NAT:26: Aufbruch – Positionen – Teamgeist
Halb zehn am KIT in Karlsruhe. Die Architekturfakultät macht sich bereit. Und zwar für den Nachwuchsarchitekt:innentag 2026! Mit seinen strahlend grünen Hinweisschildern zieht der NAT in die für das KIT so typischen, weiß getünchten Flure der Architekturfakultät ein und verwandelt diese in ein Forum für junge Nachwuchsplaner:innen aus der ganzen Republik. Aufgeregte Freude, positive Energie und das eine oder andere Wiedersehen liegen in der Luft – der Geist des NAT ist geweckt.
Zuletzt begeisterte der Nachwuchsarchitekt:innentag 2024 die junge Planer:innenschaft an der Peter Behrens School of Arts (PBSA) in Düsseldorf und brachte Studierende, Absolvent:innen, Junior-Mitglieder und Voll-Mitglieder der Architektenkammern zusammen. Anders als bei den Fachrichtungstagen der Kammern vereint der Nachwuchsarchitekt:innentag nun schon zum dritten Mal alle vier Fachrichtungen und schafft ein gemeinschaftliches Forum für junge Architekt:innen, Innenarchitekt:innen, Landschaftsarchitekt:innen und Stadtplaner:innen. Dieser besondere Geist des NAT ist es, der junge Planer:innen früh morgens antreibt, den Zug Richtung Karlsruhe zu nehmen, um sich mit Kolleg:innen auszutauschen und die brennenden Themen unseres Berufsstandes zu diskutieren. Es ist der Zeitpunkt, an dem der Beruf zur Berufung wird und der Geist des NAT als große Gemeinschaft spürbar wird.
Auch bei der diesjährigen Organisation des NAT:26 wird Gemeinschaft großgeschrieben. Die drei Länderkammern aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland organisieren ihn dieses Mal zusammen mit der Bundesarchitektenkammer (BAK) und nexture+. Der gemeinschaftliche Spirit des NAT zieht mich nun mit seiner Stimmung aus Erwartungen, Ideen und großer Freude bereits zum zweiten Mal in seinen Bann.
Kammerguide
„16 Wege. Ein Ziel. Dein Einstieg.“
Kammerguide
„16 Wege. Ein Ziel. Dein Einstieg.“
Der vom Juniorausschuss gemeinsam mit der BAK und nexture+ erarbeitete Kammerguide bietet einen Überblick über die 16 verschiedenen Möglichkeiten für junge Planer:innen, in die jeweiligen Architektenkammern der Bundesländer aufgenommen zu werden. Aufgrund des föderalen Systems verfügen die einzelnen Kammern über unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen.
Weitere Informationen finden Sie unter: bak.de oder auf dabonline.de
Vom Workshop zur Position
Auch beim diesjährigen NAT soll wieder gemeinsam etwas Großes entwickelt werden. Nach dem gemeinsamen Start im großen Plenum geht es in zehn Themenworkshops weiter. Das Ziel besteht darin, bis zum Ende des NAT ein gemeinsames Positionspapier zu entwickeln und zu verabschieden. Die Themen der Workshops reichen von „Paradigmenwechsel: Welche Planungshaltung braucht es? über „Zwischen BIM und Bauchgefühl“ bis zu „Gemeinsam. Fair. Arbeiten“.
Es geht um „Intersektionalität etablieren“, „Abriss war gestern. Perspektiven für morgen“, „Fach-Egos raus, Perspektiven rein“ und „Studium zwischen Krisen und Chancen – Lernen weiterdenken“.
Weitere Zukunftsthemen der Workshops sind: „Wohnen unbezahlbar. Was Planung leisten kann – und was nicht“, „Partizipation. Mitreden erwünscht – oder?“ und „Relevanz im Realitätscheck: Wen und was vertritt die Kammer?“
Im Workshop 10 zur Relevanz der Architektenkammern darf ich mitwirken. Unter der Leitung von Jana Krippleben, ebenfalls Mitglied im Juniorausschuss der Bundesarchitektenkammer, und Dr. Felix Goldberg, in der Architektenkammer Baden-Württemberg zuständig für nationale und internationale Berufspolitik, habe ich die Möglichkeit, aus meiner Perspektive als Lehrende an der RWTH Aachen über die Wahrnehmung der Kammern an Hochschulen zu sprechen. Lehrende an Hochschulen und Universitäten sind zwar schon besser vertreten als beim letzten NAT, aber dennoch unterrepräsentiert. Ihnen bleibt der Zugang zu den Kammern aufgrund mangelnder Praxisnachweise oft versperrt. Gerade in der Zusammenarbeit mit den Studierenden ist es aus meiner Sicht aber essenziell, Wissen und Informationen über die Kammern zu vermitteln. Im Workshop 10 sind viele Kammervertreter:innen anwesend. Vor und nach der Mittagspause wird intensiv diskutiert und um die bestmöglich formulierte Position gerungen.
In meiner Arbeitsgruppe zur Außendarstellung der Architektenkammern einigten wir uns nach einer intensiven Diskussion über die gesellschaftliche Wahrnehmung unserer Berufsgruppe und unsere Einmischung in hochaktuelle Themen wie Hitzeschutz, Wohnungsnot und Bau-Turbo schließlich auf folgende Position: „Macht die Kammern gesellschaftsrelevant durch überraschende Bündnisse, zukunftsweisende Positionen und maximale Omnipräsenz.“ Wir sind gespannt, wie dringlich unsere Position im anschließenden allgemeinen Votum eingestuft werden wird.
21 Positionen, Forderungen und Selbstverpflichtungen
Kurz vor fünf füllt sich das Plenum wieder und der Höhepunkt des Nachwuchsarchitekt:innentags steht bevor. Das Ergebnis des Votums wird bekannt gegeben und das Positionspapier des NAT:26 mit einem Meer aus grünen, emporgestreckten NAT-Heften verabschiedet. Es ist ein Positionspapier mit 21 Positionen, Forderungen und Selbstverpflichtungen entstanden, das zunächst die fünf, durch Abstimmung ermittelten, dringendsten Forderungen herausstellt:
- „Gebäude sind zu erhalten und weiter zu nutzen. Jeder Abriss bedarf einer Zustimmung nach Prüfung der ökologischen und sozialen Auswirkung!“
- „Macht die Kammern gesellschaftsrelevant durch überraschende Bündnisse, zukunftsweisende Positionen und maximale Omnipräsenz.“
- „Experimentelle Planungsinstrumente erhalten Rückendeckung – Wohnen darf nicht mehr als Spekulationsgegenstand genutzt werden. Wertewandel jetzt!“
- „Wir fordern Standards, auch für Gehaltssituationen, und echtes Mentoring in der Einstiegsphase sowie Kostenübernahme und Freistellung für Fortbildungen.“
- „Die Architektur und Planungsberufe müssen an demokratische Grundwerte gebunden werden und sie in ihrer Praxis fördern.“
Hier geht es zur ausführlichen Abschlusserklärung des NAT:26 mit allen 21 Positionen.
Die Energie und der Gestaltungswille des Nachwuchses beim NAT:26 haben mich inspiriert und darin bestärkt, unser Berufsfeld gemeinsam mutig weiterzuentwickeln.
Jana Krippleben
BAK JuniorausschussNAT:26 – was bleibt?
Doch was nehmen wir vom NAT:26 mit – abgesehen vom großen Positionspapier?
Dem kann ich mich nur anschließen – neben der positiven Energie nehme ich eine unglaublich große Motivation mit! Eine Motivation, die den Aufbruch beschreibt: weg von vorhandenen Strukturen, hin zu neuen Wegen im Planen und Bauen, gegen Abriss und für eine nachhaltige Bestandsumnutzung. Eine Motivation, klare Positionen für ein demokratisches Miteinander, gemeinwohlorientierte Räume und gegen Spekulation mit Wohnraum zu beziehen. Und abschließend eine Motivation für Teamgeist, um das Planen und Bauen gemeinsam zu verändern und sich für unseren Berufsstand und faire Bedingungen für junge Planer:innen einzusetzen.
Seien wir gespannt, was sich in den zwei Jahren bis zum nächsten, hoffentlich stattfindenden Nachwuchsarchitekt:innentag verändern wird, und tragen wir den Geist des NAT in unseren Berufsalltag!
Das könnte Sie auch interessieren
Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen
Entdecken Sie die Welt der Architektur –
jetzt im exklusiven DAB Update!