Naturnahe Pausenhofgestaltung: nachhaltige Freiflächenkonzepte für mehr Erlebnis und Klimaanpassung
Schüler:innen balancieren auf Baumstämmen, sammeln Laub zum Basteln oder montieren einen Nistkasten. Was sich anhört wie ein Tag im Wald, könnte in vielen Münchner Schulen schon bald zum Schulalltag gehören. Im Juli wurde an der Guardinistraße der erste naturnah umgestaltete Pausenhof eingeweiht. Ein Pilotprojekt, dem weitere folgen sollen.
Pausenhöfe gehören zum Schulalltag wie Klassenzimmer, Lernhaus und Sporthalle. Die Pausen zwischen den Unterrichtseinheiten im Freien zu verbringen, ist eine gute Idee, damit sich die Kinder austoben und anschließend wieder besser konzentrieren können. Doch reicht das heute noch aus? Zwar werden die versiegelten Schulhöfe vielfach mit diversen Spielgeräten ausgestattet, doch oft bieten diese nach kurzer Zeit nur noch wenig Anreiz für kreatives Spielen. In München setzt man daher seit einiger Zeit verstärkt auf eine naturnahe Gestaltung dieser Freiflächen. Mit dem Stadtratsbeschluss „Schul- und Kitabauoffensive – 4. Schulbauprogramm und Kitabauprogramm 2022“ wurde der Grundstein dafür gelegt. Das Ziel besteht darin, mit den Pausenhöfen klimafreundliche und kindgerechte Räume zu schaffen, die Bewegung, Kreativität und Umweltbewusstsein fördern. Zudem sollte die mögliche Verzahnung mit der Umgebung sowie eine Mehrfachnutzung überprüft und aufgezeigt werden, um Synergieeffekte im Quartier zu nutzen.
Naturnahe Pausenhöfe planen
Das Referat für Bildung und Sport wurde daher – unter Mitwirkung des Baureferats – mit der Entwicklung eines Grundkonzepts sowie mit der Prüfung und Priorisierung möglicher Standorte für ein erstes Pilotprojekt beauftragt. Das Konzept sieht vor, nicht zwingend benötigte versiegelte Freiflächen, wie beispielsweise Fahrradparcours für die Verkehrserziehung, zu öffnen und mit durchlässigen Belägen zu ersetzen. Diese sollen mit artenreichen heimischen Vegetationsflächen kombiniert werden, um die Biodiversität zu erhöhen. Hinzu kommen schattenspendende Bäume, die die Aufenthaltsqualität auf dem Schulhof verbessern und Hitzeinseln im Quartier reduzieren. Somit leistet die Umgestaltung einen wertvollen Beitrag für die Schulfamilie und trägt zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bei.
Für die Kinder sollen Rückzugsbereiche und Orte für kreatives Spielen geschaffen werden. Dazu gehören beispielsweise Kletter- und Balancierelemente aus Holz, kleine Hügel oder Wasserstellen, die vielfältige Bewegungsanreize bieten. Darüber hinaus kann auf dem Schulhof auch gelernt werden. Die neuen Lebensräume für Pflanzen und Tiere ermöglichen das unmittelbare Erleben ökologischer Zusammenhänge und laden zum Erkunden ein. Bei gutem Wetter kann auch die eine oder andere klassische Unterrichtseinheit ins „grüne Klassenzimmer“ verlegt werden.
Möglichkeiten der Umsetzung
Die Entwicklung naturnaher Schulhöfe erfolgt in einem systematischen Prozess, bei dem die Flächenpotenziale analysiert, Prioritäten gesetzt und konkrete Maßnahmen geplant werden. Die Schulstandorte lassen sich grundsätzlich in zwei Typen einteilen: Schulen mit knappen Flächenressourcen und Schulen mit deutlichem Flächenpotenzial, das über die notwendigen Funktionsflächen des aktuellen Standardraumprogramms hinausgeht. Grundsätzlich eignen sich beide Typen für eine naturnahe Umgestaltung. Sie erfordern aber eine unterschiedliche Herangehensweise für die Umsetzung.
Bei Schulen mit knappen Flächenressourcen und einem hohen Versiegelungsgrad lassen sich meist nur kleinere Einzelmaßnahmen, wie zum Beispiel das Anlegen einiger Beete oder das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern umsetzen. Eine zusätzliche Maßnahme wäre eine Fassadenbegrünung. Vielversprechender scheint jedoch der Ansatz, Synergieeffekte zwischen verschiedenen Schulstandorten zu schaffen, indem notwendige Funktionen wie beispielsweise ein Verkehrsübungsplatz gemeinsam genutzt werden oder indem Funktionen wie Sport und Pause überlagert werden und auf den gleichen Flächen stattfinden. Dies ist jedoch mit den Anforderungen aus den Raumprogrammen zu überprüfen.
Einfacher ist die Umsetzung bei Schulen mit großzügigen Flächenressourcen. Oft sind hier auf dem Gelände bereits unversiegelte Flächen vorhanden, die, auch über einen längeren Zeitraum hinweg, umgestaltet werden können. Solche Standorte bieten ein hohes Potenzial für eine Umgestaltung, von der sowohl die Schulfamilie als auch das umgebende Quartier klimatisch profitieren.
Schlüsselelement Partizipation
Nicht zuletzt spielt auch die Bereitschaft der beteiligten Akteure eine entscheidende Rolle für eine erfolgreiche Umsetzung. Als erste Pilotprojekte wurden die Standorte St.-Anna-Schulen und die Grund- und Mittelschule an der Guardinistraße ausgewählt. Am Standort St.-Anna ging es zunächst um kurzfristige und temporäre Maßnahmen, die die Aufenthaltsqualität auf den beiden Schulhöfen der Grundschule und des Gymnasiums verbessern sollten. Die Maßnahmen an der Guardinistraße waren deutlich umfangreicher und konnten im Juli 2026 abgeschlossen werden. Die Kinder und Lehrkräfte waren dabei aktiv in den Umgestaltungsprozess miteinbezogen. Auch Ideen und Wünsche der Kinder, wie beispielsweise Patenschaften für bestimmte Beete, flossen in die Planung mit ein.
Bei der Eröffnungsfeier zogen die beiden Rektorinnen eine positive Bilanz des Planungs- und Bauprozesses. Sie hoben besonders die positiven Effekte hervor, die der umgestaltete Schulhof bereits auf das soziale Miteinander hat: Die Pausen verliefen nun viel ruhiger, Konflikte hätten abgenommen und die Kinder seien in den anschließenden Unterrichtseinheiten deutlich ausgeglichener.
Ausblick
Mit der Umgestaltung der Schulhöfe setzt die Stadt München ein weiteres Zeichen für eine pädagogisch wertvolle Entwicklung im Schulbau und für eine umfassende Klimastrategie. Durch die Entsiegelung und Begrünung werden Hitzeinseln reduziert, Wasser kann im Sinne des Schwammstadtprinzips zurückgehalten werden und das Mikroklima sowie die Biodiversität in der Stadt verbessern sich. Die positiven Erfahrungen aus den Piloten machen Mut für weitere Projekte. Schon jetzt fließen viele Elemente der naturnahen Pausenhofgestaltung, wie grüne Klassenzimmer, Fassadenbegrünung oder Biodiversitätsflächen, in die Planung von Neubau- und Erweiterungsprojekten mit ein. Um deren Finanzierung sicherzustellen, müssen zunehmend auch die Möglichkeiten der Förderung geprüft und genutzt werden.
Projektdaten
Naturnah gestalteter Pausenhof an der Grund-/Mittelschule Guardinistraße
Projektdaten
Naturnah gestalteter Pausenhof an der Grund-/Mittelschule Guardinistraße
Ort: München
Bauherr: Landeshauptstadt München
Konzept/Umsetzung: Referat für Bildung und Sport / Baureferat München
Landschaftsarchitektur: TRR Landschaftsarchitekten | Ritz und Ließmann PartG mbB
Fertigstellung: 2025
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