkammer Thüringen, Ines M. Jauck
© privat

DAB Redaktion Thüringen: Der Thüringer Staatspreis für Baukultur ist die wichtigste Auszeichnung für Planen und Bauen im Freistaat. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung aus Ihrer Sicht – für die Preisträger, aber auch für den gesamten Berufsstand?

Ines M. Jauck: Der Thüringer Staatspreis für Baukultur würdigt weit mehr als ein gelungenes Bauwerk. Er macht sichtbar, was entsteht, wenn Bauherrschaften, Planende, ausführende Unternehmen und viele weitere Beteiligte gemeinsam Verantwortung für Qualität übernehmen. Gute Baukultur ist immer eine Gemeinschaftsleistung. Für die Preisträgerinnen und Preisträger ist die Auszeichnung eine ganz besondere Form der Anerkennung. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass das Land herausragende baukulturelle Leistungen mit einem Staatspreis würdigt. Umso wichtiger ist dieses klare Signal: Gute Architektur, gute Stadtplanung und gute Landschaftsarchitektur sind von gesellschaftlichem Wert und verdienen öffentliche Wertschätzung. 

Gleichzeitig schafft der Staatspreis Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit – nicht nur für die ausgezeichneten Projekte, sondern Baukultur rückt insgesamt als Thema ins Bewusstsein. Er zeigt, welchen gesellschaftlichen Mehrwert qualitätsvolles Planen und Bauen schafft – für Städte und Gemeinden, für den Klimaschutz, für die regionale Identität und vor allem für die Menschen, die diese Gebäude und Freiräume täglich nutzen. Gerade in Zeiten großer Herausforderungen setzt der Staatspreis damit ein wichtiges Zeichen: Qualität ist kein Luxus, sondern eine Investition in eine lebenswerte Zukunft. 

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2026 wird erstmals ein Publikumspreis vergeben. Warum wurde dieser neue Baustein eingeführt, und was erhoffen Sie sich davon für die öffentliche Wahrnehmung von Baukultur?

Baukultur betrifft uns alle. Sie prägt unseren Alltag – oft, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Deshalb war es uns wichtig, die Bürgerinnen und Bürger stärker einzubeziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre persönlichen Favoriten zu wählen. Mit dem Publikumspreis wollten wir aber nicht nur eine zusätzliche Beteiligungsmöglichkeit schaffen. Er soll auch dazu beitragen, den Thüringer Staatspreis für Baukultur selbst noch stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Je mehr Menschen sich mit den nominierten Projekten beschäftigen, desto sichtbarer wird, welchen Beitrag gute Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur für unsere Lebensqualität leisten. 

Der Publikumspreis ergänzt die Entscheidung der Fachjury um eine weitere Perspektive. Er macht deutlich, dass Baukultur nicht nur nach fachlichen Kriterien bewertet wird, sondern auch davon lebt, wie Orte angenommen, erlebt und geschätzt werden. Ich wünsche mir, dass der Publikumspreis dazu beiträgt, die öffentliche Wahrnehmung von Baukultur dauerhaft zu stärken. Denn gute Baukultur entsteht nicht im Elfenbeinturm – sie lebt vom Dialog mit den Menschen und davon, dass ihre Bedeutung für unsere Gesellschaft sichtbar wird. 

Festival-Wochenende in Thüringen

Die feierliche Verleihung des Thüringer Staatspreises für Baukultur ist Teil des NEW Bauhaus Festivals am 3. September in Weimar; sie läutet zugleich das daran anschließende Baukultur-Festival am 4. und 5. September ein. Im Eiermannbau Apolda wird dann das Bauen von morgen verhandelt – für und mit Thüringen. 

Warum braucht Thüringen heute und in Zukunft einen solchen Preis, und welchen Beitrag kann er zu einer qualitätsvollen Baukultur leisten?

Bauen entzieht uns wichtige Lebensgrundlagen: Flächen werden beansprucht, Ressourcen verbraucht und immense Mengen an CO₂-Emissionen verursacht. Genau deshalb muss Bauen reflektiert und bewusst sowie höchst verantwortungsvoll erfolgen und darf nie banalisiert werden. Zudem verlangen demografischer Wandel oder bezahlbarer Wohnraum nach intelligenten und nachhaltigen Lösungen. 

Der Thüringer Staatspreis für Baukultur macht Lösungen sichtbar, die beispielhaft zeigen, wie anspruchsvolle Architektur, gute Freiraumgestaltung und verantwortungsvolle Stadtentwicklung gelingen können. Diese Beispiele inspirieren Bauherrschaften, Planende und Kommunen gleichermaßen. Baukultur entsteht nicht zufällig. Sie braucht gute Rahmenbedingungen, engagierte Akteure und positive Vorbilder. Genau dazu trägt der Staatspreis bei: Er schafft Aufmerksamkeit für Qualität und stärkt das Bewusstsein dafür, dass gute Planung einen langfristigen gesellschaftlichen Mehrwert schafft. 

Wenn Sie den Leserinnen und Lesern ein Projekt oder einen Aspekt des diesjährigen Wettbewerbs besonders ans Herz legen müssten: Worauf sollten sie bei den nominierten Arbeiten achten? 

Diese Frage ist in der Tat nicht einfach zu beantworten, da es nicht das eine Projekt gibt. Die Projekte sind so unterschiedlich, dass sie kaum vergleichbar sind. Diese Vielfalt wiederum ist aber auch das Spannende. Für mich ist das Vertrauen in Kompetenz und zukunftsfähige Entscheidungen beim Projekt der wichtigste Aspekt. 

Das kann sich in der Verwendung regionaler, nachwachsender Rohstoffe widerspiegeln, aber auch in minimal(st)en baulichen Eingriffen zeigen, genauso in integraler Planung oder bei der Reaktivierung von Leerstand. Und je unaufgeregter und auf das Wesentliche reduziert sich das Projekt darstellt, umso inspirierender ist seine Wirkung auf mich.

Architektenkammer Thüringen

DAB Redaktion Thüringen
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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