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Too hot? Die Lösungen sind längst da

Wenn über Klimawandel gesprochen wird, dominieren oft Rekordtemperaturen, Hitzetote oder Starkregen. Die Ausstellung „Too Hot – Heiße Städte, neue Wege“ im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main wählt einen anderen Zugang: Sie fragt nicht mehr, ob sich Städte verändern müssen, sondern wie sie das bereits tun.

DAB Redaktion
07.08.2026 5min
"Ausstellungsplakat mit rot-orangem Hintergrund. Großer blauer Text 'TOO HOT' mit Untertitel 'HEISSE STÄDTE, NEUE WEGE / SCORCHING CITIES, NEW IDEAS' in kleinerer Schrift. Ein stilisiertes Sonnenmotiv mit spitzigen roten und violetten Strahlen rahmt den Text ein."
Too Hot – Heiße Städte, neue Wege
© Kraus Lazos Design Practice

Im Mittelpunkt stehen 13 europäische Städte – von Barcelona bis Lappeenranta, von Kopenhagen bis Kalamata. Sie alle reagieren auf unterschiedliche Weise auf die Folgen des Klimawandels: mit begrünten Straßen und Plätzen, neuen Mobilitätskonzepten, Regenwassermanagement, klimagerechter Sanierung des Gebäudebestands oder der Umgestaltung öffentlicher Räume.

„In den letzten 100 Jahren ist die Durchschnittstemperatur in Europa um 2,4 Grad gestiegen. Das Pariser Abkommen sieht ​vor,​ ​die globale Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf ​1,5 Grad ​zu begrenzen​ – aber wenn wir weitermachen wie bisher, gehen wir eher von 2,8 Grad aus.“ Für Kurator Mathias Schnell war deshalb früh klar, dass die Ausstellung bei den Städten ansetzen muss. „Unsere ​urbanen Räume​ sind für ​rund​ 75 % der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Das heißt, in den Städten liegt eine starke Verantwortung, aber vor allem auch das Potenzial für die Lösungen.“ Denn hier treffen die Auswirkungen der Klimakrise auf die planerischen Möglichkeiten, ihnen zu begegnen. 

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Keine Patentrezepte

Die Auswahl der Städte folgt dabei keiner Rangliste erfolgreicher Vorbilder. Gezeigt werden große und kleine Kommunen, wohlhabende und finanzschwächere Städte sowie unterschiedliche Klimaräume Europas.  

Gemeinsam bilden sie eine Art Reallabor, das sehr verschiedene Ansätze sichtbar macht. So zeigt zum Beispiel Barcelona, wie Straßen durch Superblocks und grüne Achsen wieder zu Aufenthaltsräumen werden. Kopenhagen reagiert nach verheerenden Starkregenereignissen mit einem groß angelegten Schwammstadt-Konzept (Skybrud​s​​p​lan) und mehr als 300 Einzelmaßnahmen. Wien verbindet Klimaanpassung mit seiner Wohnbaupolitik, Paris sucht Lösungen für die Überhitzung der historischen Zinkdächer, während Lappeenranta die Energiewende mit Klimabildung an Schulen verknüpft. „Wir haben versucht, mit dieser Auswahl eine Bandbreite Europas zu zeigen“, sagt Schnell. Entscheidend seien weniger einzelne Leuchtturmprojekte als die unterschiedlichen Rahmenbedingungen, unter denen Städte ihre Strategien entwickeln. Dabei geht es nicht nur um technische Lösungen. Die Ausstellung macht auch deutlich, dass Klimaanpassung immer eine soziale Dimension besitzt. 

Die Viertel mit dem höchsten Migrationsanteil und den einkommensschwächsten Haushalten sind am stärksten von Hitze betroffen. Das sind oft dicht bebaute Bereiche, die keinen hohen Anteil an Grünräumen haben. Deshalb ist es auch eine soziale Frage.

Mathias Schnell

"Grüne Parkfläche mit Wiesen und Bäumen während starkem Regen. Eine abgesenkte Fläche in der Mitte sammelt Regenwasser. Menschen halten sich trotz des Regens im Park auf. Die abgesenkte Grünfläche dient als temporäres Regenspeicherbecken zur Hochwasserprävention."
Grønningen-Bispeparken​ in Kopenhagen​, umgestaltet von SLA: die abgesenkte Grünfläche bei Starkregen
© Marie Damsgaard, SLA
"Sommerliche Parklandschaft mit blühenden Wiesen, alten Bäumen und zahlreichen Besuchern. Menschen sitzen auf Holzbänken, spazieren und genießen die Grünfläche. Das Zentrum zeigt eine künstlich abgesenkte Fläche, die im Sommer als Grünzone genutzt wird und bei Starkregen Wasser aufnimmt."
Grønningen-Bispeparken​ in Kopenhagen​, umgestaltet von SLA: Aufenthaltsraum im Sommer
© Marie Damsgaard, SLA
"Blick durch einen großen zylindrischen Betonabwassertunnel. Konzentrische Ringe verlaufen perspektivisch zum Lichtpunkt in der Ferne. Eine dünne Wasserschicht fließt durch den Tunnelboden. Seitlich tritt Licht von rechts ein. Teil des Kopenhagener Regenwassermanagementsystems."
Unterirdischer Tunnel des Kopenhagener Regenwassersystems
© Mads Eneqvist
"Großer städtischer Platz vor einem imposanten Barockgebäude mit mehreren Türmen und aufwendiger Fassadengliederung. Das Rathaus oder Kulturgebäude trägt moderne Kunstbanner mit großformatigem Porträt. Der Platz ist teilweise gepflastert, mit einigen wenigen Menschen und grünen Bäumen in den Ecken. Modernes und historisches Erbe vereinen sich hier."
Begrünungen am Rathaus (Hôtel d​e​ Ville)​ in Paris​ und Fassadenbanner gestaltet von Shepard Fairey (Obey)
© Joséphine Brueder/Ville de Paris, 2025
"Breite fußgängerfreundliche Straße in Paris mit historischen Sandsteinfassaden rechts und links. Links befindet sich ein breiter Grünstreifen mit Bäumen und Grün in Pflanzgefäßen. Rechts sind Geschäftsschaufenster mit Rolladen. Menschen gehen spazieren. Ein farbiger kreisförmiger Kunstmotiv ist auf dem Belag aufgebracht. Eine begrünte, autofreie Straße."
Blick in die autofreie und begrünte Rue aux écoles Ferdinand Flocon in Paris, 2023
© Guillaume Bontemps/Ville de Paris
"Innenhof einer ehemaligen Fabrik mit massiven roten Backsteinmauern und großen Spitzbogenöffnungen. Durch die Bögen sind moderne Wohngebäude im Hintergrund sichtbar. Der Hof ist mit Grün bepflanzt, mehrere Holzbänke laden zum Verweilen ein. Das Dach des Innenhofs ist teilweise verglast. Eine nachhaltige Umnutzung einer historischen Industrieanlage."
FUZJA, Revitalisierung der ehemaligen Scheibler-Fabrik in Łódź von medusa group, 2025
© Rafał Tomczyk

Auffällig ist, dass die Ausstellung Architektur und Stadtplanung nicht isoliert betrachtet. Neben gebauten Projekten werden strategische Planungen und zivilgesellschaftliche Initiativen vorgestellt. Klimaanpassung erscheint damit nicht allein als planerische oder technische Aufgabe. Bei aller Vielfalt zeigen sich laut Schnell wiederkehrende Muster: „Wir zeigen immer drei verschiedene Maßnahmen: bauliche Maßnahmen, strategisch-planerische Ansätze und zivilgesellschaftliche Initiativen. Uns war wichtig, dass das nicht nur Top-​d​own ist, sondern auch Bottom-​u​p, um zu zeigen, dass dieser Wandel sehr vielfältig sein kann.“ 

"Gelber wetterfester Kunststoffkoffer auf einer Ausstellungsfläche. Darauf montiert ein schwarzes Gestell mit weißem zylindrischem Messinstrument zur Klimadatenerfassung. Ein digitales Tablet liegt auf der Fläche darunter. Im Hintergrund schwarze Ausstellungswand und verschwommene Museumsräume."
Climatewalks-Rucksack
© Moritz Ermert
"Junge Frau mit schwarzem Haar und weißem Hemd trägt einen gelben Rucksack auf dem Rücken. Über der Schulter ist ein weißes Röhrenmessgerät mit blauem Deckel befestigt – ein Instrument zum Messen von Umweltdaten. Sie steht auf einer urbanen Straße mit unscharfem Hintergrund. Menschen und Gebäude sind in der Tiefenunschärfe erkennbar."
© Moritz Bernoully

Vom Gefühl zur Erkenntnis

Warum die Ausstellung Messgeräte zeigt, erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Der Messtisch mit Instrumenten für Temperatur, Luft, Boden und Wasser soll Klimawandel aus der Ebene des subjektiven Empfindens holen und wissenschaftlich nachvollziehbar machen.

„Dass es zu heiß ist, ist nicht nur ein subjektiv erlebtes Gefühl – es lässt sich wirklich messen“, erklärt Schnell. Erst belastbare Daten ermöglichten es Städten, Maßnahmen zu entwickeln und ihre Wirkung zu überprüfen. Ergänzt werden die wissenschaftlichen Grundlagen durch Interviews mit Expertinnen und Experten zu Gesundheit, sozialer Gerechtigkeit, Ressourcenverbrauch und Greenwashing. So spannt die Ausstellung den Bogen von der naturwissenschaftlichen Einordnung bis zu den gesellschaftlichen Folgen des Stadtumbaus.

Ein wiederkehrendes Motiv der Ausstellung: Klimaanpassung muss nicht mit Verzicht einhergehen. Am Beispiel Barcelona macht Schnell das deutlich: „Eine Umgestaltung muss nicht immer mit Verzicht zu tun haben, sondern kann wirklich Mehrwert bieten. Barcelona verbindet mit dieser Umgestaltung des öffentlichen Raums Klimaschutz und Klimaanpassung mit einer Steigerung der Lebensqualität.“

Gleichzeitig warnt der Kurator vor der Annahme, dass einmal eingeschlagene Wege dauerhaft Bestand haben. Am Beispiel der Barcelona-Superblocks, von denen einst 500 geplant waren und inzwischen rund 20 realisiert sind, zeigt sich: Politische Kurswechsel können Klimaanpassungsprozesse ausbremsen. Sein Appell ist daher deutlich: „Ich wünsche mir von den Planenden, dass sie dranbleiben, dass sie Allianzen bilden mit Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft, um mutigere Schritte zu gehen.“ 

"Luftaufnahme einer dicht bebauten europäischen Stadt mit Wohnblöcken. Ein breiter grüner Grünzug oder Park verläuft als durchgehende Schneise durch die Stadt. Gebäude mit unterschiedlichen Fassaden und Grünanlagen prägen das Stadtbild. Eine Demonstration urbaner Grünflächenvernetzung."
Barcelona, Eixample
© Florian Schmid/Unsplash
"Moderner Pavillon mit Stahlgerüst und Walmdachbedeckung aus dunklem Material. Unter dem Dach sind mehrere steinerne Sitzblöcke mit Holzauflagen angeordnet. Im Hintergrund sind grüne Bäume, ein modernes Hochhaus und weitere urban gestaltete Bereiche sichtbar. Der Boden ist gepflastert und befestigt."
Mar d’ombres, BATEC/Lacol: Schatten im öffentlichen Raum in Barcelona
© Ajuntament de Barcelona
"Lebendiger urbaner Platz mit geometrischem Muster aus gelben, orange und roten Farbflächen. Mehrere Menschen verschiedenen Alters bewegen sich über den Platz – einige spazieren, andere sitzen auf hellen Sitzelementen. Links und rechts säumen dichte grüne Bäume den Platz. Historische Wohn- und Geschäftshäuser mit warmem Sandsteinton rahmen die Szene ein. Im Hintergrund sind weitere Bäume erkennbar."
Superblock Sant Antoni, gestaltet von Leku Studio: begrünte Pflanzbeete und Sitzelemente sowie die ehemalige Durchgangsstraße als autofreier Aufenthaltsraum
© DEL RIO BANI

"Ausstellungsplakat mit rot-orangem Hintergrund. Großer blauer Text 'TOO HOT' mit Untertitel 'HEISSE STÄDTE, NEUE WEGE / SCORCHING CITIES, NEW IDEAS' in kleinerer Schrift. Ein stilisiertes Sonnenmotiv mit spitzigen roten und violetten Strahlen rahmt den Text ein."
© Kraus Lazos Design Practice
Zur Ausstellung:

Too Hot – Heiße Städte, neue Wege 

20. Juni 2026 – 7. Februar 2027 

Deutsches Architekturmuseum (DAM), Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main 

 

Kurator:innen: Jonas Malzahn, Katharina Böttger, Mathias Schnell (studio central) Wissenschaftliche Beratung: Helmholtz KLIMA, Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung (TU München) 

 

dam-online.de/veranstaltung/too-hot/

 

Begleitend erscheint auf dem Podcast-Kanal Kontextur eine dreiteilige Podcast-Reihe zu den Ausstellungsstädten Frankfurt am Main, Liepāja und Paris. 

 

DAB Redaktion

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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