Bilanz in Buchform: Wie in München aus Schulbau Kommunalpolitik wurde
Im Band „Wir bauen Bildung“ zieht die Landeshauptstadt München ein Resümee über zehn Jahre ihrer Bildungsbauoffensive. Das Werk dokumentiert ein beispielhaftes Programm für Schulen, Kitas und nachhaltige Lernräume mit großer Strahlkraft.
Sie haben spontan gut neun Milliarden Euro zur Hand? Und Sie wollen wissen, wie sich mit diesem Geld 62.500 Schulplätze und 668 Kitagruppen schaffen lassen? Dann liefert der Band „Wir bauen Bildung!“ eine praxisnahe Handreichung. Das ist zwar zugegebenermaßen kein ganz alltägliches Anliegen, aber auch alle anderen, die sich als Nutzende, Planende und Auftraggebende mit der baulichen Gestaltung von Lernumgebungen beschäftigen, werden in dieser Neuerscheinung spannende Einblicke erhalten.
Zum zehnjährigen Bestehen der Bildungsbauoffensive München zieht das Baureferat der Landeshauptstadt Bilanz. Der 2026 im JOVIS Verlag erschienene Band dokumentiert auf 232 Seiten, wie aus einem kommunalen Investitionsprogramm Deutschlands größtes seiner Art wurde.
Fünf Schwerpunkte gliedern den Band: die Entstehung und Struktur der Bildungsbauoffensive, die Leitidee des Münchner Lernhauses als pädagogisch-räumliches Konzept, die Vorteile standardisierter Verfahren und Raumprogramme, klimaverantwortliches Bauen und der städtebauliche Mehrwert der Bildungsbauprojekte. In jedem der Kapitel wechseln sich einführende Texte, Interviews, Infografiken und Projektdokumentationen ab.
Dabei ist ein ansprechender Bildband mit rund 200 farbigen Abbildungen entstanden, die die ganze architektonische Vielfalt von Schul- und Bildungsbauten abdecken.
Die eigentliche Stärke des Bandes liegt in den externen Beiträgen: Autor:innen wie Thomas Auer, Andrea Gebhard, Norbert Illiges, Meike Kricke, Barbara Pampe, Bernhart Schwenk und Julian Weyer holen das Münchner Programm aus der Innenperspektive heraus, ordnen es in einen überregionalen fachlichen Kontext ein und diskutieren Bildungsgerechtigkeit, Pädagogik, ressourcenschonendes Bauen sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Darüber hinaus ist der Band vor allem eine institutionelle Leistungsschau des Baureferats und will dokumentieren, was mit dem investierten Geld entstanden ist. Das geschieht aber mit bemerkenswerter Transparenz: So werden auch Pavillonanlagen als brauchbare Übergangslösung in Zeiten knapper Kapazitäten gezeigt und diskutiert. Die klare Struktur und die ausführliche Aufbereitung von Verfahrensfragen, Organigrammen und Prozessabläufen veranschaulichen alle Aspekte und Herausforderungen eines solchen Mammutprojekts.
Die Zahlen, mit denen das Programm operiert, geben eine Vorstellung von seiner Dimension: Zwischen 2014 und 2024 wurden 108 Schulbauprojekte auf den Weg gebracht, von denen 47 fertiggestellt wurden. 78 Mensen, 200 Sporthalleneinheiten und 13 Schwimmbäder sind entstanden. Getragen wird das Wachstum von einer Stadt, deren Schülerzahlen in diesem Zeitraum um knapp 19 % gestiegen sind – von rund 98.500 auf fast 117.000 – und die bis 2035 mit über 125.000 Schülerinnen und Schülern rechnet.
Das Jubiläumsjahr fällt allerdings in eine Phase, in der die städtischen Spielräume enger werden. Der Stadtkämmerer hat allen Referaten eine zehnprozentige Sparvorgabe gesetzt. Die Stadtspitze betont zugleich, am Bauprogramm grundsätzlich festzuhalten, nur in etwas gedrosseltem Tempo.
Für Leser:innen aus Planung und kommunaler Verwaltung über München hinaus liefert der Band damit nicht nur eine Rückschau auf ein bundesweit beachtetes Programm, sondern auch Stoff für die Frage, wie sich große Bildungsbauoffensiven unter wachsendem Kostendruck fortführen lassen.
Jakob Irler
Team Kommunikation Bayerische Architektenkammer DAB Redaktion BayernDas könnte Sie auch interessieren
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