Wie die Umgebung, so das Gebäude
REAR Award: Wie sehr wird Architektur von der Umgebung beeinflusst, in der sie gebaut wird? Bei der Wohnanlage Ölzbündt in Österreich und bei der Villa am Römerholz in Genf zeigt sich, wie sehr Materialien, aber auch verschiedenste Elemente auf Gebäude einwirken können.
Landschaften sind oft auch durch ihre Bebauung geprägt. Manchmal fügt sich die Architektur besser in die Umgebung ein und manchmal sticht sie bedeutend heraus. Aber was, wenn sich Architektur ihrer Umgebung in gewisser Weise angleicht?
Versuch der Anpassung
Die Wohnanlage Ölzbündt in einer österreichischen Gemeinde passt sich einerseits seiner Umgebung perfekt an und ist zugleich ein ungewöhnlicher Nachbar. Das mehrgeschossige Gebäude ist auf seiner kompletten Fläche von 43 m Länge und 9 m Breite mit einer Holzaußenhaut verkleidet. Genau das Holz, welches bei vielen Vorarlberger Häusern in der Umgebung traditionell verbaut wird. Ob die Stützen, die Decken oder die Dachelemente: Die Konstruktionen der Wohnanlage bestehen aus Holz. Angefangen bei den Innenstützen aus Brettschichtholz bis zu den Außenstützen aus Vollholz und den Holzmehrschichtplatten, die das Traggerüst stabilisieren. Mit all ihren Elementen bildet die Wohnanlage eine Holzkonstruktion nach dem sogenannten Tischsystem, wo auf einem Untergeschoss eine Massivbauweise entstanden ist. Damit fügt sich die Wohnanlage zugleich ein und hebt sich durch seine strenge und einfache Art von der gewachsenen Einfamilienhaussiedlung ab.
Projektinformation
Wohnanlage Ölzbundt
Projektinformation
Wohnanlage Ölzbundt
Ort: Dornbirn
Bauherr: Gerold Ölz, Anton Kaufmann
Architektur: HK Architekten, Hermann Kaufmann + Partner ZT GmbH
Typologie: Mehrfamilienhaus als Zeilenbau mit Laubengangerschließung
Fertigstellung: 1997
Kategorie: REAR Award (Finalist)
Eine Zeitreise
Bei allen Projekten des REAR Awards steht Veränderung im Fokus. Veränderungen der Architektur über viele Jahre hinweg und unter verschiedensten Bedingungen. Bei der Villa „Am Römerholz“ in Winterthur fand neben vielen Umbauten des Gebäudes eine besondere Zeitreise der Fassaden statt. Zu den Baumaterialien Jurakalkstein und Kupfer des Bestandsgebäudes fügte man Elemente aus Sand und Pulver hinzu. Durch die einsetzende Oxidation färbte sich die Fassade grün. Verstärkt wurde das durch angereichertes Dachwasser, welches den Verfärbungsprozess immer weiter vorantrieb.
Auch wenn die Architekten vielleicht nicht unbedingt den Verfärbungsprozess der Fassaden mitplanten, planten sie eins auf jeden Fall: den Umbau der Villa im Stil eines französischen Landhauses und der Galerieräume. Um die vorhandenen Kunstwerke besonders zu präsentieren, reichten die architektonischen Mittel von simpleren Renovationsarbeiten bis hin zum Wiederherstellen von historischen Raumdispositionen. Das Ergebnis ist ein Zusammenschluss von Villa und Galerie, die den unterschiedlichen Exponaten mit ihren verschiedenen Dimensionen eine entsprechende Bühne gibt.
Projektinformation
Villa „Am Römerholz“
Projektinformation
Villa „Am Römerholz“
Ort: Winterthur
Bauherr: Bundesamt für Bauten und Logistik, Bern
Architektur: Gigon Guyer Partner Architekten AG
Typologie: Wohnhaus & Galerie
Fertigstellung: 1994
Kategorie: REAR Award
Über den REAR Award
Über den REAR Award
Der REAR Award zeichnet sich schon durch seine Namensgebung aus: der Reflect Architecture Award. Der REAR Award sucht die Architektur aus, die verschiedensten Bedingungen ausgesetzt waren – angefangen beim Wetter, über die alltägliche Nutzung bis hin zur gewöhnlichen Alterung. Aber wie verändern sich die Gebäude wirklich? Genau das nimmt der Preis in den Blick und kürt die Architektur, die zwar schon über Generationen hinweg besteht, aber dennoch zu aktuellen Architekturdiskursen beitragen kann.
Bei der Kategorie REAR Transformation wird Architektur gesucht, die sich durch neue Perspektiven, Umbau und Erweiterung auszeichnen. Im Fokus steht die Frage, wie Architektur auf Veränderungen reagieren kann, ohne von Abriss oder Neubeginn zu sprechen. Es werden diejenigen Gebäude ausgewählt, die ihre Qualität, Präsenz und kulturelle Bedeutung bewahren konnten. Der Blick liegt darauf, was bleibt und was noch werden kann.
Die Initiatoren des Awards sind die Publizistin Katharina Benjamin, der Architekt Fabian Onneken und der Grafikdesigner Patrick Martin. Diese haben den Award 2025 in Leipzig ins Leben gerufen.
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