Deutsches Architektenblatt Logodab-logo
Finden Sie genau die Themen,
die Sie interessieren

Die beliebtesten Themen:

Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

Der Fluss als öffentlicher Raum

Anlässlich der Olympischen Spiele kehrte das Baden in die Seine zurück. Doch Paris ist kein Einzelfall: Immer mehr Städte entdecken Flüsse, Kanäle und Hafenbecken als öffentliche Räume neu. Dahinter steht ein grundlegender Wandel im Umgang mit urbanen Gewässern – und mit der Stadt selbst. 

DAB Redaktion
13.07.2026 3min
Zahlreiche Menschen schwimmen in einem Fluss unter einer Brücke in einer Großstadt. Im Hintergrund sind ein historischer Dom und ein Fernsehturm zu sehen, während Menschen das Geschehen vom Ufer aus beobachten.
Der Fluss als Teil des öffentlichen Raums: In Berlin soll das mit Hilfe der Stadtentwicklungsinitiative Fluss Bad Berlin ermöglicht und der Spreekanal für die Bevölkerung zugänglich gemacht werden. © 2025 Annette Riedl by courtesy of Flussbad Berlin e.V.

Schwimmen im Rhein seit Jahrzehnten zum Stadtbild, Kopenhagens Hafen ist längst ein Badegewässer und in Brüssel, London, Berlin oder New York arbeiten Initiativen daran, Flüsse und Kanäle wieder zugänglich zu machen.

Was wie ein Freizeittrend aussieht, ist tatsächlich eine Verschiebung im Verständnis von Stadt. Lange galten urbane Gewässer vor allem als Funktionsräume: Verkehrswege, technische Infrastruktur, Hochwasserschutz. Diese Lesart bekommt jedoch Risse.  

Auch in Berlin hat sich der Blick verändert. Der Verein Flussbaden Berlin e.V., der über Jahre hinweg vor allem für sein Projekt im Spreekanal bekannt war, versteht sich heute nicht mehr als Initiator eines einzelnen Bauvorhabens. „Wir reden eigentlich nicht mehr von diesem einen Projekt“, sagt Mitinitiator Tim Edler. Das Ziel sei inzwischen, das Baden in der Spree grundsätzlich zu ermöglichen. Inzwischen geht es nicht mehr nur um ein einzelnes Flussbad, sondern um die grundsätzliche Frage, wie eine Stadt ihre Gewässer neu nutzt. 

Vom Großprojekt zum Prozess

Spektakuläre Neubauten sind dafür meist nicht nötig. Oft reichen bereits Zugänge zum Wasser, Stege, Umkleiden und eine Rettungsinfrastruktur. Für Edler liegt darin die eigentliche Chance. Statt jahrelang auf die perfekte Lösung zu warten, sollten Städte einfach anfangen. „Wenn wir erst einmal drin sind“, sagt er, „lassen sich Treppen, Stege oder Filteranlagen nach und nach ergänzen.“ So wird die Planung zum laufenden Prozess statt zum einmaligen Großprojekt. 

ANZEIGE
ANZEIGE

Verwaltung bremst technische Möglichkeiten

Technisch ist das heute leichter möglich als noch vor wenigen Jahren. Die Wasserqualität wird regelmäßig überwacht. Ergänzend berechnen Prognosesysteme anhand von Messdaten und Wetterinformationen, wann ein Gewässer voraussichtlich genutzt werden kann und wann wegen Starkregens oder erhöhter Keimbelastung eine Sperrung nötig ist.  

Das eigentliche Hindernis sieht Edler deshalb woanders: „Das Haupthindernis in Berlin ist nicht die Wasserqualität, sondern die Verwaltung, die passiv am Badeverbot festhält, anstatt Wege zu eröffnen, um das Baden wieder zu ermöglichen.“ Dabei geht es ihm nicht darum, Risiken kleinzureden. Städte müssten lernen, mit wechselnden Bedingungen umzugehen – ähnlich wie an Küsten, wo Warnflaggen den Badebetrieb zeitweise einschränken. Ein pauschales Verbot ist das eine, ein Management, das auf Bedingungen reagiert, das andere. 

Hunderte Menschen schwimmen an einem sonnigen Tag in einem breiten Fluss. Die Aufnahme zeigt die Szene von oben, mit bewaldetem Ufer und Stadtkulisse im Hintergrund.
Schwimmen im Rhein © Tanja Ecker/courtesy wickelfisch.ch
Menschen entspannen an einem sonnigen Hafenbecken auf einer breiten Uferpromenade. Einige sitzen am Wasser, andere schwimmen oder genießen den Blick auf moderne Gebäude.
Nordhavn, Copenhagen © Matt Sykes
Viele Menschen schwimmen an einem Flussufer, während weitere Personen von einem Steg aus ins Wasser gehen. Kajaks begleiten das Geschehen auf dem Wasser.
Sprung ins Wasser, „Mayoral Swim“, Portland, USA © Human Access Project
Mehrere Menschen stehen nach dem Schwimmen an einer Uferkante eines Kanals, trocknen sich ab oder ziehen sich um. Die Aufnahme zeigt die Szene von oben.
Donau Kanal, Wien © SVDK Vienna
Menschen schwimmen und entspannen an einer sonnigen Uferpromenade mit modernen Gebäuden, Booten und lebhafter Hafenatmosphäre im Hintergrund.
BC-Rijnhavn © City of Rotterdam

Vom Handelsweg zum Freiraum

International nimmt diese Bewegung Fahrt auf. Mit der „Swimmable Cities Charter“ haben sich Initiativen, Kommunen und Forschungseinrichtungen aus zahlreichen Städten auf gemeinsame Leitlinien verständigt. Sauberes Wasser wird darin nicht nur als Umweltfrage behandelt, sondern als Teil einer klimaresilienten Stadt. Edler sieht darin einen größeren historischen Bogen: Jahrhundertelang waren Flüsse vor allem Verkehrs- und Handelsräume. Wo früher Lastkähne fuhren, dominieren heute vielerorts Freizeit und Erholung. „Die Entwicklung des Flusses in der europäischen Stadt geht eher in diese Richtung“, sagt er. Statt sich allein auf die Schifffahrt zu konzentrieren, könnten Städte ihre Gewässer als Teil des öffentlichen Lebens begreifen.

Die Fragestellung hat sich jedoch verschoben: Trotz unterschiedlicher Voraussetzungen und Nutzungskonflikte geht es nicht mehr nur um die Verwaltung eines Gewässers, sondern um seine Gestaltung als Teil der städtischen Freiraumstruktur. Am Ende geht es weniger ums Schwimmen als um die Stadt selbst. Tim Edler bringt es auf eine knappe Formel: Berlin soll „Bad Berlin“ werden. Der Slogan mag wie ein Wortspiel klingen, meint aber etwas Konkretes: Städte wieder vom Wasser her zu planen. 

Eine Gruppe von Menschen in Badekleidung versammelt sich auf einem Platz vor einem historischen Gebäude. Zwei Personen halten ein Plakat für saubere und schwimmbare Flüsse in die Kamera.
©2025 Annette Hauschild, Agentur OSTKREUZ by courtesy of Flussbad Berliner e.V.
Viele Menschen schwimmen an einem Flussufer vor einer historischen Ufermauer. Weitere Personen sitzen auf einem Steg oder beobachten das Geschehen vom Ufer aus.
©2025 Annette Hauschild, Agentur OSTKREUZ by courtesy of Flussbad Berlin e.V.
Zwei Personen mit Badekappen im dunklen Wasser; eine schwimmt Kraul, die andere steigt über eine Holztreppe aus dem Wasser.
©2025 Jiwon Kang by courtesy of Flussbad Berlin e.V.

Termine Schwimmdemos 

  • Montag, 20. Juli 2026, 17:00 bis 19:00 Uhr 
  • Donnerstag, 20. August 2026, 17:00 bis 19:00 Uhr 
  • Sonntag, 20. September 2026, 13:00 bis 16:00 Uhr 

Swimmable Cities

Die internationale Initiative entstand 2024 aus einem Netzwerk von Fachleuten und Initiativen, die sich für das Schwimmen in urbanen Gewässern einsetzen. Ihre Swimmable Cities Charter formuliert Leitlinien für den Umgang mit Flüssen, Kanälen und Hafenbecken als öffentliche Räume und richtet vom 11. bis 12. August 2026 in Basel das „Swimmable Cities European Forum 2026“ aus. 

Weitere Informationen unter: www.swimmablecities.org 

DAB Redaktion

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

„Die Weichen werden früh gestellt!“

Eine Frage – mehrere Meinungen: Wie entsteht Baukultur? Politischer Wille, Diskurs oder Bildung – was sind Zutaten für eine erfolgreiche baukulturelle Praxis?

Berufspolitik Schleswig-Holstein
12.06.2026
Innenraum an einem Infostand: lachende Teilnehmende blättern in farbigen Heften und machen Notizen; daneben liegen gestapelte Bücher – gelöste, fröhliche Stimmung.

An Ideen mangelt es nicht

Das Forum Baukultur tagte Ende April bei der Architektenkammer Baden-Württemberg in Stuttgart – und legte den Fokus auf „junges Engagement“

Nachwuchs Baden-Württemberg
08.05.2026
Moderne Gemeindehalle mit weißer Fassade und Holzverkleidung, davor eine Person auf einem Gehweg, umgeben von Rasen und Bäumen

Weiterbauen statt Abreißen: Mehrzweckhalle Ingerkingen

Eine Halle aus den 1960ern, die zum Abriss stand – und stattdessen zum Vorbild für nachhaltiges Bauen wurde. Wie Atelier Kaiser Shen in Ingerkingen zeigt, dass Bestandserhalt mehr sein kann als ein Kompromiss.

Projekte Bundesweit
13.02.2026
Mann mit dunklem Hemd und beiger Hose steht vor einer Glasfront mit Blick auf Garten und Bäume.
Geschwungene Holzstruktur mit parallelen Linien, die eine organische, fließende Form bilden.
Freitreppe mit grasbedeckten Seitenflächen vor einem modernen, geschwungenen Gebäude mit weißer Fassade und dunklem Unterbau.
Blick über eine große, gepflasterte Fläche auf ein modernes Gebäude mit schrägen Stützen und Glasfassade, im Hintergrund Stadtgebäude und Bäume.

Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen

Entdecken Sie die Welt der Architektur – 
jetzt im exklusiven DAB Update!

Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben. Bestätigung der Datenschutzerklärung ist erforderlich.