Deutsches Architektenblatt Logodab-logo
Finden Sie genau die Themen,
die Sie interessieren

Die beliebtesten Themen:

Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

Nicht dabei sein ist alles

Hamburg hat gegen die Olympischen Spiele gestimmt. Wieder einmal. Landesregierung und Wirtschaft bedauern die Ablehnung der Bevölkerung. Für die Stadtentwicklung muss sie aber kein Nachteil sein.

Rainer Müller
01.07.2026 3min
So hätte der Parabike-Wettkampf an der Landungsbrücken in Hamburg aussehen können. © Moka Studio

Schon vor dem Start ist Hamburg also raus aus dem Rennen um die Olympischen und Paralympischen Spiele. Es war der dritte vergebliche Versuch. Auch für 2012 und 2024 wollte sich Hamburg bewerben und scheiterte einmal an der innerdeutschen Konkurrenz und dann am Bürgerwillen.  

Woran es diesmal lag? Am Bewerbungskonzept wohl eher nicht. Das kam ziemlich clever daher und bot gerade für die Stadtentwicklung gute Chancen. Im Unterschied zum letzten Anlauf als eine Olympia-Stadt auf der Elbinsel Grasbrook entwickelt werden sollte, war diesmal Olympia in der ganzen Stadt geplant. 

Kluges Konzept ohne Neubauten

Vorgesehen war eine Nutzung vorhandener Sportstätten, Schwimmwettbewerbe in der Alster und ein vollständiger Verzicht auf eigens für die Olympischen Spiele errichtete Neubauten. Stattdessen versprach das Konzept einen Booster für ohnehin geplante Infrastruktur- und Großvorhaben wie den Umbau des chronisch überlasteten Hauptbahnhofs, tausende neue Wohnungen, viele Grünflächen und eine schnellere Entwicklung des Wissenschaftsstandorts Science City.  

Basketball in der Binnenalster © neuland concerts
Paratennis im Stadion am Rothenbaum © Moka Studio
Bogenschießen in der Binnenalster © neuland copyrights
Padel auf der Binnenalster © neuland concerts
Übersicht aller Sportstätten in Hamburg © Moka Studio

ANZEIGE
ANZEIGE

Science City war längst geplant

Dort auf dem Gelände der ehemaligen Trabrennbahn in Bahrenfeld war das Olympische Dorf geplant, dessen 4.500 Wohnungen später zur Hälfte als Sozialwohnungen nachgenutzt werden sollten. So ähnlich war das allerdings ohnehin vorgesehen: Die Planung der Science City war schon vor der Olympia-Idee weit fortgeschritten, einige der neuen Forschungseinrichtungen bereits eingeweiht oder im Bau und auch neuer Wohnraum angekündigt. Für das Olympia-Konzept wurden dann aber noch ein paar hundert Wohnungen draufgepackt.

Auch für die geplante Schnellbahn-Anbindung des Quartiers wurden jahrelang verschiedene Varianten mit S- und U-Bahn geprüft. Durch die Olympischen Spiele erhoffte sich Hamburgs Landesregierung aber Fördermittel vom Bund, beschleunigte Umsetzung des Bahnneubaus und einen zusätzlichen Impuls für die Science City, deren Entwicklung etwas hinter dem ursprünglichen Zeitplan herhinkt. 

Das Olympische Dorf im Hamburg-Bahrenfeld während der Spiele. © Cobe As
Und nach den Olympischen Spielen. © Cobe As
Das Olympische Dorf befindet sich auf der Fläche der Science City Hamburg © Cobe As
Das Olympische Dorf befindet sich auf der Fläche der Science City Hamburg © Cobe As

Ähnliches galt für das geplante Olympiastadion in unmittelbarer Nähe des Olympischen Dorfs am Rande des Volksparks. Hier befindet sich heute das Volksparkstadion des Fußballbundesligisten HSV. Vor zwei Jahren hatte der Verein einen Neubau in den 2040er Jahren angekündigt und so schien die Olympia-Bewerbung ein „perfect match“. Auf dem Parkplatz neben dem alten sollte das neue Stadion entstehen und während der Spiele zunächst für die Leichtathletik und andere Sportarten genutzt werden. Danach wollte der HSV hierhin umziehen.  

Vor dem gescheiterten Referendum versprach der Senat allerdings, dass das Stadion in jedem Fall kommen werde und bekräftigte dies auch direkt nach der Abstimmung. Aber wenn nun Science City, geförderte Wohnungen, S-Bahn, Hauptbahnhof und selbst das HSV-Stadion ohnehin kommen, wozu dann eigentlich noch Olympia? So mögen einige Hamburgerinnen und Hamburger gedacht haben. 

Die verschiedenen Spielstätten sollten über ein „Olympisches Band“ miteinander verbunden werden. Dieser Grünraum erstreckt sich von den Elbmarschen im Osten bis zum Volksparkstadion im Hamburger Westen. © Moka Studio

Auch Grasbrook entstand ohne Olympia

2015 Jahren war es schließlich ähnlich. Vor dem damaligen Referendum hieß es: Ohne Zustimmung zu Olympischen Spielen 2024 bleibt der Grasbrook Hafengebiet und es entstehen dort keine Wohnungen, weil die Erschließungskosten ohne Olympia viel zu teuer sind. Keine zwei Jahre später wurden dann aber trotz des negativen Votums detaillierte Pläne für einen neuen Stadtteil auf dem Grasbrook mit 3.000 Wohnungen vorgestellt und heute ist die Bauvorbereitung des Geländes fast abgeschlossen.  

Auch wenn jetzt Landesregierung, Teile der Opposition, Handelskammer und andere Olympia-Befürworter nach dem Referendum die verpassten Chancen für den Standort und das Image Hamburgs beklagen, die Stadtentwicklung wird keinen Schaden nehmen.  

Rainer Müller

Freier Journalist

Rainer Müller ist freier Journalist und PR-Berater in Hamburg und Berlin. Nach dem Studium der Raumplanung in Dortmund und Venedig absolvierte er ein Verlagsvolontariat beim Bauer-Verlag in Hamburg und arbeitet seither an der Schnittstelle von Stadtplanung, Architektur und Kommunikation. Er war Pressesprecher der Internationalen Bauausstellungen (IBA) Hamburg und in der Lausitz. Als freier Autor schreibt er heute für Fach- und Publikumsmedien sowie für Institutionen wie die Bundesstiftung Baukultur oder das Deutsche Architekturmuseum DAM. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

Stadtentdecker-Projekt in Brandenburg: Baukultur früh vermitteln

Mit dem Stadtentdecker-Projekt lud die Brandenburgische Architektenkammer Schüler:innen in Bernau ein, ihre Stadt neu zu sehen und Ideen für Veränderung zu entwickeln. Die Architektinnen berichten.

Meldungen Brandenburg
06.03.2026
Pressefoto eines Politikers am Rednerpult, Seitenansicht mit Bewegungsunschärfe vor neutralem Hintergrund.

„500 Milliarden Sondervermögen. Und jetzt?“

Mit dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ verspricht Deutschland die größte Investitionsoffensive seiner Geschichte. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die Investitionen auf Strukturen treffen, die kaum mithalten können.

Berufspolitik Bundesweit
22.12.2025
Außenansicht einer Backsteinkirche mit hohem, spitzem Turm; daran schließt ein moderner, heller Anbau mit schmalen Fensterbändern an. Breite Straße im Vordergrund, blauer Himmel.

Strategien gegen Obsoleszenz

Die aktuellen Transformationen führen zu Überforderung, Ablehnung, Wut. Das bekommen Vertretende aus der Architektur, Stadtplanung und Verwaltung nahezu täglich zu spüren. Doch der Wandel ist alternativlos. Und mit dem richtigen Leitbild und passenden Maßnahmen können Immobilien, Quartiere, Städte und Regionen durch die Herausforderung sogar besser werden.

Baukultur Bundesweit
27.02.2026
Mann mit dunklem Hemd und beiger Hose steht vor einer Glasfront mit Blick auf Garten und Bäume.
Geschwungene Holzstruktur mit parallelen Linien, die eine organische, fließende Form bilden.
Freitreppe mit grasbedeckten Seitenflächen vor einem modernen, geschwungenen Gebäude mit weißer Fassade und dunklem Unterbau.
Blick über eine große, gepflasterte Fläche auf ein modernes Gebäude mit schrägen Stützen und Glasfassade, im Hintergrund Stadtgebäude und Bäume.

Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen

Entdecken Sie die Welt der Architektur – 
jetzt im exklusiven DAB Update!

Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben. Bestätigung der Datenschutzerklärung ist erforderlich.