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Unsichtbar gewonnene Energie, sichtbar vernetzt

Eine Online-Plattform vereinfacht die Planung von bauwerkintegrierter Photovoltaik – umfassend unterstützt von der Architektenkammer Baden-Württemberg.

Gabriele Renz
10.03.2026 7min
© Gabriele Renz

Es ist die Vision der „unsichtbaren“ Energiegewinnung: Seit vielen Jahren engagiert sich die Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW) in der Netzwerkinitiative für die Bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV). Zusammen mit der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG), dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) sowie dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) erarbeitete das Netzwerk bislang mehrere Tools mit Mehrwert für Planerinnen und Planer.  

Im ersten Projektabschnitt im Vordergrund stand die Erstellung eines Online-Leitfadens sowie einer digitalen Datenbank. Beide Tools werden seither laufend aktualisiert. Die Herstellerdatenbank verfügt über eine moderne Such- und Filterfunktion, die den Zugang zu relevanten Produkten und Fachinformationen deutlich erleichtert. Auch die Projektdatenbank erhielt kürzlich ein umfangreiches Update; sie bietet jetzt eine noch anwenderfreundlichere Darstellung realisierter BIPV-Projekte. 

Es ist nicht mehr wie vor zehn Jahren, wo die PV vielleicht so aussah: schwarz, klassisch, Aufdachanlage. Wir haben jetzt ein viel größeres Spektrum an Varianten in Größe, Farbe und Form.

Sophie Luz

Referentin der AKBW

Aktuell stellte die BIPV-Initiative eine neue Online-Plattform vor, die es Planung, Handwerk, Industrie, Verwaltung und Wissenschaft ermöglicht, interdisziplinär zu kommunizieren und diesen Austausch auch sichtbar zu machen. Sie gibt einen umfassenden Überblick über bestehende und geplante Aktivitäten im Bereich der gebäudeintegrierten Photovoltaik sowie – systematisch gegliedert – eine Übersicht zentraler Netzwerkpartner in Baden-Württemberg.   

Interview mit der AKBW-Referentin Sophie Luz zur BIPV-Initiative in Baden-Württemberg  

Größer, farbiger: Photovoltaik ist ein zentrales Element der Energiewende, doch Freiflächenanlagen stehen oft in Konkurrenz zu Landwirtschaft und Naturschutz. Eine Alternative bietet die Bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) – insbesondere bei der Nachrüstung im Bestand. Die Referentin Sophie Luz vertritt die AKBW im BIPV-Netzwerk und erklärt im Video-Interview, welche Meilensteine die Initiative schon erreicht hat – Stichwort Materialdatenbank – und wieso BIPV ein Gamechanger werden könnte bei der Gewinnung von Strom an Gebäuden. 

BIPV-Initiative: Interview mit AKBW-Ansprechpartnerin Sophie Luz auf Vimeo 

Als „Leistungsschau der Innovationen“ lobte AKBW-Präsident Markus Müller auf der jüngsten Fachtagung mit rund 400 Teilnehmenden die Plattform. Dr. Michael Münter, Amtschef des baden-württembergischen Umweltministeriums, das das Projekt fördert, betonte die Vorzüge der BIPV: Das Wunderbare daran sei die breite Akzeptanz in der Bevölkerung. Hier liege ein entscheidender Unterschied zu Windrädern oder Freiflächen-PV, wo schnell das NIMBY-Prinzip greife: not in my backyard. Baden-Württemberg, so konstatierte Münter weiter, sei bei der Energiewende „weit voraus“, aber Berlin müsse Planungssicherheit geben: „Der Klimawandel ist da, er interessiert sich nicht dafür, was im Koalitionsvertrag steht!“ Weiterhin merkte er kritisch an, dass der ländliche Raum mit Freiflächen-PV „tapeziert“ werde, obwohl der Energieverbrauch in Stadtregionen entstehe. Dafür brauche es Ausgleichsregularien.  

Der Sprecher der BIPV-Initiative, Professor Dr.-Ing. Thomas Stark vom Bereich für Energieeffizientes Bauen an der HTWG Konstanz, konstatierte: „Die Planungsaufgabe Gebäudeintegrierte Photovoltaik ist aktuell in besonderer Weise interdisziplinär geprägt“. Weiter lobte er: „Mit der BIPV-Initiative BW ist es gelungen, die relevanten Akteure aller Teildisziplinen von der Planung bis zur Realisierung optimal zu vernetzen und gemeinsame Informations- und Austauschformate zu entwickeln.“  

Die Bauwerkintegrierte Photovoltaik habe als Schlüsselthema weiterhin hohen Stellenwert für den Klimaschutz und die Energiezukunft im Gebäudesektor, betont die BIPV-Initiative. In Zeiten, in denen öffentliche Aufmerksamkeit und politische Dynamik für Klimaschutzmaßnahmen schwanken, will die Initiative mit diesem Projekt ein klares Zeichen setzen: „Wir machen weiter – gemeinsam und praxisorientiert.“

Hintergründe zum BIPV-Projekt

Durch solare Aktivierung von Dach- und Fassadenflächen wird die Bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) als sichtbare Technologie zunehmend unsere gebaute Umwelt in der gestalterischen Wahrnehmung beeinflussen. Um dieses Potenzial mit hoher Akzeptanz in der Bevölkerung zu erschließen, muss ein BIPV-Massenmarkt entstehen. Jedoch bestehen noch erhebliche Wissens- und Informationsdefizite, ineffiziente Planungsprozesse, unzureichende rechtliche Regelungen sowie stark limitierte Produktangebote als wesentliche Hemmnisse. Um diese Defizite zu beseitigen und um einen raschen Ausbau der BIPV zu unterstützen, hatte sich 2020 die „BIPV-Initiative Baden-Württemberg“ gegründet. Der Bedarf an solarer Gebäudeflächen allein in Baden-Württemberg wird auf 450 Millionen Quadratmeter PV-Fläche veranschlagt – 70 Quadratmeter pro Gebäude.

Der Schlussbericht der ersten Projektphase BIPV-Netzwerk ist auf der Website der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg  zugänglich: https://pd.lubw.de/10813

Alle Infos zum Netzwerk BIPV: https://bipv-bw.de/netzwerk/

Gabriele Renz

Architektenkammer Baden-Württemberg
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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