Deutsches Architektenblatt Logodab-logo
Finden Sie genau die Themen,
die Sie interessieren

Die beliebtesten Themen:

Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

Freibad Biberach kehrt zur klaren Geometrie zurück

Freiformen raus, Rechtecke rein – und eine Photovoltaik-Anlage, die im Winter das Hallenbad mitversorgt: Das Freibad Biberach von asp Architekten denkt den Bestand neu.

Bettina Sigmund
12.06.2026 4min
Holzbau Bestand Baden-Württemberg
Modernes Freibad mit türkisblauem Becken im Vordergrund. Flaches, weiß-beiges Gebäude mit vertikalen Lamellen und weißen Stützen am Beckenrand. Links gelbe Liegestühle auf grünem Rasen. Im Hintergrund dichter grüner Laubwald unter grauem, bewölktem Himmel.
Mit dem Ersatzneubau des Freibads in Biberach an der Riß ordnen asp Architekten eine Anlage aus den 1960er-Jahren neu, ohne ihre charakteristischen Merkmale aufzugeben. © Zooey Braun

Unser Entwurf verbindet prägende Elemente des historischen Bades – die kompakte, rechteckige Beckenanordnung und die großzügigen Liegewiesen – mit einem nachhaltigen Gesamtkonzept.

asp Architekten

asp Architekten verfolgten das Ziel, das Freibad näher an das bestehende Hallenbad zu rücken und damit das Kombibad weiterzuentwickeln und zu stärken. Zentraler Aspekt der Neuordnung der 8.700 qm großen Anlage ist ein lang gestreckter Holzpavillon als klar gesetztes bauliches Rückgrat. Er funktioniert als Erschließungsachse und räumliche Klammer, an die alle Funktionen vom Eingang über Umkleiden bis zu Aufenthaltsbereichen angebunden sind. Gleichzeitig greifen die Architekten zentrale Motive des ehemaligen Freibads aus den 1960er-Jahren wieder auf. Die Becken folgen nun wieder der einstigen rechteckigen Geometrie und ersetzen damit Freiformen aus den 1990er-Jahren. Die Rückbesinnung macht die ursprüngliche räumliche Idee wieder lesbar und verleiht der Anlage eine klare Struktur. Die großzügigen Liegewiesen und der Baumbestand bleiben bestimmend. 

Linkes Bild: "Seitenansicht des Freibades mit Fokus auf das türkisblauem Becken. Metallgeländer mit horizontalen Rohren spiegelt sich im Wasser. Dahinter beige Lamellenwand und weiße Betonstützen des minimalistischen Gebäudes."  Rechtes Bild: "Perspektivische Seitenansicht des Freibades unter klarem blauem Himmel. Gelbe Liegestühle auf beiger Betonplattform links. Türkisblauer Pool mit Metallleiter im Vordergrund, rotes Abgrenzungsseil sichtbar. Modernes flaches Gebäude mit offener Konstruktion."
Das 2023 begonnene und 2025 fertiggestellte Projekt ersetzt eine überalterte Struktur, knüpft jedoch bewusst an die räumliche Logik und Atmosphäre des ursprünglichen Freibads aus den 1960er-Jahren an. © Zooey Braun
"Modernes Freibad fotografiert von der Liegewiese aus. Im Vordergrund eine lange Reihe gelber Liegestühle auf beiger Betonplattform. Zentral steht ein großer, zusammengefalteter orangefarbener Sonnenschirm auf dunklem Ständer. Dahinter erstreckt sich ein weiß-beiges Flachdachgebäude mit offener Konstruktion und beigen Lamellenwänden. Auf der rechten Seite ist ein türkisblauer Pool mit Metallleiter, rotem Abgrenzungsseil und weiteren orangefarbenen Schirmen sichtbar. Links und rechts grüne Vegetation und Bäume. Der Himmel ist bewölkt und grau, mit Wolkenformationen im oberen Bildbereich."
Das 2023 begonnene und 2025 fertiggestellte Projekt ersetzt eine überalterte Struktur, knüpft jedoch bewusst an die räumliche Logik und Atmosphäre des ursprünglichen Freibads aus den 1960er-Jahren an. © Zooey Braun

Die baulichen Anlagen wurden in eine baumbestandene Liegewiese eingebettet und fügen sich selbstverständlich in die Landschaft ein. Anstelle der vorherigen Freiform orientieren sich die beiden neuen Becken an der historischen, rechteckigen Form.

asp Architekten

Linkes Bild: "Nahaufnahme des türkisblauem Poolwassers mit sichtbaren Oberflächenstrukturen. Darüber horizontale Metallgeländer-Rohre und Spiegelungen der beigen Gebäudewand mit weißen Betonstützen."  Rechtes Bild: "Großzügiger, offener Hallenbadbereich mit heller Holzdecke und vier weiße Betonstützen. Breite verglaste Öffnung mit Blick auf Außenpool, grüne Bäume und Metallgeländer. Heller, strukturierter Betonboden. Modernes minimalistisches Raumkonzept."
Ein wesentlicher Bestandteil des nachhaltigen Konzepts ist die nahezu autarke Energieversorgung des Freibads. © Zooey Braun

Holzpavillon als räumliches Rückgrat

Der neue Pavillon bildet funktional und atmosphärisch das Herzstück der Freizeitanlage. Der offene Holzbau mit durchlaufendem Säulengang bündelt alle zudienenden Nutzungen unter einem gemeinsamen Dach und schafft zugleich Übergänge zwischen Innen- und Außenraum. In Materialität und Konstruktion setzt der Neubau auf nachhaltige und ressourcenbewusste Lösungen: Konstruktiv ist er als einfache Stützen-Träger-Struktur ausgebildet. Douglasienholz wurde für die tragenden Elemente eingesetzt, für Fassaden und Trennwände kam Lärchenholz zur Anwendung. Alle Hölzer stammen aus regionalem Anbau. Der bewusste Umgang mit Ressourcen zeigt sich auch mit dem Vorhandenen: Bestehende Bauteile wurden, wenn möglich, nicht entsorgt, sondern in Teilen rückgebaut und wiederverwendet. So fand etwa das Material eines Edelstahlbeckens an anderer Stelle erneut Verwendung.  

ANZEIGE
ANZEIGE

Energieautarker Betrieb durch Photovoltaik und Solarabsorber

Parallel zu den räumlichen Eingriffen wurde die Anlage selbstverständlich auch technisch auf einen zeitgemäßen Stand gebracht. Sie ist so konzipiert, dass sie im Betrieb möglichst wenig externe Energie benötigt. Eine Photovoltaik-Freiflächenanlage mit rund 160 kWp deckt in den Sommermonaten einen Großteil des Strombedarfs und unterstützt im Winter das benachbarte Hallenbad. Die Erwärmung des Beckenwassers erfolgt über Solarabsorber auf den Dachflächen. Auch die Wasserbewirtschaftung ist Teil des Konzepts, Brunnenwasser wird aufbereitet und für den Badebetrieb genutzt. Ergänzend wurde eine Retentionsmulde angelegt, um Regenwasser zurückzuhalten und kontrolliert abzuleiten. Alle Maßnahmen reduzieren den laufenden Energie- und Ressourcenbedarf und tragen dazu bei, die Anlage langfristig wirtschaftlich zu betreiben. 

Ersatzneubau als Fortschreibung des Bestands

Das Freibad in Biberach ist trotz Neubau kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern eine präzise Fortschreibung. Die Neuordnung des Areals, die Rückbesinnung auf ursprüngliche Raumfiguren und der bewusste Umgang mit Materialien zeigen, wie sich ein bestehender Ort transformieren lässt, ohne seine Identität zu verlieren. Die großzügigen Liegewiesen und der vorhandene Baumbestand bleiben zentrale Elemente der Anlage. Die neuen Baukörper fügen sich zurückhaltend in diese Struktur ein und definieren Räume, ohne sie zu dominieren. Aufenthaltsbereiche, Wege und Vorzonen werden neu gestaltet, stärken jedoch vor allem das, was bereits da ist. 

Ersatzneubau Freibad Biberach

Ort: Biberach an der Riß
Bauherr: Stadtwerke Biberach
Architektur: asp Architekten GmbH
Landschaftsarchitektur: gla gessweinlandschaftsarchitekten
Fachplanende: Wenzel + Wenzel; wh-p GmbH Beratende Ingenieure, Möller + Meyer GmbH Gotha, Geyer & Fels Ingenieurbüro; EGS-plan; Corall Ingenieure GmbH  
Fertigstellung: ursprünglich 1960er-Jahre, Ersatzneubau 2025
Nutzfläche: Freizeitanlage auf 8.700 qm 
Fläche Freizeitbecken: 887 qm
Fläche Schwimmerbecken: 363 qm
Besonderheit: 70 m lange Racer-Rutsche mit drei Bahnen und digitaler Zeitmessung

Bettina Sigmund

Spezialistin für Architekturkommunikation München

Sie ist Inhaberin von „aboutarchitecture“ und Partnerin der „ARGE Kommunikation“. Ihre Tätigkeit umfasst Redaktion, PR und strategische Beratung für alle Akteure der Baubranche.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

Architekten, die bisweilen vom Bauen abraten

Studiobesuch: Das klingt wie eine Provokation, für Staubach + Partner gehört es zum professionellen Selbstverständnis.

Büropraxis Hessen
01.04.2026

Bildungs- und Sportcampus Bürstadt

Holz, Lowtech, Kreislauf: Das Bildungszentrum in Bürstadt setzt auf recycelten Beton, Brettsperrholz und passive Strategien – klimaneutral über den gesamten Lebenszyklus.

Projekte Hessen
27.03.2026
Rundes Parkhaus aus Holz mit offener Fassadenstruktur und transluzenter Hülle, umgeben von Grünfläche.

Parkhaus mit Zukunft

In Wendlingen am Neckar haben Herrmann+Bosch Architekten ein Parkhaus aus Holz geplant, das sortenrein trenn- und rückbaubar ist. Außerdem kann der Bau in ein Büro- oder Wohngebäude verwandelt werden.

Projekte Bundesweit
22.12.2025
Mann mit dunklem Hemd und beiger Hose steht vor einer Glasfront mit Blick auf Garten und Bäume.
Geschwungene Holzstruktur mit parallelen Linien, die eine organische, fließende Form bilden.
Freitreppe mit grasbedeckten Seitenflächen vor einem modernen, geschwungenen Gebäude mit weißer Fassade und dunklem Unterbau.
Blick über eine große, gepflasterte Fläche auf ein modernes Gebäude mit schrägen Stützen und Glasfassade, im Hintergrund Stadtgebäude und Bäume.

Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen

Entdecken Sie die Welt der Architektur – 
jetzt im exklusiven DAB Update!

Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben. Bestätigung der Datenschutzerklärung ist erforderlich.