Wo fühle ich mich zu Hause?
Deutscher Innenarchitektur-Preis 2026: Von einer Wohnung zu meiner Wohnung. Aus dem Bestand werden Wohnräume geschaffen, mit denen man sich temporär oder dauerhaft identifizieren kann.
Was haben Fußball und Innenarchitektur gemeinsam? 83,5 Millionen Menschen haben allein in Deutschland eine Meinung dazu. Jeder muss, darf oder kann irgendwo wohnen und ist damit Expert:in für die eigenen vier Wände. So leidenschaftlich, wie über 22 Spieler:innen und einen Ball diskutiert wird, werden auch die Debatten über die vielleicht persönlichste Form der Architektur geführt: die Innenarchitektur. Ob in einer alten Postfiliale, einem 80er-Jahre-Bau, einem denkmalgeschützten Altbau oder einem traditionsreichen Hotel – jeder Entwurf zeigt, wie individuelle Bedürfnisse aufgegriffen und im historischen Bestand zu einem neuen Zuhause umgesetzt werden können.
Eins, zwei oder drei?
In einer alten Postfiliale in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf findet sich heute das Havens Living.
Unkompliziertes, flexibles und zeitweiliges Wohnen ist besonders in Großstädten immer beliebter. Wer nur für ein paar Monate in der Stadt ist, findet in diesem Gebäude alles, was man brauchen könnte. Neben der eigenen Wohnung gibt es einen Fitnessraum, einen Wäscheraum und das Herzstück des Wohnhauses: die damalige Eingangshalle der Post. Durch die Umgestaltung des denkmalgeschützten Raumes durch die bki befinden sich hier heute Lounge und Co-Working-Bereich. Auf den großzügig verteilten Sitzmöglichkeiten kann hier ganz ohne Zwang die Nachbarschaft gepflegt werden. Die Identität des Denkmals spürt man hier durch markante, erhaltene Motive des Bestands. In der sonst jungen und modernen Atmosphäre erinnern diese an den industriellen Ursprung.
Die Bewohner:innen wählen beim Einzug aus drei verschiedenen Appartements (15–41 qm) mit verschiedenen Designoptionen. Alle 265 Wohnungen bieten mit integriertem Stauraum und klaren Grundrissen einen Rückzugsort für diejenigen, die hier eine temporäre Heimat gefunden haben.
Projektdaten
Havens Living Berlin
Projektdaten
Havens Living Berlin
Ort: Berlin
Innenarchitektur: Sabine Krumrey / brandherm + krumrey interior architecture
Bauherrschaft: International Campus GmbH
Fertigstellung: September 2025
Historische 35 qm
Nach der ganzheitlichen Kernsanierung eines Altbaus aus den 1920er/30er-Jahren am Heumarkt in Köln entstand auf 35 qm eine Wohnung, die das historische Erbe mit Design verbindet.
Direkt hinter Eingangstür und Flur erwarten den Besucher im Badezimmer Zementfliesen in weiß-gelber Schachbrettoptik, kombiniert mit einer gelben Decke. Ein farbenfroher Empfang, der im Flur durch Einbauschränke ergänzt wird. Historische Aspekte, die in die Moderne übersetzt wurden, befinden sich im Schlafzimmer. Hier führt der erhaltene Dielenboden vorbei an Schrank und Bett zu einer kommunikativen Ecke aus Sessel, Fensterbank und gepolstertem Bettende. Ein Vorhang kann bei Bedarf nicht nur die originale Ziegelwand, sondern auch das gläserne Schiebefenster zur Küche verdecken.
Nicht nur die Kochzeile, die im Geiste der „Frankfurter Küche“ gestaltet ist, bietet clevere Stauraumoptionen. Beispielsweise kann die Sitzecke in hellem Grün zu einem Schlafplatz für Gäste umgebaut werden. Sinnvoll platzierte Leuchten können so auch als Nachttischleuchte dienen.
Projektdaten
Kleinod am Heumarkt
Projektdaten
Kleinod am Heumarkt
Ort: Köln
Innenarchitektur: Nadia Stanke / stanke interiordesign
Bauherrschaft: privater Bauherr
Fertigstellung: Februar 2026
80er-Jahre-Bau erstrahlt in neuem Glanz
Im Zuge der Kernsanierung des 80er-Jahre-Baus hat sich neben der charakteristischen Eingangstür in Sternoptik einiges geändert. Draußen wurde die Fassade komplett erneuert und Fenster aus Holz eingesetzt. Im Erdgeschoss entstand aus drei Räumen ein Herzstück des Hauses.
Dieses prägt besonders der bewusste Einsatz von langlebigen Materialien wie Eiche, Naturstein und bronziertem Messing. Ergänzt werden diese hochwertigen Materialien durch Grüntöne für Wand und Textilien. Als Übergang zum Wohnzimmer dient der dreiseitig offene Kamin in Kombination mit dem ehemaligen Blumenfenster samt Sitznische. Dezent versteckt findet sich hinter der Schiebewandverkleidung der TV. Eichendielenboden, Lehmputzwände und Naturmaterialien für Textilien ergänzen das Raumklima.
Über die Stahl-Holztreppe gelangt man vorbei am Lichtspiel des Glasperlenlüsters vom Keller über das Erdgeschoss bis in das Obergeschoss. Hier gewinnt das Gebäude an Weite und Höhe aufgrund des freigelegten Dachstuhls. Das ermöglicht auch den Einsatz einer drei Meter hohen Glasschiebetür vor der Ankleide. Exklusivität wird durch die frei stehende Badewanne im Schlafzimmer garantiert, die sich hinter einer Holztrennwand befindet. Teil der Trennwand ist ein Fernseher, der je nach Bedarf zum Bett oder zur Badewanne gedreht werden kann.
Projektdaten
Neuer Look in alten Mauern
Projektdaten
Neuer Look in alten Mauern
Ort: München
Innenarchitektur: Dorothee Maier / meierei Innenarchitektur | Design
Bauherrschaft: Anonym
Fertigstellung: Dezember 2023
Luxuriöse Backstube
Leben wie die Herzöge! Das ist seit September 2024 in München im Platzl Hotel möglich. Hier sollen die Gäste Luxus genießen und gleichzeitig die Geschichte der Pfistermühle nachempfinden. Mit Bedacht auf Tradition und Design wurde das Restaurant Pfistermühle im Erdgeschoss bereits 2017 renoviert. 13 Suiten in den oberen Geschossen folgen dem gleichen Stil.
Besonders die Geschichte der Pfistermühle soll in den Wohnungen für die Gäste spürbar werden. Diese begann schon im 13. Jahrhundert, als sie noch im alten Hof angesiedelt war und die Herzöge mit Mehl und Brot versorgte. Nach einem Brand 1578 wurde die Mühle am heutigen Standort wieder aufgebaut. Massiv geweißte Eichenwände oder Lampenschirme aus derbem Leinenstoff sind nicht nur Einrichtungselemente, sondern erinnern an die mehlige Tradition des Bäckerhandwerks. Muschelkalk im Badezimmer und geschmiedete Nägel an den Wänden unterstreichen den bayerischen Ursprung und die Wertschätzung für das traditionsreiche bayerische Handwerk.
Projektdaten
Platzl Hotel – Suiten
Projektdaten
Platzl Hotel – Suiten
Ort: München
Innenarchitektur: Dreimeta GmbH & Co. KG
Bauherrschaft: Platzl Hotel Inselkammer KG
Fertigstellung: September 2024
Über den Deutschen Innenarchitektur-Preis
Über den Deutschen Innenarchitektur-Preis
Der Deutsche Innenarchitektur-Preis des Bundes Deutscher Innenarchitektinnen und Innenarchitekten (bdia) gilt als wichtigste Auszeichnung für Innenarchitektur in Deutschland. Aus knapp 250 Einreichungen hat die unabhängige Jury insgesamt 35 Projekte nominiert. Sie zeigen, wie Innenarchitektur in den Bereichen Arbeiten, Wohnen, Bildung, Gesundheit, Kultur und öffentlicher Raum auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen reagiert.
Weitere Informationen zu den nominierten Projekten des Deutschen Innenarchitektur-Preises 2026 finden Sie unter deutscher-innenarchitektur-preis.de.
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