Nachhaltigkeit trifft Architektur
REAR Award: Bei der Siedlung Nadig und dem Clé de Sol handelt es sich um zwei nominierte Gebäude des REAR Awards, die nachhaltiges Bauen nicht nur mitdenken, sondern es zu ihrem gesamten Konzept gemacht haben. Und das schon vor über 25 Jahren. Aber wie aktuell sind diese Gebäude noch und was kann man heute von ihrer Bauweise lernen?
Der Nachhaltigkeitsdiskurs ist und bleibt ein aktuelles Thema – auch in der Architektur. Dafür braucht es nicht immer komplett neue Konzepte, sondern es genügt mitunter auch die Orientierung an früherem Bestand. Zwei nominierte Gebäude des REAR Awards können als Musterbeispiele dafür betrachtet werden.
Das Pionierhaus
Mit dem Clé de Sol, einem Gebäude in La Tour-de-Peilz, einer schweizerischen Gemeinde, wurde von Beginn an das Ziel verfolgt, ein ganzheitlich ökologisches Konzept zu entwickeln. Umgesetzt wurde das vor allem durch die Nutzung von Solarenergie für Heizung und Elektrizität und durch geschlossene Kreisläufe mithilfe von aufgefangenem Regenwasser und eingebauten Materialien. Die bioklimatische Architektur des Pionierhauses zeigt sich darin, dass das Gebäude mit Trockentoiletten ausgestattet und – als einer der ersten Holzbauten der Westschweiz – über Brettstapeldecken mit Holzdübeln verfügt. Insgesamt ist das Ziel, den Energie- und Ressourcenbedarf des Gebäudes möglichst gering zu halten. Der Großteil soll durch die Nutzung der Umgebung und der klimatischen Bedingungen gedeckt werden. Das Gebäude wird seit mehr als 25 Jahren von mehreren Tausend Menschen besucht, und ist Vorbild für viele Bauprojekte in der Schweiz. Das Konzept des Clé de Sol wurde sowohl auf Einfamilienhäuser als auch auf Mehrfamilienhäuser übertragen.
Projektinformation
Clé de Sol
Projektinformation
Clé de Sol
Ort: La Tour-de-Peilz
Bauherr: Frau und Herr Guisan
Architektur: Gilles Bellmann, Bellmann Architectes / Bellmann Architectes (heute: labac)
Typologie: Einfamilienhaus
Fertigstellung: 1999
Kategorie: REAR Award (Finalist)
Gegenwärtige Architektur
Das Haus Nadig, das schon 1987 in Dielsdorf, einer kleinen Gemeinde in der Schweiz, gebaut wurde, könnte nicht aktueller sein, wenn es um Antworten auf ein sich veränderndes Klima und Ressourcenknappheit geht. Denn das Gebäude lässt sich mehr als ein klimatischer Organismus, denn als klassische Architektur bezeichnen. Durch großzügige Südfassaden, thermische Speichermassen und gedämmte Zonen in einem austarierten thermischen System bildet sich ein stimmiges Gefüge. Das Haus Nadig nimmt Energie auf, speichert sie und gibt sie weiter. Und das zu jeder Tageszeit. Schließt man hier nachts die isolierten Läden, kommt es durchs morgendliche Öffnen zu sommerlicher Verschattung und Querlüftung. Kam es durch das Klimawandel oder Alterung zu Veränderungen, wurde das Gebäude fortlaufend angepasst. Hier zeigt sich, dass architektonische Qualität sich durch eine Kombination aus Gestaltung, Klima und Zeit auszeichnet.
rojektinformation
Von Solar zu Polar – Haus Nadig
rojektinformation
Von Solar zu Polar – Haus Nadig
Ort: Dielsdorf ZH
Bauherr: Jürg Nadig + Verena Nadig
Architektur: Ueli Schäfer + Sabine Schäfer
Typologie: Experimentelles Wohnhaus
Fertigstellung: 1987
Kategorie: REAR Award (Anerkennung)
Über den REAR Award
Über den REAR Award
Der REAR Award zeichnet sich schon durch seine Namensgebung aus: der Reflect Architecture Award. Der REAR Award sucht die Architektur aus, die verschiedensten Bedingungen ausgesetzt waren – angefangen beim Wetter, über die alltägliche Nutzung bis hin zur gewöhnlichen Alterung. Aber wie verändern sich die Gebäude wirklich? Genau das nimmt der Preis in den Blick und kürt die Architektur, die zwar schon über Generationen hinweg besteht, aber dennoch zu aktuellen Architekturdiskursen beitragen kann.
Bei der Kategorie REAR Transformation wird Architektur gesucht, die sich durch neue Perspektiven, Umbau und Erweiterung auszeichnen. Im Fokus steht die Frage, wie Architektur auf Veränderungen reagieren kann, ohne von Abriss oder Neubeginn zu sprechen. Es werden diejenigen Gebäude ausgewählt, die ihre Qualität, Präsenz und kulturelle Bedeutung bewahren konnten. Der Blick liegt darauf, was bleibt und was noch werden kann.
Die Initiatoren des Awards sind die Publizistin Katharina Benjamin, der Architekt Fabian Onneken und der Grafikdesigner Patrick Martin. Diese haben den Award 2025 in Leipzig ins Leben gerufen.
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