Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur: Das sind die Nominierten
DGNB-Preis: Neun nominierte Projekte zeigen die Bandbreite, wie nachhaltige Architektur aussehen kann. Dabei handelt es sich unter anderem um einen Kindergarten, aber auch um ganze Wohnprojekte. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur kürt das Projekt mit dem gelungensten Zusammenspiel aus Architekturqualität und Nachhaltigkeit.
Stichwort Nachhaltigkeit: Der Nachhaltigkeitsansatz der DGNB basiert auf drei Säulen. Zum einen spielt Ökonomie eine wichtige Rolle, sprich: Wie wirtschaftlich sind Gebäude geplant, gebaut und betrieben und lassen sie sich gegebenenfalls flexibel umbauen? Außerdem geht es darum, dass eine ressourcen- und umweltschonende Bauweise mitgedacht wurde. Unter einer klimafreundlichen Bauweise versteht die DGNB einen geringen CO2-Fußabdruck, und das, indem Schad- und Risikostoffe vermieden werden. Die dritte Säule steht für den Menschen. Gebäude erfüllen dann den Nachhaltigkeitsansatz der DGNB, wenn sie das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen in den Mittelpunkt stellen. Neben diesen drei Säulen gibt es noch mehrere Aspekte, die bei jedem Bau geprüft werden. Beispiele sind Standortfaktoren und die Recyclingfähigkeit der verbauten Materialien.
Die nominierten Projekte für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur entsprechen alle in verschiedensten Ausprägungen dem definierten Nachhaltigkeitsansatz. Aber wie sieht das im Einzelnen aus? Und wie können sich Nachhaltigkeit und Architekturqualität vielleicht sogar verstärken?
Lernen und Leben: Öffentliche Bauten
Öffentliche Bauten stehen ganz natürlich im Fokus der öffentlichen Beobachtung. Ein Beispiel dafür ist die Josef-Schwarz-Schule von Behnisch Architekten in Heilbronn. Die Schule wird dem Nachhaltigkeitskonzept der DGNB durch ihre verbauten Materialien gerecht: Lärchenholz, Ton und auch die integrierte Keramik sind recycelbar und stammen aus Mitteleuropa. Außerdem ist die Schule in einer Holz-Stahl-Hybridbauweise errichtet worden. Die Jury lobt die zukunftsweisende Lösung im Umgang mit dem dichten innerstädtischen Standort. Grund dafür sind die angrenzenden Eisenbahnlinien, auf die die Josef-Schwarz-Schule aktiv architektonisch reagiert. Mit Elementen wie Plateaus, Dachpavillons und Erholungsgebieten entsteht ein geschützter Raum trotz der Standortfaktoren.
Auch im Moabiter Kinderhof von Kersten Kopp Architekten in Berlin ist Holz Teil des Konzepts. Bei diesem Kinder- und Jugendtreff werden unterschiedlich hohe und versetzte Holzkuben in den Baubestand eingefügt und Loggien vermitteln ein Gefühl von Offenheit. Die Jury beschreibt den Kinderhof als Vorzeigeprojekt sozialer Teilhabe. Ob Stelzen laufen oder Fangen spielen: Das Objekt bietet durch seine großzügigen Flächen vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Neben den Kindern und Jugendlichen des Kinderhofes können die Innen- und Außenräume auch von Gruppen aus der Nachbarschaft genutzt werden.
Das dritte nominierte Projekt ist der Neubau der Feuerwache Kaiserswerth in Düsseldorf. Der Bestandsbau aus dem Jahr 1957 entsprach mit der Zeit nicht mehr den Nachhaltigkeitsstandards und wurde einmal komplett umgebaut. Die Feuerwache, saniert von Buddenberg Tauchmann Architekten Düsseldorf, zeichnet sich jetzt durch regional wiederverwendete Klinker und eine Holz-Hybridbauweise aus. Der Standort ist durch ein Landschaftsschutzgebiet, den Denkmalbereich Kaiserswerth und eine Deichschutzzone geprägt. Die Feuerwache fügt sich damit in einen sensiblen landschaftlichen Kontext in Kaiserswerth ein.
Gebäudetechnik minimiert
Drei weitere nominierte Projekte zeichnen sich durch ihre Lowtech-Konzepte aus. Hierbei handelt es sich um ein Prinzip, das fehleranfällige und wartungsintensive Gebäudetechnik auf ein Minimum reduziert und stattdessen auf natürliche Lösungen setzt.
Beim Bürogebäude ZERO in Stuttgart finden sich 300 vorgefertigte Raummodule in einem ressourcenschonenden Gebäudekonzept wieder. Das Architekturbüro RIEHLE KOETH hat einen Skelettbau aus Holz für das Erdgeschoss geschaffen. Regelgeschosse ergänzen das Konstrukt. Stahlbeton findet sich nur an konstruktiv notwendigen Stellen. Außerdem wurde ein Lowtech-Komfort- und Lüftungskonzept mitgedacht. Das ermöglicht den CO2-Verbrauch und schafft einen ressourcenschonenden Gebäudebetrieb. Außerdem macht das Bürokonzept maximierte Tageslichtversorgung und weitestgehend natürliche Belüftung möglich.
Das Verwalterinnenhaus in der Komturei Werben kombiniert Denkmalschutz mit Architekturqualität. Der Bestand wurde durch das Architekturbüro AADA, AFEA, ammi, patrick holzer, undjurekbrüggen behutsam und wirtschaftlich weiterentwickelt. Bei der Sanierung wurde ein effizienter Lowtech-Ansatz mitgedacht, der die thermische Masse des bestehenden Mauerwerks und die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften des Lehmputzes nutzt. Außerdem wurde auf traditionelle Handwerkstechniken und lokale Betriebe gesetzt. Die Jury des DGNB-Preises lobt die Übersetzung von einem denkmalgeschützten Gebäude in ein Gebäude mit adäquater und nachhaltiger Nutzung.
Auch das Kultur- und Kommunikationszentrum naTo in Leipzig hat eine Transformation hinter sich. Das Ursprungsgebäude wurde umgebaut, wobei zahlreiche verwendete Materialien erhalten blieben, rückgebaut oder neu eingesetzt wurden. Die ehemaligen Innentüren funktionierte das Architekturbüro SUMMACUMFEMMER zu Außentüren um. Durch die Transformation ist der Lebenszyklus verlängert worden und ein zeitgenössisches Konzept entstanden.
Die Wohnbauprojekte unter den Nominierten
Drei weitere Projekte verteilen sich in Bayern und Sachsen und werden als Wohnungsbauten genutzt. Eins davon ist das gemeinschaftlich getragene Wohnprojekt K10 in Leipzig. Die Federführung hatte hier das Architekturbüro ASUNA – atelier für strategische und nachhaltige architektur – Dirk Stenzel. Das Wohnprojekt wurde in einer ressourcenschonenden Holzbauweise errichtet. Kreislaufgerechte Materialien und eine langlebige Bauweise minimieren den Energie- und Wartungsaufwand. Beispiele dafür sind die recycelten Schalungsplatten oder die Regenwassernutzungsanlage. Letztere dient beispielsweise der WC-Spülung. Die Kombination aus dem ökologischen Konzept und dem geschaffenen bezahlbaren Wohnraum machen das Projekt für die DGNB-Jury besonders stark.
Unter dem Namen „Haus fast ohne Heizung“ vereinen sich in Ingolstadt 15 Wohneinheiten mit vier unterschiedlichen Wohnungsgrößen von zwei bis fünf Zimmern. Alle bieten klimagerechten und bezahlbaren Wohnraum. Das Gebäude der Architekten nbundm* neuburger, bohnert und müller Architekten BDA und Stadtplaner Partnerschaft mbB ermöglicht damit vielfältige Wohnkonzepte in verschiedenen Lebensphasen. Tiefe Fensterleibungen und die Überdachung der Balkone reduzieren die direkte Sonneneinstrahlung. Gleichzeitig dient die massive Gebäudehülle als Dämm- und Speichermasse. Die Jury würdigt die Kombination aus architektonischer Qualität, bezahlbarem Wohnraum und klimagerechter Bauweise.
Der Gelbe Block hat seinen Ursprung 1927 und wurde kürzlich energetisch saniert und aufgestockt. So entstanden 45 neue Obergeschosswohnungen. Sie ergänzen die 169 bereits bestehenden Wohnungen. So konnten Grundstückskosten gespart und damit günstige Mieten gewährleistet werden. Das Büro zillerplus Architekten und Stadtplaner GmbH ist für dieses Projekt verantwortlich. Außerdem wurde das gesamte Quartier ökologisch aufgerüstet. Es wurden Selbstbaubeete, Kinderspielzonen und ein Nachbarschaftstreffpunkt errichtet. Mit all den vorangegangenen Einzelheiten stellt das Projekt für die Jury bereits jetzt ein herausragendes Projekt für nachhaltiges Bauen und weiterdenkende Umbaukultur dar.
Stimmen aus den Kammern zum DGNB-Preis
Stimmen aus den Kammern zum DGNB-Preis
„Nachhaltigkeit ist anstrengend, weil sie uns abverlangt, weiter als bis zur nächsten Ecke zu denken. Die Übersetzung mit ‚dauerhaft sinnvoll‘ macht deutlich, dass es dabei um weit mehr als Klima- und Ressourcenschutz geht. Weil sich die soziale Dimension der Nachhaltigkeit nicht allein im einzelnen Bauwerk manifestiert, beschäftigt sich die AKBW intensiv mit den Fragen des bezahlbaren Wohnens und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Nur wenn wir ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte zusammendenken, schaffen wir eine gebaute Umwelt mit Zukunft.“
Markus Müller, Präsident Architektenkammer BW
„Für die Bauwende müssen wir die Kultur des Weiterbauens wiederentdecken: Bestehendes weiterentwickeln, vorhandene Ressourcen nutzen und technische Lösungen auf das sinnvolle Maß begrenzen. Das bedeutet keine Abstriche bei der gestalterischen Qualität, im Gegenteil. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur macht sichtbar, wie überzeugend dieser Anspruch bereits heute eingelöst werden kann.“
Gerhard Greiner, Präsident der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen
„Wer Klima durch vernünftiges Planen und Bauen schützen will und den Ressourcenschutz als Megatrend begreift, braucht Gleichgesinnte – die trifft man im Forum Nachhaltige Architektur.“
Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer NRW
Über den Preis
Über den Preis
Mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur werden Gebäude in Deutschland gekürt, die Architekturqualität und Nachhaltigkeit vereinen. Die Jury bewertet die Gebäude dabei nach drei Kriterien:
Ressourcenschonung, Energieeffizienz, langfristige Wirtschaftlichkeit und soziale Qualität
Innovationskraft: zukunftsweisende und transformative Lösungsansätze
Gestalterische Qualität (ästhetischer Anspruch und architektonische Qualität)
Vergeben wird der Preis durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und die Stiftung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.
Dieses Jahr findet die Preisverleihung am 21. Oktober erstmals in Mannheim beim Forum für Nachhaltige Architektur statt. Partner sind die Architektenkammern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, genauso wie die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen. Ergänzend wird der Gewinner des DGNB-Preises bei der Verleihung des 19. Deutschen Nachhaltigkeitspreises in Düsseldorf präsentiert.
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