„Geschwindigkeit allein löst kein strukturelles Problem.“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Bau-Turbo – Lösung oder Schnellschuss?
Der Bau-Turbo verspricht Tempo im Wohnungsbau. Doch reicht Beschleunigung aus, um die strukturellen Probleme zu lösen?
Elisabeth Broermann
Architektin, Vertreterversammlung Architektenkammer Berlin, Sprecherin Architects for Future, Gastprofessorin TU Berlin
Der Bau-Turbo verspricht schnelle Antworten auf die Wohnungskrise. Doch Geschwindigkeit allein löst kein strukturelles Problem. Wenn Verfahren verkürzt werden, indem Beteiligung, soziale Standards und Klimaziele geschwächt werden, laufen wir Gefahr, zwar schneller zu bauen, aber am Bedarf vorbei. Das begünstigt renditeorientierte Projekte, treibt Bodenpreise und entzieht Kommunen wichtige Steuerungsmöglichkeiten für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung. Die Folgen sind Zersiedelung, steigende Wohn- und Infrastrukturkosten und im schlimmsten Fall die Leerstände von morgen.
Zugleich produziert der forcierte Neubau enorme Mengen CO₂ und untergräbt die Klimaziele. Dabei geht es auch schneller und gezielter: durch Umbau, Umnutzung, Leerstandsaktivierung, Aufstockung – mitten in bestehenden Infrastrukturen und lebendigen Nachbarschaften. Das spart Zeit, Kosten und Ressourcen. Genau hier liegt der Hebel für bezahlbaren und klimaverträglichen Wohnraum.
Fazit
Wir brauchen einen Umbau-Turbo: Wir müssen gewachsene Stadtstrukturen stärken und brauchen ein Baurecht, das Umbau fördert. Wir können es uns nicht mehr leisten, so weiterzubauen, als gäbe es kein Morgen.
Dieses Meinungsstück aus der Rubrik „Eine Frage – mehrere Meinungen” stammt aus der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026, Region Berlin | Brandenburg.
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