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Behrensbau Düsseldorf: Ein Baudenkmal erzählt Landesgeschichte

Der Düsseldorfer Behrensbau wird zum Haus der Geschichte NRW. Bis 2030 soll in der historischen Architektur durch eine anspruchsvolle Revitalisierung ein lebendiger Lernort für Demokratie und Landesgeschichte entstehen.

Frank Maier-Solgk
26.10.2026 4min
Fassade eines mehrstöckigen historischen Gebäudes mit symmetrischen Fenstern und einem zentralen Eingang, davor ein gepflasterter Platz mit kahlen Bäumen
Die stark durchfensterte Fassade des Behrensbaus mit ihrem synkopierten Rhythmus.
Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen / Axel Thünker

Für Geschichtsmuseen ist es vorteilhaft, wenn sie in Gebäuden untergebracht sind, die selbst ein sprechender Teil dieser Geschichte sind. Nicht immer ist das der Fall. Das Bonner Haus der Geschichte beispielsweise ist ein postmoderner Bau aus der Mitte der 1980er-Jahre. Hingegen hat das Deutsche Historische Museum in Berlin mit dem Zeughaus, das einst als königlich-preußisches Armeemuseum, später als DDR-Geschichtsmuseum diente, einen Standort, der eng mit der Vergangenheit des Landes verknüpft ist. Und natürlich besitzt auch das Ruhr Museum mit der Kohlenwäsche zugleich sein wichtigstes Exponat.

Auch das zukünftige „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“, das, wenn alles nach Plan geht, 2030 die Pforten des Düsseldorfer Behrensbaus öffnen wird, ist in dieser Hinsicht ein glücklicher Fall. Wie vermutlich bei keinem zweiten Gebäude in NRW verbinden sich in diesem von Peter Behrens entworfenen, 1912 als Hauptverwaltung der Mannesmann-Röhrenwerke AG eingeweihten Bau die wirtschaftliche und die politische Geschichte des Landes NRW.

Historisches Treppenhaus mit breiter Steintreppe, Holzgeländer und großen Fenstern mit weißem Rahmen
Denkmalgeschütztes Treppenhaus: Blick ins Innere des Behrensbaus.
Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen / Axel Thünker

„Operation Marriage“

Tatsächlich ist die Geschichte des Behrensbaus von rasch wechselnden Eigentumsverhältnissen ebenso wie von wirtschaftlichen und politischen Umbrüchen geprägt. Den zur Entstehungszeit hochmodernen und repräsentativen Unternehmenssitz des Stahlunternehmens beschlagnahmten 1923 die Franzosen und nutzten ihn als Dienstsitz für die Organisation der Ruhrbesetzung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Engländer Geschmack an dem an italienische Paläste erinnernden Verwaltungsbau in zentraler Rheinlage: „Operation Marriage“ lautete der Codename, unter dem die britische Militärregierung von hier aus die Gründung des Bundeslandes NRW in die Wege leitete – als neuartige Verbindung der ehemaligen preußischen Provinz Nordrhein und Westfalen mit der neuen Landeshauptstadt Düsseldorf.

Ab dem 3. August 1946 wurde der Bau dann zum Sitz der Landesregierung und des Ministerpräsidenten. Sieben Jahre später, 1953, drängte das inzwischen zum Weltkonzern gewachsene Unternehmen erfolgreich auf Rückgabe. 2000 verkaufte das nun um die Mobilfunksparte erweiterte Unternehmen das Gebäude nach einer denkwürdigen Übernahmeschlacht an das wiederum englische Unternehmen Vodafone.

2008 erwarb das Land NRW die Immobilie und nutzte zwischen 2015 und 2017 deren rückwärtigen Gebäudeteil als Unterkunft für Geflüchtete. 2019, nach Jahren des Leerstands, entschied man sich schließlich für die Neunutzung als Museum.

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Mehrere Personen, darunter Kinder und Erwachsene, betrachten in einem hellen Raum mit großen Fenstern eine Ausstellung mit schwebenden Modellen und einer großflächigen Bodenkarte mit Städtenamen
Impression von der zukünftigen Ausstellungsarchitektur im Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen
Rendering: Ralph Appelbaum Associates

Dass der Behrensbau auch architekturhistorisch eine Besonderheit darstellt, ist schon oft beschrieben worden. Der fünfgeschossige Bau, den eine moderne Stahlkonstruktion trägt und dessen Grundriss einen Mittelflügel und zwei Innenhöfe erkennen lässt, verströmt mit dem sandsteinfarbenen Tuffstein und dem schweren Terrazzosockel eine solide und unaufgeregte Repräsentanz.

Die stark durchfensterte Fassade strahlt mit ihrem synkopierten Rhythmus (einem Fenster im Sockel entsprechen zwei beziehungsweise drei Fenster in den darüberliegenden Geschossen) eine kompositorische Raffinesse aus und versorgte darüber hinaus die hinter der Fassade liegenden Büros mit viel Licht. Wie Mies van der Rohe 1967 anlässlich eines Besuchs am Rhein berichtete, habe Le Corbusier, der damals wie er selbst Assistent im Berliner Büro von Peter Behrens war, an der Fassade gearbeitet, während Mies selbst im Atrium des Gebäudes den imposanten Treppenaufgang aus Marmor entworfen habe.

Von der originalen Inneneinrichtung, die größtenteils Peter Behrens als genialer Designer bis zu den Türhandgriffen selbst entworfen hatte, haben die Engländer wenig übrig gelassen. Das Relief im Feld oberhalb des Eingangs, das eine Allegorie der Röhrenindustrie zeigt, stammt nicht aus den Gründungszeiten des Baus, sondern ist ein Werk, das 1954 der Bildhauer Josef Enseling schuf. 

Großes historisches Gebäude mit steilem Dach vor einem hohen modernen Bürogebäude und einem Park mit Spaziergängern und Sitzenden
Blick auf den Behrensbau am Düsseldorfer Mannesmannufer.
Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen / Axel Thünker

Revitalisierung

Die Revitalisierung unter der Bauherrenschaft des Bau- und Liegenschaftsbetriebs Nordrhein-Westfalen – verantwortlich für die Umsetzung ist Hochtief – erscheint komplex und anspruchsvoll. Die Neunutzung bezieht den rückwärtigen, nach dem Mannesmann-Baudirektor benannten Väthbau aus den späten 1930er-Jahren ein, soll auf der Dachgeschossebene ein Landesforum mit vermietbaren Veranstaltungsräumen aufnehmen, während die beiden offenen Innenhöfe eine Überdachung erhalten werden.

Ferner muss die komplette Haustechnik erneuert werden sowie eine Schadstoffbereinigung erfolgen; auch ein umfangreicher Rückbau der Innenwände ist erforderlich. Von den insgesamt 7.000 qm Nutzungsfläche sind rund 3.000 für die Dauerausstellung im 3. und 4. Obergeschoss und 1.500 qm für Wechselausstellungen im ersten Obergeschoss vorgesehen.

Zu den Inhalten lässt sich die verantwortliche Stiftung noch nicht viel Konkretes entlocken. Die Rede ist von einem „lebendigen Demokratieforum von überregionaler und internationaler Bedeutung, mit dem sich die Menschen in Nordrhein-Westfalen identifizieren“, so der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte Basil Kerski.

Einen Vorgeschmack haben die beiden Ausstellungen „110 Jahre Behrensbau“ und die Jubiläumsausstellung zum 75. Geburtstag des Landes („Unser Land“) gegeben. In welchem Maße ein Geschichtsmuseum auch übergeordnete Ziele – wie die vermeintlich immer noch fehlende Identifikation der Menschen aus den divergenten Landesteilen mit Nordrhein-Westfalen oder auch demokratische Werte – zu vermitteln vermag, das bleibt abzuwarten. Aber die Verantwortlichen haben ja noch Zeit zur Planung. 

Fazit

Der Behrensbau bietet dem künftigen Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen mehr als eine eindrucksvolle Kulisse: Als Schauplatz wirtschaftlicher und politischer Umbrüche ist er selbst Exponat und Lernort. Gelingt die anspruchsvolle Revitalisierung, kann hier ein Museum entstehen, das Baukultur, Landesgeschichte und demokratische Bildung überzeugend miteinander verbindet.

© privat

Frank Maier-Solgk

Düsseldorf / München

Frank Maier-Solgk ist von der Gartenkunst auf die Architektur gekommen. Er hat Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften und Philosophie in München und Heidelberg studiert und mit einer Arbeit über den Österreicher Robert Musil promoviert. Nach Tätigkeiten als Berater von Institutionen und Unternehmen im kulturellen Bereich schreibt er seit vielen Jahren für überregionale Tageszeitungen sowie für Kunst- und – natürlich und hauptsächlich für Architekturmagazine.

Für das DAB schreibt Frank Maier-Solgk sowohl überregional als auch für den NRW-Teil. Das Spektrum seiner Themen reicht von Städtebau über Landschaftsarchitektur bis zum zirkulären Bauen. Er hat ferner Lehraufträge über journalistisches Arbeiten in Berlin und Düsseldorf wahrgenommen.

Eigentlich hat sich Frank Maier-Solgks Interesse für Architektur aus einer Leidenschaft für die europäische Gartenkunst entwickelt. Mehrere Bücher zum Beispiel über englische Landschaftsgärten in Deutschland, Renaissancegärten in Italien und französische Gärten in und um Paris sind dazu erschienen. Seine jüngste Publikation behandelt Skulpturengärten und Kunst in grünen Umfeldern („Green Fields“). Er lebt und arbeitet in Düsseldorf sowie gelegentlich in München.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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