Fridolinschule Lörrach: Alte Schichten, neue Qualitäten
Bei der denkmalgerechten Generalsanierung der Fridolinschule in Lörrach ging es nicht allein darum, historische Substanz zu bewahren. THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN haben vorhandene Qualitäten freigelegt, wieder nutzbar gemacht und mit gezielten Eingriffen weiterentwickelt.
Die Fridolinschule im Lörracher Stadtteil Stetten besteht aus zwei historischen Schulhäusern und einer neuen Einfeld-Sporthalle. Das kleinere Schulhaus stammt von 1877, das größere von 1927. Dessen Entstehung ist eng mit der Lörracher Architektenschaft verbunden: Nachdem der Neubau beschlossen war, setzten sich die örtlichen, im BDA organisierten freien Architekten dafür ein, Planung und Bauleitung nicht ausschließlich dem Stadtbauamt zu überlassen. Es folgte ein Wettbewerb, aus dem schließlich die Architekten Hertel und Marx hervorgingen. Schon damals wurde die Planung mehrfach weiterentwickelt. Fast 100 Jahre später setzte sich diese Geschichte fort. Als die Architekten 2018 mit dem Projekt beauftragt wurden, war zunächst eine deutlich kleinere Maßnahme vorgesehen. Im Verlauf der Untersuchungen zeigte sich jedoch, dass der Bestand andere Antworten verlangte. Aus der Teilsanierung wurde eine umfassende Sanierung der beiden denkmalgeschützten Schulhäuser; die bestehende Turnhalle wurde durch einen Neubau ersetzt. Entstanden ist eine zeitgemäße Ganztagsgrundschule für rund 200 Kinder, die die historische Struktur des Ensembles weiter nutzt.
Spuren bewahren
Entscheidend für die Qualität des Projekts ist weniger die Summe einzelner Sanierungsmaßnahmen als der Umgang mit dem, was bereits da war. Unter späteren Bodenaufbauten kam das originale Fischgrätparkett von 1928 zum Vorschein. Der lose verlegte, weder verklebte noch vernagelte Boden ließ sich nicht ohne Weiteres aufarbeiten. Erst ein Musterraum zeigte, dass das Abschleifen möglich war. Wo es erhalten werden konnte, blieb das Parkett als historische Oberfläche sichtbar. Auch die originalen Solnhofener Platten in Fluren und Treppenhäusern erzählten von früheren Eingriffen: Einbauten und Befestigungen hatten zahlreiche Spuren hinterlassen. Statt die Natursteinflächen zu ersetzen, wurden sie repariert und dort ergänzt, wo Veränderungen im Bestand es erforderlich machten. Historische Türzargen und Handläufe blieben erhalten, einzelne Rundbögen wurden wieder freigelegt. Am kleinen Schulhaus kam rötlicher Sandstein zum Vorschein, der unter späteren Beschichtungen verschwunden und vergessen war. So treten Materialien und Details wieder hervor, die über Jahrzehnte überformt worden waren und werden erneut Teil des Schulalltags.
Gleichzeitig musste das historische Ensemble die Anforderungen einer heutigen Ganztagsgrundschule aufnehmen. Brandschutz- und Akustikdecken, sanierte Sanitärbereiche und eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ergänzen die vorhandene Struktur; ein Aufzug erschließt die Geschosse barrierefrei. Auch das Dach wurde mit großem handwerklichem Aufwand saniert: Rund 45.000 Naturschieferplatten wurden von Hand verlegt.
Ein Geschoss wird freigelegt
Besonders prägnant wird das Freilegen am unteren Geschoss des großen Schulhauses. Entlang einer Längsseite wurde das Gelände bis auf das Niveau der Räume abgesenkt. Der neu entstandene Tiefhof ist ein Kunstgriff mit mehrfacher Wirkung: Er bringt mehr Tageslicht in das Souterrain, öffnet die Räume zum Außenraum, verbessert die Fluchtwegsituation und schafft einen zusätzlichen Aufenthaltsbereich für die Schule. Zugleich konnten die Feuchteprobleme der zuvor erdberührten Außenwand behoben werden.
Die Innenräume folgen einer bewusst zurückhaltenden Farbgestaltung, die den Kindern und dem Schulalltag die Bühne überlässt. Holzschalenstühle, helle Tischflächen sowie zurückhaltende Schrank- und Regalelemente bilden den Hintergrund für das tägliche Miteinander. Vorhandene Einbauten wurden dort weitergenutzt, wo sie sich bewährt hatten. Besondere Aufmerksamkeit galt den Details: In Fluren und Treppenhäusern setzen Kugelleuchten ruhige Akzente und ergänzen die aufgearbeiteten Böden, historischen Türzargen und Handläufe. So entsteht ein selbstverständliches Nebeneinander von Alt und Neu.
Neubau als Gegenüber
Die frühere Turnhalle war baulich so stark geschädigt, dass sie aus statischen Gründen gesperrt und schließlich durch einen Neubau ersetzt wurde. Ganz verschwunden ist sie dennoch nicht: Garderobenelemente aus der alten Halle wurden zu neuen Sitzmöglichkeiten für die Kinder umgebaut. So bleibt eine materielle Spur des Vorgängerbaus im Schulalltag präsent und spart zugleich Material und Kosten.
Der Neubau übernimmt die städtebauliche Rolle der früheren Halle und fasst weiterhin den Schulhof. Den Schulhäusern mit ihren regelmäßigen Fensterachsen und geneigten Dächern steht ein kompakter, eingeschossiger Baukörper mit ruhiger, reduzierter Form gegenüber. Ein horizontales Fensterband verstärkt die klare Gliederung der Halle. Die Fassade aus Klinkerriemchen setzt sich bewusst von den verputzten Nachbarn ab. Im Inneren prägt das sichtbare Holztragwerk den Raum, ein begrüntes Flachdach bildet den Abschluss. In ihrer Zurückhaltung bildet die Sporthalle einen präzisen Kontrast zum denkmalgeschützten Bestand und stärkt zugleich dessen Präsenz.
Interessanter als die formale Abgrenzung ist jedoch die Rolle, die der Neubau im Quartier übernimmt. Wie ihre Vorgängerin wird die Halle nicht nur für den Schulsport genutzt, sondern auch von Vereinen. Während des Planungsprozesses kam mit der Quartiersheizzentrale eine weitere öffentliche Funktion hinzu. Betrieben von Stadtenergie Lörrach, soll sie neben der Schule auch umliegende Gebäude mit regenerativ erzeugter Wärme versorgen. Holzpellets dienen der Wärmeversorgung, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach ergänzt das Energiekonzept.
Damit reicht die Bedeutung des Schulstandorts über das eigene Grundstück hinaus. Tagsüber nutzen Kinder die Halle, später Vereine; zugleich wird das Gebäude Teil der technischen Infrastruktur des Stadtteils. Sport, Energie und Gemeinschaft überlagern sich in einem einzigen Baustein – und machen die neue Sporthalle zur Schnittstelle zwischen Schule und Quartier.
Projektdaten
Fridolinschule Lörrach
Projektdaten
Fridolinschule Lörrach
Ort: Lörrach-Stetten
Bauherr: Stadt Lörrach
Architektur: THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN
Tragwerksplanung: IG Flösser
Fertigstellung: 2025
BGF: Schulgebäude 2.760 qm
Sporthalle 1.030 qm
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