Sanierung der Sekundarschule „Johann Wolfgang von Goethe“ in Ilsenburg
Für den Film „Woodwalkers 2“ wurde die Sekundarschule „Johann Wolfgang von Goethe“ in Ilsenburg zur Clearwater High. Inzwischen ist das Gebäude selbst ein Beispiel für Transformation. Es geht darum, wie sich Nach-Wende-Schulbauten mit gezielten Eingriffen für kommende Anforderungen weiterentwickeln lassen.
Wer die Schule im Film gesehen hat, erkennt sie vielleicht auf den ersten Blick wieder. Die markante, polygonale Architektur und die große offene Pausenhalle geben dem Schulbau aus den 1990er-Jahren eine eigene Atmosphäre. Seit der Sanierung kommt ein neues Element hinzu: Ein umlaufender Laubengang prägt heute das Obergeschoss.
Seine Entstehung hat allerdings weniger mit dem Film als mit einer ganz realen Herausforderung zu tun: Das Gebäude musste brandschutztechnisch ertüchtigt werden. Der Landkreis Harz als Bauherr und das beauftragte Büro Planungsring Architekten + Ingenieure aus Wernigerode nutzten die notwendige Sanierung, um noch mehr zu erreichen: Aus der Anpassung an aktuelle Vorschriften wurde eine umfassendere Weiterentwicklung des Schulbaus.
Ein neuer Weg durch die Schule
Südlich des Ilsenburger Stadtzentrums gelegen, ist das 14-eckige Gebäude um eine über beide Geschosse offene Pausenhalle organisiert. Unterrichts- und Funktionsräume sowie Treppenhäuser gruppieren sich um diese Mitte, die zugleich als Aula genutzt wird.
Für den heutigen Brandschutz war diese offene Struktur jedoch problematisch. Zahlreiche Räume waren ursprünglich über die Pausenhalle mit den innen liegenden Treppenhäusern verbunden. Die Rettungswege entsprachen damit nicht mehr den aktuellen baurechtlichen Anforderungen.
Weiterbauen statt neu bauen
Die Lösung ist heute von außen sichtbar: Ein 1,50 m breiter Laubengang umläuft das Obergeschoss. Die Konstruktion aus feuerverzinktem Stahl schafft einen zusätzlichen Flucht- und Rettungsweg. Neue Notausgangstüren wurden in die bestehenden Fensterreihen integriert. Im Erdgeschoss führen sie direkt ins Freie, im Obergeschoss auf den Laubengang.
Damit wird aus einem notwendigen Rettungsweg ein neuer Bestandteil des Schulraums. Der Gang verbindet die Unterrichtsräume, schafft Orientierung und erweitert den Außenraum der Schule.
Auch die Barrierefreiheit wurde verbessert. Eine neue Außenrampe verbindet Erdgeschoss und Laubengang und ermöglicht den barrierefreien Zugang zum Obergeschoss. Ein behindertengerechtes WC ergänzt die Maßnahmen. Die gesamte Schule ist damit heute barrierefrei erschlossen.
Neue Vorhangfassade
Der Eingriff in die Fassade bot zugleich die Gelegenheit, das Erscheinungsbild des Gebäudes zu erneuern. Die sanierungsbedürftige Holzverschalung des Obergeschosses wurde durch eine neue Vorhangfassade aus anthrazitfarbenen Platten ersetzt. Die Putzfassade im Erdgeschoss wurde überarbeitet, der Sonnen- und Blendschutz erneuert und erweitert.
Auch farblich bekam die Schule ein neues Gesicht. Gelbe und orangefarbene Streifen zwischen den Fenstern greifen die Farbigkeit der bestehenden Lichtkuppel auf. An den Brüstungselementen des Laubengangs kommen weiße und grüne Flächen hinzu. Einige der weißen Stahlblechstreifen tragen die Titel bekannter Werke Johann Wolfgang von Goethes.
Eine Aufgabe für Sachsen-Anhalt
Der sanierte Schulbau steht damit beispielhaft für eine Aufgabe, die viele Bildungsbauten in Sachsen-Anhalt betrifft: Wie lassen sich Gebäude, die vor Jahrzehnten für andere Anforderungen geplant wurden, so weiterentwickeln, dass sie auch künftig gute Lern- und Lebensräume bieten?
Die Antwort in Ilsenburg liegt nicht im Neubau, sondern in der Weiterentwicklung des Bestands. Die Grundidee des Gebäudes bleibt erhalten, während neue Anforderungen an Sicherheit, Barrierefreiheit und Nutzung integriert werden. So entsteht aus einem Schulbau der 1990er-Jahre ein Zukunftsraum für die nächste Generation.
Sanierung einer Schule aus den 1990er-Jahren
Sanierung einer Schule aus den 1990er-Jahren
Ort: Am Tiergarten 22, Ilsenburg (Harz)
Bauherr: Landkreis Harz, Halberstadt
Architektur: Planungsring Architekten + Ingenieure GmbH, Wernigerode
Tragwerksplanung: Ingenieurbüro A.R.T. GmbH
Brandschutz: Brandschutzingenieure Kuhn
TGA: Ingenieurbüro Kunhart
Energetische Beratung/Planung: Kurz und Fischer GmbH – Beratende Ingenieure Bauphysik
Fertigstellung: 2023
Nutzfläche: 2.363 qm
BGF: 3.580 qm
Realisierung: 2022 bis 2023
Bauzeit Bestand: 1995/1996
Planungszeit: 2020 bis 2022
Architektenkammer Sachsen-Anhalt
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