Hinter den Kulissen: „Zukunftspreis Vorbildliche Bildungsbauten“
Bildungsarchitektur prägt Generationen. Damit gelungene Beispiele mehr Aufmerksamkeit erhalten, hat die Bayerische Architektenkammer (ByAK) einen Preis ins Leben gerufen.
Was kommt einem als Erstes in den Sinn, wenn man an sein ehemaliges Schulgebäude zurückdenkt? Kasernenartige Räume mit PVC-Boden und Holzpulten? Lange Flure, getaucht in fahles Neonlicht?
Bildungsbauten gehören zu den prägendsten Bauwerken einer Gesellschaft. Kaum eine andere Gebäudeart wird von so vielen Menschen über Jahre hinweg beinahe täglich genutzt. Gleichzeitig haben sich die Anforderungen an Bildungsräume in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert. Neue pädagogische Konzepte verlangen nach flexiblen Aufenthalts- und Kommunikationsbereichen. Außerhalb des Unterrichts soll es soziale, kulturelle und gemeinschaftliche Nutzungsmöglichkeiten geben. Zeitgemäße Bildungsarchitektur schafft hierfür die räumlichen Voraussetzungen.
Umso erstaunlicher ist, dass sie eher selten im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit steht. Während für Sakralbauten, Wohnungsbau oder Sportstätten mehrere etablierte Auszeichnungsformate existieren, gibt es deutschlandweit nur wenige Preise, mit denen die Qualität von Lern- und Bildungsräumen gewürdigt wird.
Von der Idee …
Als die ehemalige Vizepräsidentin der ByAK Dipl.-Ing. Marion Resch-Heckel den teilverwaisten Schulbau in Wallenfels sieht, stellt sie sich eine Frage, die viele Kommunen beschäftigt: Was tun mit einem Bildungsgebäude, das ursprünglich als Volksschule für 650 Kinder konzipiert war, jetzt aber infolge des demografischen Wandels nur noch von 75 Grundschulkindern genutzt wird? Die Zukunft des Bildungsbaus besteht nicht nur darin, zeitgemäße Lern- und Begegnungsorte zu schaffen, sondern auch in der Transformation von bestehenden Gebäuden.
Zu dieser Zeit ist Resch-Heckel als Bereichsleiterin Planung und Bau bei der Regierung von Oberfranken tätig und kennt die Herausforderungen öffentlicher Bauaufgaben im Bildungsbereich sehr gut. Sie hat zahlreiche Förderverfahren für kommunale Schulbauprojekte koordiniert. In Wallenfels begleitete sie schließlich die Entwicklung eines Konzepts, das Volkshochschule, Kinderbetreuung und Musikschule sowie die Stadtbücherei unter einem Dach vereint und den Bestand als Ressource begreift.
Häufiger, so ihre Beobachtung, werden bestehende Bildungsbauten einfach abgerissen, obwohl sie erhebliche Potenziale für Umnutzungen oder Weiterentwicklungen haben. Daraus entstand ihre Überzeugung, dass gute Bildungsbauten und die Qualitäten des Bestands mehr Aufmerksamkeit verdienen, nicht nur innerhalb der Fachwelt, sondern auch in Politik und Gesellschaft. Gemeinsam mit ihrer Wahlliste „Zukunft öffentlicher Dienst“ brachte sie die Idee eines Preises für zukunftsgerechten Bildungsbau schließlich in die Vertreterversammlung der ByAK ein, wo der Vorschlag auf breite Zustimmung traf.
Für Resch-Heckel ist die öffentliche Wahrnehmung positiver Beispiele ein zentrales Ziel. Die Beteiligung politischer Akteure bei Umsetzung und Jurierung des neuen Preises sieht sie dabei als wichtigen Hebel, um das Thema auch außerhalb der Fachwelt zu platzieren. Dort, wo Bildungsbauprojekte ausgelobt, geplant und umgesetzt werden: „Idealerweise kommen die Impulse bei allen an, die mit der Gestaltung von Bildungsbauten zu tun haben.“
… zur Auslobung
Die Idee überzeugte. Herausfordernd war in der Folge die Frage, wie daraus ein Auszeichnungsverfahren werden könnte, das ganz unterschiedliche Bildungsbauten unter einem einheitlichen Qualitätsanspruch zusammenführt. Mit dieser Aufgabe befassten sich Thomas Lenzen und Katrin Schmitt-Pütz von der ByAK, die bereits am Preis „Bauen im Bestand“ und der Auszeichnung „Beispielhafte Bauten“ mitgearbeitet haben.
„Die räumlichen Bedingungen von Bildung und ihr positiver Einfluss auf Menschen fangen schon bei den Kleinsten an. Deshalb haben wir auch Horte und Kindertagesstätten mit in die Ausschreibung aufgenommen“, so Lenzen. Entsprechend umfasst der Zukunftspreis drei Kategorien: Kindertageseinrichtungen, Schulen sowie Hochschulen und weitere Bildungseinrichtungen. Zu Letzteren zählen unter anderem Bibliotheken, Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie Quartiers-, Bürger- und Kulturzentren, sofern Bildung dort eine zentrale Rolle spielt und den Charakter der Einrichtung maßgeblich bestimmt. Die Auslobung wurde mit den Partnerorganisationen abgestimmt, der Montag Stiftung, die sich für zeitgemäße Bildung und qualitätvollen Schulbau engagiert, und der Bundesstiftung Baukultur. Die Schirmherrschaft übernimmt das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr.
1044 Gebäude gehen ins Rennen
Entscheidend sind nicht die Größe oder Investitionssumme eines Projekts, sondern die Qualität der architektonischen Lösung. Nicht spektakuläre Neubauten sollen gewürdigt werden, sondern die überzeugende Lösung, auch im Gebäudebestand. Gerade das Bauen im beziehungsweise mit dem Bestand sowie kleinere Projekte zeigten regelmäßig, wie mit begrenzten Mitteln hochwertige Bildungsarchitektur entstehe und daraus eine große Vorbildwirkung erwachsen könne, erklärt Lenzen. Das Interesse war groß. Katrin Schmitt-Pütz berichtet: „Am Ende gingen 109 Bewerbungen ein, von denen 104 teilnahmeberechtigt sind.“
Um die sehr unterschiedlichen Projekte fair bewerten zu können, fand ein detaillierter Kriterienkatalog Anwendung. Neben Plänen und Fotos mussten die Teilnehmenden auch Angaben zum pädagogisch-räumlichen Konzept, zur Prozessqualität und Wirtschaftlichkeit sowie zu Themen wie Energieeffizienz, Klimaanpassung, Flächensparen, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit machen.
Longlist steht fest
Longlist steht fest
Für den „Zukunftspreis Vorbildliche Bildungsbauten in Bayern“ wurden 109 Projekte eingereicht. Die Jury hat daraus 58 Arbeiten ausgewählt. Eine Übersicht aller Nominierungen finden Sie online unter:
www.byak.de/planen-und-bauen/architektur-baukultur/preise-auszeichnungen/zukunftspreis-vorbildliche-bildungsbauten-in-bayern.html
Der Weg zur Entscheidung
Im September begann die Jurierungsphase. In ihrer ersten Sitzung bestimmte die Jury jene Projekte, die in die engere Wahl kommen. Die Runde wurde bewusst interdisziplinär zusammengesetzt: Vertreten sind die Kooperationspartner, Expertinnen und Experten aller vier Fachrichtungen sowie weitere Fachleute aus Medien und Wissenschaft. Komplettiert wird das Gremium durch ein jährlich wechselndes Mitglied aus einem der bayerischen Staatsministerien, die für die im Preis berücksichtigten Bildungsbauten fachlich zuständig sind.
Doch Pläne, Kennzahlen und Abbildungen können die Wahrnehmung der Gebäude vor Ort nicht ersetzen. Deshalb werden die Projekte der Endauswahl im Herbst von Vertreterinnen und Vertretern der Treffpunkte Architektur der ByAK besucht. Sie sprechen vor Ort mit Nutzerinnen und Nutzern der Gebäude und schildern den Jurymitgliedern in der zweiten Sitzung am 9. November ihre persönlichen Eindrücke.
An diesem Tag fällt die Entscheidung: Die Jury vergibt die Preise in den drei Kategorien und kann darüber hinaus Anerkennungen sowie Sonderpreise aussprechen, etwa für besonders gelungene Projekte im Bestand. Die Preisverleihung findet am 7. Dezember im Haus der Architektur statt. Für Kammerpräsidentin und Jurymitglied Prof. Lydia Haack reicht die Bedeutung der Auszeichnung weit über die aktuelle Wettbewerbsrunde hinaus: „Langfristig soll so ein Fundus herausragender Beispiele entstehen, der Planenden, Kommunen und Städten wertvolle Anregungen für künftige Bauaufgaben bietet.“
Dr. David Fuchs
Bayerische Architektenkammer DAB Redaktion BayernDas könnte Sie auch interessieren
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