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Wenn Technik plötzlich gegen Architektur arbeitet

Nachwuchs-Kolumne: Nicht jedes perfekte Detail macht ein gutes Gebäude. Manchmal passiert sogar das Gegenteil. Warum Einzeloptimierung im Bauprozess zur eigentlichen Gefahr für die Architektur wird.

Fabian P. Dahinten
08.07.2026 3min
© Moment RF/Getty Images

Die Decke ist eigentlich schon entschieden: eine sichtbare Rohdecke, darunter Heiz- und Kühlsegel. Die Technik läuft offen, aber ruhig geordnet. Ein Raum, der seine Konstruktion zeigt, ohne technisch zu wirken. Dann kommt aus der technischen Planung ein neuer Vorschlag: Die WLAN-Accesspoints sollen unter die Segel, da die Ausstrahlung dort am besten sei. Plötzlich hängen mehrere Geräte mitten im Raum, über die Fläche verteilt. Genau dort, wo die Decke ruhig bleiben sollte. Technisch einleuchtend. Architektonisch jedoch falsch. Es folgt eine Diskussion, die länger dauert als erwartet. Es gibt Abstimmungen und Rückfragen, schließlich wird ein Gutachten mit Testausleuchtung erstellt.  

Die zentrale Frage ist, ob das WLAN auch funktioniert, wenn die Accesspoints oberhalb der Segel an der Rohdecke sitzen. Einige Wochen später liegt das Ergebnis vor. Ja, es funktioniert. Die Leistung ist durch die Abschirmung der Segel zwar leicht gemindert, aber immer noch ausreichend. Außerdem lassen sich die Geräte an der Rohdecke freier positionieren. Der Raum wirkt ruhig. 

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Mehr als die Summe der Teile 

Die Entscheidung wirkt nebensächlich. Im Projekt war sie es jedoch nicht. Mehrere Wochen, viele Gespräche, ein Gutachten – für etwas, das niemand sehen wird. In solchen Momenten denke ich oft an einen Satz des Organisationsforschers Russell L. Ackoff: „Wenn die Teile eines Systems einzeln so effizient wie möglich gemacht werden, wird das System als Ganzes nicht so effizient wie möglich funktionieren.“ 

Dieser Gedanke beschreibt vieles, was im Bauprozess passiert. Jedes einzelne System wird für sich optimiert: Lüftung, Akustik, Energieversorgung, Brandschutz, digitale Infrastruktur. Für jedes Thema gibt es Fachplaner, Berechnungen und klare Leistungswerte. Das Problem entsteht jedoch, wenn alle diese Systeme gleichzeitig perfekt sein sollen. Denn Architektur gelingt nicht durch Einzeloptimierungen, sondern durch ihr Zusammenspiel. Während sich die Reichweite eines WLAN-Signals berechnen lässt, ist die Wirkung eines Raums kaum vorhersehbar.  

In Entscheidungsrunden haben Zahlen deshalb ein größeres Gewicht als die räumliche Qualität. Was messbar ist, wirkt überzeugender als das, was sich nur beschreiben lässt. So verändert sich ein Gebäude manchmal Stück für Stück. Ein Sensor wird ergänzt, ein Lautsprecher kommt hinzu, ein Router wird an der Decke installiert. Jede einzelne Entscheidung ist nachvollziehbar. Erst im Zusammenspiel verändert sich der Raum.  

Als Architekt steht man dabei zwischen zwei Logiken: den technischen Leistungswerten auf der einen und der räumlichen Qualität auf der anderen Seite. Ein großer Teil der Arbeit besteht deshalb nicht nur im Entwerfen, sondern auch im Erklären und Verteidigen von Entscheidungen. Manchmal steckt erstaunlich viel Zeit in einer Lösung, die später kaum jemand bewusst wahrnimmt. Nicht jedes perfekte Detail macht ein gutes Gebäude aus. Manchmal passiert sogar das Gegenteil. 

© MICHAEL HUDLER

Fabian P. Dahinten

Architekt

Fabian P. Dahinten schreibt über den Einstieg ins Berufsleben, über Tipps und Tricks, Risiken und Fallstricke. Er ist Architekt und Partner bei Lengfeld & Wilisch Architekten in Darmstadt. Er studierte Architektur an der Hochschule Darmstadt und engagiert sich bei der Nachwuchsorganisation nexture+. Seit 2020 ist er Kolumnist für dabonline.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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