Deutsches Architektenblatt Logodab-logo
Finden Sie genau die Themen,
die Sie interessieren

Die beliebtesten Themen:

Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

Fridolinschule Lörrach: Alte Schichten, neue Qualitäten

Bei der denkmalgerechten Generalsanierung der Fridolinschule in Lörrach ging es nicht allein darum, historische Substanz zu bewahren. THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN haben vorhandene Qualitäten freigelegt, wieder nutzbar gemacht und mit gezielten Eingriffen weiterentwickelt.

Claudia Tiesler
08.10.2026 5min
Schulgebäude mit Arkadengang und großem gepflastertem Schulhof bei bewölktem Himmel
Der Schulhof als gemeinsame Mitte von historischem Bestand und neuer Sporthalle
© Simon Sommer

Die Fridolinschule im Lörracher Stadtteil Stetten besteht aus zwei historischen Schulhäusern und einer neuen Einfeld-Sporthalle. Das kleinere Schulhaus stammt von 1877, das größere von 1927. Dessen Entstehung ist eng mit der Lörracher Architektenschaft verbunden: Nachdem der Neubau beschlossen war, setzten sich die örtlichen, im BDA organisierten freien Architekten dafür ein, Planung und Bauleitung nicht ausschließlich dem Stadtbauamt zu überlassen. Es folgte ein Wettbewerb, aus dem schließlich die Architekten Hertel und Marx hervorgingen. Schon damals wurde die Planung mehrfach weiterentwickelt. Fast 100 Jahre später setzte sich diese Geschichte fort. Als die Architekten 2018 mit dem Projekt beauftragt wurden, war zunächst eine deutlich kleinere Maßnahme vorgesehen. Im Verlauf der Untersuchungen zeigte sich jedoch, dass der Bestand andere Antworten verlangte. Aus der Teilsanierung wurde eine umfassende Sanierung der beiden denkmalgeschützten Schulhäuser; die bestehende Turnhalle wurde durch einen Neubau ersetzt. Entstanden ist eine zeitgemäße Ganztagsgrundschule für rund 200 Kinder, die die historische Struktur des Ensembles weiter nutzt. 

ANZEIGE
ANZEIGE
Innenhof mit Arkadengängen und zwei Gebäuden, eines mit Satteldach und das andere mit Walmdach
Historische Aufnahmen der Fridolinschule in Lörrach von 1930.
© Stadtarchiv Lörrach
Leerer Klassenraum mit Reihen von Tischen und Hockern, großen Fenstern links und einer Tafel vorne
Historische Aufnahmen der Fridolinschule in Lörrach von 1930.
© Stadtarchiv Lörrach
Schwarz-weiß-Fotografie eines leeren Turnsaals mit mehreren Sprungböcken, Ringen und hohen Fenstern
Historische Aufnahmen der Fridolinschule in Lörrach von 1930.
© Stadtarchiv Lörrach
Treppenhaus mit hellen Wänden, großen Fenstern, runden Deckenbögen und mehreren Kindern, die die Treppe hinauf- und hinuntergehen
Die neuen Kugelleuchten ersetzen die vorgefundenen Rasterleuchten.
© Simon Sommer
Heller Raum mit Holzparkett, Holztischen und -bänken, an denen mehrere Kinder sitzen und sich unterhalten
Der Zugang zum neuen Tiefhof öffnet das Souterrain nach außen.
© Simon Sommer
Leerer Klassenraum mit Holzparkett, mehreren Reihen schwarzer Stühle und Tische, großen Fenstern links und einem Bildschirm an der weißen Wand vorne
Originales Fischgrätparkett prägt den Klassenraum; seine Aufarbeitung wurde zunächst in einem Musterraum erprobt.
© Simon Sommer

Spuren bewahren

Entscheidend für die Qualität des Projekts ist weniger die Summe einzelner Sanierungsmaßnahmen als der Umgang mit dem, was bereits da war. Unter späteren Bodenaufbauten kam das originale Fischgrätparkett von 1928 zum Vorschein. Der lose verlegte, weder verklebte noch vernagelte Boden ließ sich nicht ohne Weiteres aufarbeiten. Erst ein Musterraum zeigte, dass das Abschleifen möglich war. Wo es erhalten werden konnte, blieb das Parkett als historische Oberfläche sichtbar. Auch die originalen Solnhofener Platten in Fluren und Treppenhäusern erzählten von früheren Eingriffen: Einbauten und Befestigungen hatten zahlreiche Spuren hinterlassen. Statt die Natursteinflächen zu ersetzen, wurden sie repariert und dort ergänzt, wo Veränderungen im Bestand es erforderlich machten. Historische Türzargen und Handläufe blieben erhalten, einzelne Rundbögen wurden wieder freigelegt. Am kleinen Schulhaus kam rötlicher Sandstein zum Vorschein, der unter späteren Beschichtungen verschwunden und vergessen war. So treten Materialien und Details wieder hervor, die über Jahrzehnte überformt worden waren und werden erneut Teil des Schulalltags.

Gleichzeitig musste das historische Ensemble die Anforderungen einer heutigen Ganztagsgrundschule aufnehmen. Brandschutz- und Akustikdecken, sanierte Sanitärbereiche und eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ergänzen die vorhandene Struktur; ein Aufzug erschließt die Geschosse barrierefrei. Auch das Dach wurde mit großem handwerklichem Aufwand saniert: Rund 45.000 Naturschieferplatten wurden von Hand verlegt.

Schwarz-weißer Lageplan mit Gebäuden, Straßen und Bäumen, darunter die Beschriftungen 'Sporthalle', 'Schule', 'Hauptstraße' und 'Bergweg'
Lageplan
© Thoma. Lay. Buchler Architekten
Schwarz-weiße Schnittzeichnung eines mehrstöckigen Gebäudes mit Innenräumen, Treppen und Außenbereich mit Baum
Schnitt
© Thoma. Lay. Buchler Architekten
Schwarz-weiße Linienzeichnung eines Grundrisses mit mehreren rechteckigen Räumen und angrenzenden Außenbereichen mit Bäumen
Grundriss Erdgeschoss
© Thoma. Lay. Buchler Architekten

Ein Geschoss wird freigelegt

Besonders prägnant wird das Freilegen am unteren Geschoss des großen Schulhauses. Entlang einer Längsseite wurde das Gelände bis auf das Niveau der Räume abgesenkt. Der neu entstandene Tiefhof ist ein Kunstgriff mit mehrfacher Wirkung: Er bringt mehr Tageslicht in das Souterrain, öffnet die Räume zum Außenraum, verbessert die Fluchtwegsituation und schafft einen zusätzlichen Aufenthaltsbereich für die Schule. Zugleich konnten die Feuchteprobleme der zuvor erdberührten Außenwand behoben werden.

Die Innenräume folgen einer bewusst zurückhaltenden Farbgestaltung, die den Kindern und dem Schulalltag die Bühne überlässt. Holzschalenstühle, helle Tischflächen sowie zurückhaltende Schrank- und Regalelemente bilden den Hintergrund für das tägliche Miteinander. Vorhandene Einbauten wurden dort weitergenutzt, wo sie sich bewährt hatten. Besondere Aufmerksamkeit galt den Details: In Fluren und Treppenhäusern setzen Kugelleuchten ruhige Akzente und ergänzen die aufgearbeiteten Böden, historischen Türzargen und Handläufe. So entsteht ein selbstverständliches Nebeneinander von Alt und Neu.

Flacher, moderner Schulgebäudekomplex mit großen Fenstern und zwei hohen Schornsteinen neben einem Schulhof mit Basketballfeld und Fahrradständern
Neubau der Sporthalle mit den Abluftrohren der integrierten Quartiersheizzentrale
© Simon Sommer
Heller, moderner Flur mit Betonwänden, Sitzbank an der rechten Wand und zwei laufenden Kindern
Auch im Inneren setzt sich die reduzierte Gestaltung des Neubaus fort.
© Simon Sommer
Kinder spielen mit großen grünen Bällen in einer hellen Turnhalle mit Holzbalkendecke und großen Fenstern
Die neue Halle dient dem Schulsport und wird auch von Vereinen genutzt.
© Simon Sommer
Leerer Umkleideraum mit hellblauen Sitzbänken entlang der Wände, grauem Boden und Betonwand mit schmalem Fenster
Die ruhige Farbgestaltung überlässt auch in den Umkleiden den Kindern die Bühne.
© Simon Sommer

Neubau als Gegenüber

Die frühere Turnhalle war baulich so stark geschädigt, dass sie aus statischen Gründen gesperrt und schließlich durch einen Neubau ersetzt wurde. Ganz verschwunden ist sie dennoch nicht: Garderobenelemente aus der alten Halle wurden zu neuen Sitzmöglichkeiten für die Kinder umgebaut. So bleibt eine materielle Spur des Vorgängerbaus im Schulalltag präsent und spart zugleich Material und Kosten.

Der Neubau übernimmt die städtebauliche Rolle der früheren Halle und fasst weiterhin den Schulhof. Den Schulhäusern mit ihren regelmäßigen Fensterachsen und geneigten Dächern steht ein kompakter, eingeschossiger Baukörper mit ruhiger, reduzierter Form gegenüber. Ein horizontales Fensterband verstärkt die klare Gliederung der Halle. Die Fassade aus Klinkerriemchen setzt sich bewusst von den verputzten Nachbarn ab. Im Inneren prägt das sichtbare Holztragwerk den Raum, ein begrüntes Flachdach bildet den Abschluss. In ihrer Zurückhaltung bildet die Sporthalle einen präzisen Kontrast zum denkmalgeschützten Bestand und stärkt zugleich dessen Präsenz.

Interessanter als die formale Abgrenzung ist jedoch die Rolle, die der Neubau im Quartier übernimmt. Wie ihre Vorgängerin wird die Halle nicht nur für den Schulsport genutzt, sondern auch von Vereinen. Während des Planungsprozesses kam mit der Quartiersheizzentrale eine weitere öffentliche Funktion hinzu. Betrieben von Stadtenergie Lörrach, soll sie neben der Schule auch umliegende Gebäude mit regenerativ erzeugter Wärme versorgen. Holzpellets dienen der Wärmeversorgung, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach ergänzt das Energiekonzept.

Damit reicht die Bedeutung des Schulstandorts über das eigene Grundstück hinaus. Tagsüber nutzen Kinder die Halle, später Vereine; zugleich wird das Gebäude Teil der technischen Infrastruktur des Stadtteils. Sport, Energie und Gemeinschaft überlagern sich in einem einzigen Baustein – und machen die neue Sporthalle zur Schnittstelle zwischen Schule und Quartier. 

Projektdaten

Fridolinschule Lörrach

Ort: Lörrach-Stetten  
Bauherr: Stadt Lörrach 
Architektur: THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN 
Tragwerksplanung: IG Flösser 
Fertigstellung: 2025 
BGF: Schulgebäude 2.760 qm 
Sporthalle 1.030 qm

"Porträtfoto einer Frau mit schulterlangen, hellbraunen Haaren. Sie trägt einen schwarzen Blazer über einem schwarzen Shirt und blickt selbstbewusst in die Kamera. Die Hände befinden sich in den Hosentaschen. Der Hintergrund ist weiß."
© Inga Sommer

Claudia Tiesler

Architektin, Architektur Media Managerin

Claudia Tiesler ist Architektin, Architektur Media Managerin und seit rund 20 Jahren in der Architekturkommunikation tätig. Zwölf Jahre arbeitete sie in der Kommunikationsabteilung von gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, zuletzt fünf Jahre als Leiterin für Presse und Social Media. Mit Studio Quiet Loud unterstützt sie seit 2022 Architekturbüros dabei, Projekte, Haltung und Expertise klar zu vermitteln und in die richtigen Öffentlichkeiten zu bringen. Sie verbindet architektonisches Verständnis mit PR, strategischer Kommunikation und Medienarbeit. Mit Archibird entwickelte sie einen digitalen PR-Service, der kleinen und mittleren Architekturbüros professionelle Pressearbeit im Zeitalter der KI zugänglich macht. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

„Das gute Beispiel reißt mit!“

AKNW und DGNB luden nach Bonn zum Forum Nachhaltige Architektur. DGNB-Präsident Amandus Samsøe Sattler zu den Zielen der Fachtagung.

Nachhaltigkeit Nordrhein-Westfalen
24.03.2026

Architekten, die bisweilen vom Bauen abraten

Studiobesuch: Das klingt wie eine Provokation, für Staubach + Partner gehört es zum professionellen Selbstverständnis.

Büropraxis Hessen
01.04.2026
 Ausstellungstisch mit beschrifteten Tafeln und Materialproben: Ziegelstein, massiver Holzblock, Kachel‑ und Textilproben sowie ein Metallbeschlag; hinten Gläser mit Erdproben.

Circle – Hub für Urban Mining

Dass der Idee der Kreislaufwirtschaft im Baubereich die Zukunft gehört, besser gesagt, gehören sollte, dürfte bei den meisten Beteiligten common sense sein. Nicht das „Dass“, sondern das „Wie“ der Umsetzung ist die oft noch ungelöste Aufgabe.

Nachhaltigkeit Bundesweit
25.02.2026
Mann mit dunklem Hemd und beiger Hose steht vor einer Glasfront mit Blick auf Garten und Bäume.
Geschwungene Holzstruktur mit parallelen Linien, die eine organische, fließende Form bilden.
Freitreppe mit grasbedeckten Seitenflächen vor einem modernen, geschwungenen Gebäude mit weißer Fassade und dunklem Unterbau.
Blick über eine große, gepflasterte Fläche auf ein modernes Gebäude mit schrägen Stützen und Glasfassade, im Hintergrund Stadtgebäude und Bäume.

Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen

Entdecken Sie die Welt der Architektur – 
jetzt im exklusiven DAB Update!

Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben. Bestätigung der Datenschutzerklärung ist erforderlich.