Freibad Biberach kehrt zur klaren Geometrie zurück
Freiformen raus, Rechtecke rein – und eine Photovoltaik-Anlage, die im Winter das Hallenbad mitversorgt: Das Freibad Biberach von asp Architekten denkt den Bestand neu.
Unser Entwurf verbindet prägende Elemente des historischen Bades – die kompakte, rechteckige Beckenanordnung und die großzügigen Liegewiesen – mit einem nachhaltigen Gesamtkonzept.
asp Architekten
asp Architekten verfolgten das Ziel, das Freibad näher an das bestehende Hallenbad zu rücken und damit das Kombibad weiterzuentwickeln und zu stärken. Zentraler Aspekt der Neuordnung der 8.700 qm großen Anlage ist ein lang gestreckter Holzpavillon als klar gesetztes bauliches Rückgrat. Er funktioniert als Erschließungsachse und räumliche Klammer, an die alle Funktionen vom Eingang über Umkleiden bis zu Aufenthaltsbereichen angebunden sind. Gleichzeitig greifen die Architekten zentrale Motive des ehemaligen Freibads aus den 1960er-Jahren wieder auf. Die Becken folgen nun wieder der einstigen rechteckigen Geometrie und ersetzen damit Freiformen aus den 1990er-Jahren. Die Rückbesinnung macht die ursprüngliche räumliche Idee wieder lesbar und verleiht der Anlage eine klare Struktur. Die großzügigen Liegewiesen und der Baumbestand bleiben bestimmend.
Die baulichen Anlagen wurden in eine baumbestandene Liegewiese eingebettet und fügen sich selbstverständlich in die Landschaft ein. Anstelle der vorherigen Freiform orientieren sich die beiden neuen Becken an der historischen, rechteckigen Form.
asp Architekten
Holzpavillon als räumliches Rückgrat
Der neue Pavillon bildet funktional und atmosphärisch das Herzstück der Freizeitanlage. Der offene Holzbau mit durchlaufendem Säulengang bündelt alle zudienenden Nutzungen unter einem gemeinsamen Dach und schafft zugleich Übergänge zwischen Innen- und Außenraum. In Materialität und Konstruktion setzt der Neubau auf nachhaltige und ressourcenbewusste Lösungen: Konstruktiv ist er als einfache Stützen-Träger-Struktur ausgebildet. Douglasienholz wurde für die tragenden Elemente eingesetzt, für Fassaden und Trennwände kam Lärchenholz zur Anwendung. Alle Hölzer stammen aus regionalem Anbau. Der bewusste Umgang mit Ressourcen zeigt sich auch mit dem Vorhandenen: Bestehende Bauteile wurden, wenn möglich, nicht entsorgt, sondern in Teilen rückgebaut und wiederverwendet. So fand etwa das Material eines Edelstahlbeckens an anderer Stelle erneut Verwendung.
Energieautarker Betrieb durch Photovoltaik und Solarabsorber
Parallel zu den räumlichen Eingriffen wurde die Anlage selbstverständlich auch technisch auf einen zeitgemäßen Stand gebracht. Sie ist so konzipiert, dass sie im Betrieb möglichst wenig externe Energie benötigt. Eine Photovoltaik-Freiflächenanlage mit rund 160 kWp deckt in den Sommermonaten einen Großteil des Strombedarfs und unterstützt im Winter das benachbarte Hallenbad. Die Erwärmung des Beckenwassers erfolgt über Solarabsorber auf den Dachflächen. Auch die Wasserbewirtschaftung ist Teil des Konzepts, Brunnenwasser wird aufbereitet und für den Badebetrieb genutzt. Ergänzend wurde eine Retentionsmulde angelegt, um Regenwasser zurückzuhalten und kontrolliert abzuleiten. Alle Maßnahmen reduzieren den laufenden Energie- und Ressourcenbedarf und tragen dazu bei, die Anlage langfristig wirtschaftlich zu betreiben.
Ersatzneubau als Fortschreibung des Bestands
Das Freibad in Biberach ist trotz Neubau kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern eine präzise Fortschreibung. Die Neuordnung des Areals, die Rückbesinnung auf ursprüngliche Raumfiguren und der bewusste Umgang mit Materialien zeigen, wie sich ein bestehender Ort transformieren lässt, ohne seine Identität zu verlieren. Die großzügigen Liegewiesen und der vorhandene Baumbestand bleiben zentrale Elemente der Anlage. Die neuen Baukörper fügen sich zurückhaltend in diese Struktur ein und definieren Räume, ohne sie zu dominieren. Aufenthaltsbereiche, Wege und Vorzonen werden neu gestaltet, stärken jedoch vor allem das, was bereits da ist.
Ersatzneubau Freibad Biberach
Ersatzneubau Freibad Biberach
Ort: Biberach an der Riß
Bauherr: Stadtwerke Biberach
Architektur: asp Architekten GmbH
Landschaftsarchitektur: gla gessweinlandschaftsarchitekten
Fachplanende: Wenzel + Wenzel; wh-p GmbH Beratende Ingenieure, Möller + Meyer GmbH Gotha, Geyer & Fels Ingenieurbüro; EGS-plan; Corall Ingenieure GmbH
Fertigstellung: ursprünglich 1960er-Jahre, Ersatzneubau 2025
Nutzfläche: Freizeitanlage auf 8.700 qm
Fläche Freizeitbecken: 887 qm
Fläche Schwimmerbecken: 363 qm
Besonderheit: 70 m lange Racer-Rutsche mit drei Bahnen und digitaler Zeitmessung
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