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Studienzentrum Weimar: Weniger Hürden, mehr Austausch

Knapp 20 Jahre nach seiner Eröffnung haben Kummer Lubk + Partner das Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar neu ausgerichtet – für Austausch, Ausstellungen und digitale Arbeit.

Architektenkammer Thüringen
09.10.2026 4min
Blick in die Leselounge des Studienzentrums der Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Planung: Kummer Lubk + Partner Architekten Ingenieure Generalplaner, Entwurfsverfasser: Markus Sabel
© Steven Neukirch

Die erste Hürde ist eine Tür. Am Windfang des Studienzentrums der Herzogin Anna Amalia Bibliothek wurde die äußere Eingangstür umgebaut, damit weniger kalte Luft ins Haus zieht. Der barrierefreie Zugang bleibt erhalten. Das Detail ist unscheinbar, passt aber zum Anspruch des gesamten Umbaus: Das 2005 eröffnete Haus soll leichter zugänglich werden, räumlich wie inhaltlich. Geplant haben den Umbau Kummer Lubk + Partner Architekten Ingenieure Generalplaner, Erfurt, Entwurfsverfasser ist Markus Sabel. Gebaut wurde von 2024 bis 2026.

Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ist eine öffentlich zugängliche Archiv- und Forschungsbibliothek für die europäische Literatur- und Kulturgeschichte. Ihr Schwerpunkt liegt auf den Jahren 1750 bis 1850, die Sammlungen reichen vom 9. bis ins 21. Jahrhundert. Mehr als eine Million Medien stehen zur Benutzung bereit, rund 150.000 Bände davon im Freihandbereich des Studienzentrums. Das historische Bibliotheksgebäude mit dem Rokokosaal, Teil der Welterbestätte „Klassisches Weimar“, besichtigen jährlich rund 100.000 Menschen.

Die digitale Werkstatt des Studienzentrums der Weimarer Herzogin Anna- Amalia- Bibliothek. Planung: Kummer Lubk + Partner Architekten Ingenieure Generalplaner, Entwurfsverfasser: Markus Sabel
© Steven Neukirch

Agenda 2020: Neue Anforderungen seit 2005

Seit der Eröffnung des Studienzentrums haben sich die Anforderungen an Bibliotheken vor allem durch den digitalen Wandel stark verändert. Mit der Agenda 2020, ihrer strategischen Neuausrichtung von 2018, stellte die Bibliothek die Weichen für eine Neugestaltung der öffentlichen Flächen und Sammlungsräume. Das Studienzentrum soll als zentraler Ort für Information und Kommunikation gestärkt werden. Gefragt sind Rückzugsorte, Gruppenarbeitsplätze, digitale Angebote, Ausstellungsflächen und Veranstaltungen. Die Klassik Stiftung Weimar fasst das zusammen in der Losung „Eine offene Bibliothek für eine offene Gesellschaft“. Gefördert wurde das Projekt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Hinter dem Windfang wurde das Foyer als Ort der Erstinformation und Orientierung geschärft und das Leitsystem erneuert. Im Erdgeschoss wurde zudem der Katalogbereich nahe der Informationstheke neu organisiert. Dort gibt es nun Sonderarbeitsplätze mit Beratungsbedarf, etwa für Mikroformen oder Musik, sowie Plätze für Gruppenarbeit und Vermittlungsangebote. Eine Handbibliothek mit integrierter Schreibtafel versammelt Nachschlagewerke und Publikationen der Bibliothek und der Klassik Stiftung. 

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Der Zugang zur digitalen Werkstatt des Studienzentrums der Weimarer Herzogin Anna- Amalia- Bibliothek. Planung: Kummer Lubk + Partner Architekten Ingenieure Generalplaner, Entwurfsverfasser: Markus Sabel
© Steven Neukirch

Bücherkubus: Vom Regal zur Bühne

Die deutlichste Veränderung betrifft den Bücherkubus, der zum Veranstaltungsraum wird. Beamer- und Tontechnik wurden integriert und zusätzliche Datenschnittstellen geschaffen. Ein Bedientableau soll die technische Betreuung vereinfachen. Auf der Galerie der Sammlungen im ersten Untergeschoss des Kubus wurden zwei Regale zu Glasvitrinen umgebaut. Sie zeigen Bände aus der Privatbibliothek Herzogin Anna Amalias. Nördlich an den Kubus schließt ein Bereich für Sonderausstellungen und Empfänge an. Die frühere Informationstheke der Fotothek dient dort nun als Cateringtheke.

Gleich daneben liegt die neue Leselounge mit Sesseln, Tageszeitungen und Zeitschriften. Ihre Regale sind zugleich Schaufenster der Sammlungen, mit einem Schwerpunkt auf Lyrik. Ausgewählte Bücher aus der Privatbibliothek des Schriftstellers Wulf Kirsten stehen dort neben Reihen wie der Library of America, der Pléiade, der Anderen Bibliothek und der Insel-Bücherei. Ankommen, Ausstellen, Lesen und Veranstalten rücken so räumlich eng zusammen.

Digitale Werkstatt: Bestände zum Ausprobieren

Im ehemaligen Funktionsbereich der Fotothek ist eine digitale Werkstatt entstanden. Der flexibel einrichtbare Raum dient Workshops und Präsentationen. Nutzer:innen können dort digitale Produkte der Bibliothek und der Klassik Stiftung erproben und für eigene Projekte nachnutzen. Ein zugehöriger Präsentationsraum zeigt 3D-Anwendungen und weitere digitale Angebote. Auch der Vodafone-Hörsaal wurde modernisiert, mit neuem Vortragspult samt Elektro- und Datenanschlüssen und einer neuen Lautsprecheranlage.

Im Lesesaal ging es um Licht und Klima. Die Lichtdecke wurde erneuert, und LEDs ersetzen die alten Leuchtstoffröhren. Neue Rollos und eine UV-Schutzfolierung der Fenster verbessern den Lichtschutz. Zugleich wurde die Klimaanlage des gesamten Studienzentrums ertüchtigt. 

Einordnung: Weiterbauen am jungen Bestand

Große architektonische Gesten stehen bei diesem Projekt nicht im Vordergrund. Interessant ist sein Ansatz: Ein knapp 20 Jahre altes Bibliotheksgebäude wird durch Umnutzung, Technik und Ausstattung an ein verändertes Nutzungsprofil angepasst. Vor dieser Aufgabe stehen viele Bildungsbauten, deren Raumprogramme vor dem digitalen Wandel festgelegt wurden. Offen ist, wie sich die neuen Zonen im Alltag bewähren. Es wird sich zeigen, ob Veranstaltungen und konzentriertes Arbeiten gut nebeneinander funktionieren und ob die Öffnung neue Nutzer:innen ins Haus bringt. 

Umbau Studienzentrum – Archiv- und Forschungsbibliothek

Ort: Platz der Demokratie 4, 99423 Weimar
Bauherr: Klassik Stiftung Weimar, vertreten durch die Direktion Schlösser, Gärten und Bauten, Weimar
Architektur: Kummer Lubk + Partner Architekten Ingenieure Generalplaner, Erfurt; Entwurfsverfasser Dipl.-Ing. Markus Sabel
Fertigstellung: 2026
Realisierung: 2024–2026
Bauzeit Bestand: Eröffnung 2005 

Architektenkammer Thüringen

DAB Redaktion Thüringen
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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