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Parkpflege: Kommunale Aufgabe in Zeiten von Klimastress

Parks sind weit mehr als grüne Erholungsräume: Sie kühlen Städte, fördern die Biodiversität und machen Kommunen widerstandsfähiger gegen den Klimawandel. Doch ihre Pflege wird immer anspruchsvoller – und stellt Städte vor finanzielle und organisatorische Herausforderungen.

Frank Maier-Solgk
31.08.2026 7min
Eine Gruppe von etwa zehn Personen steht auf einem Pfad inmitten einer hohen Wildblumenwiese mit weißen Gänseblümchen und lila Blüten. Ein großer, alter Baum steht links, dahinter dichte grüne Bäume. Die Menschen schauen zu einer Person, die etwas erklärt.
Blühinseln auf den Rasenflächen bieten ein neues, bunteres Parkbild im Hamburger Stadtpark.
© Umweltbehörde Hamburg

Summer in the City, das ist heutzutage die Zeit der braun-gelben „Wiesen“. An den staubtrockenen, ehemaligen Rasenflächen ist für das Auge meist als Erstes erkennbar, wie sich Trockenheit und Hitze im Stadtbild ausbreiten, auch wenn diese sich später regenerieren. Die heißen Tage der letzten Wochen haben jedenfalls – neben den wieder aufgeflammten Diskussionen über den Wert von Klimaanlagen – auch zu einer verstärkten Beachtung der Rolle von Parks und Grünflächen in der Stadt geführt.  

Dabei mussten wir erfahren, dass die Maßnahmen zur Klimaresilienz der Städte – unter anderem Hitzepläne – keine sogenannte Gemeinschaftsaufgabe des Staates darstellen, sondern in den Aufgabenbereich der Kommunen fallen. 

Immerhin wurde vor Kurzem ein Prüfauftrag erteilt, ob der Bund Hitzeschutz als Gemeinschaftsaufgabe übernimmt. Die Kommunen aber haben bekanntlich immer weniger Geld, während ihre Gartenämter mit der Arbeit kaum nachkommen: Sie sichten und analysieren Baumbestände, erstellen Anpflanzpläne, erarbeiten Listen von hitzeresistenten Zukunftsbäumen, sind mit der Bereitstellung von Personal und der Auftragsvergabe befasst, kümmern sich um die Sicherung von Wegen und nicht zuletzt um eine nachhaltig-effiziente Bewässerungsstrategie, bei der heute eine moderne Sensorik zum Einsatz kommt, die den Feuchtigkeitsgehalt im Boden misst. Und, und, und. Parkpflege ist heute eine Aufgabe mit wachsender strategischer Bedeutung, die umso anspruchsvoller wird, je mehr die klimatischen Effekte des Stadtgrüns an Bedeutung gewinnen.  

 

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Wobei diese Klimafunktion – vor allem die der Bäume als Temperatursenker, im Umfeld, als Feuchtigkeitsspender und als Element der Feinstaubbindung – zu den traditionellen Qualitäten des Stadtgrüns noch hinzukommt: Zur Erinnerung: Parks und Grünanlagen sollen der Stadtbevölkerung eine erreichbare innerstädtische Naturerfahrung ermöglichen und gleichzeitig Raum für Freizeitaktivitäten bieten; sie sind Klimaräume und Biotope, daneben aber eben auch Veranstaltungsfläche, und schließlich haben sie – in besonderer Weise die denkmalgeschützten historischen Anlagen – in ihrer planvollen Gestaltung wie in ihrem städtischen Kontext eine erhebliche ästhetische Bedeutung.  

Stadtgrün heute ist ein arbeits- und kostenintensiver Aufgabenbereich, der, so formuliert es das Umweltbundesamt, das „zentrale Handlungsfeld kommunaler Nachhaltigkeit (darstellt), weil es Innenentwicklung, Lebensqualität und Klimaanpassung miteinander verbindet“. 

Mehr als eine Baumbilanz

Am meisten Aufmerksamkeit wird heute in den Kommunen den sogenannten Baumbilanzen, dem Verhältnis von Neupflanzungen und Fällungen, gewidmet. Um ein Beispiel zu nennen: Die Stadt Düsseldorf hatte 2025 zum ersten Mal seit Jahren eine negative Baumbilanz zu verzeichnen. Man pflanzte wie in den letzten Jahren ca. 1.500–1.600 Bäume, musste aber 1.900 Bäume fällen. Gründe sind laut Gartenamt zunehmende klimabedingte Stressfaktoren wie Stürme, Starkregen, Hitze, erhöhte Strahlung und Trockenheit, durch die insbesondere die rund 60.000 Straßenbäume in der Stadt geschwächt und damit anfälliger für Pilzbefall und andere Krankheiten werden.

Vor allem für die Straßenbäume gilt wie für Menschen: Die Klimaveränderung trifft die Schwächsten. In den Jahren zuvor war die Bilanz noch positiv gewesen – auch ein Resultat des Einsatzes von fünf Millionen Euro, die die Stadt seit 2022 jährlich für Projekte „zur Anpassung an den Klimawandel und zur ökologischen Aufwertung“ in den Haushalt eingestellt hatte. Dennoch sind diese jährlichen Baumbilanzen, mit denen die Städte ihre Anstrengungen auf diesem Feld in der Regel nachweisen, nur die halbe Wahrheit. Sie lassen außer Acht, dass neu angepflanzte Bäume bei Weitem nicht die erwünschten Klimaeffekte haben wie ältere Bäume mit ausladenden Kronen.  

Angemessener wäre, so sieht es zum Beispiel die Initiative der Baumschützer in Düsseldorf, ein Kriterium wie der sogenannte „Deckungsgrad“ von Bäumen, der in detaillierten Luftaufnahmen ablesbar wäre. Hinzu kommt, dass in denkmalgeschützten Anlagen die Parkpflege auf gewachsene „Pflanzenbilder“ zu achten hat.  

Der Leiter von Schloss und Park Benrath, Stefan Schweizer, hebt hervor, dass hier die durchaus zahlreichen älteren kranken Bäume, die in den letzten Jahren gefällt werden mussten, nicht durch neue, hitzeresistente Bäume ersetzt werden können, ja dürfen. Angesichts der hohen Anforderungen, für die die Gelder knapp werden, sehen viele Experten den Ausweg nur in einer stärkeren Anstrengung um Fördergelder, sei es durch das Land, den Bund oder der EU. 

 Ein weiter Blick über eine Wiese, die dicht mit weißen Gänseblümchen bewachsen ist. Im Hintergrund steht ein großes, weißes Spitzdach-Festzelt, umgeben von hohen grünen Bäumen. Der Himmel ist blau mit einigen weißen Wolken.
Margeritenblüte auf der Wildblumenwiese im Botanischen Garten Hamburg
© Umweltbehörde Hamburg
 Ein Mann in einem karierten Hemd und beigefarbenen Hosen bedient ein spezielles, ferngesteuertes Mähgerät der Marke "Biber" auf einer Wiese mit Gänseblümchen. Die Maschine hat eine große blaue Walze mit spitzen Zacken und eine Metalleinheit. Der Hintergrund ist ein Waldrand.
Um die Blütenvielfalt zu erhalten, wird die Wildblumenwiese mit einem Balkenmäher gemäht und das Mahdgut anschließend aufgenommen.
© Umweltbehörde Hamburg

Neue Wege in der Parkpflege

Auf diesem Weg erfolgreich scheint in den letzten Jahren offensichtlich die Freie und Hansestadt Hamburg gewesen zu sein, die mit dem Projekt „Natürlich Hamburg!“ zugleich neue Wege in der Parkpflege geht. Schon 2017 wurde die Initiative ins Leben gerufen, die sich selbst als erstes Naturschutzgroßprojekt einer deutschen Großstadt bezeichnet.  

Ziel ist es, die in der Stadt vorhandenen Grünanlagen nicht nur durch die traditionellen Pflegemaßnahmen zu erhalten, sondern stärker ökologisch als bislang zu bewirtschaften und nebenbei – pädagogischer Aspekt – das Naturerleben in den Schutzgebieten durch Lenkung der Besucher und Besucherinnen zu stärken. Im Fokus ist ein Gebiet von 5.540 ha mit 14 Naturschutzgebieten, 20 Park- und Grünanlagen sowie Straßenbegleitgrün entlang von vier Magistralen (entspricht 7 % der Landesfläche von Hamburg).  

Konkret bestehen die Maßnahmen beispielsweise in der Anpflanzung und Ansaat von Wildpflanzen, die mehr Nahrung für die heimische Tierwelt bereithalten und häufig robuster gegenüber Klimaveränderungen sind. Neben dieser sukzessiven Transformation vorhandener Anlagen wird auf dem Gelände von Planten un Blomen alle zwei Jahre ein neuer Experimentiergarten angelegt, zuletzt vom englischen Gartenarchitekten Tom Stewart-Smith.  

In seinem Garten der Wildpflanzen wurden rund 9.000 Wildstauden und 8.000 Geophyten in den Sand gepflanzt, was die Pflanzen zur Ausbildung tiefreichender Wurzeln anregt, wodurch sie resistenter gegenüber Trockenheit werden. Ziel ist es – außer dass man auch Wildbienen und Käfer anziehen will –, zukünftig die Bewässerung zu vermindern oder sogar überflüssig zu machen. 

Ein Mann in einem weißen Hemd und Sonnenbrille sitzt entspannt auf einer grauen Metallbank in einem Park und blickt auf sein Smartphone. Er ist umgeben von modernen Pflanzungen mit hohen Gräsern und Sandwegen. Im Hintergrund sind weitere Parkbesucher und große Bäume zu sehen.
Der Garten der Wildpflanzen von „Natürlich Hamburg!“ lädt zum Verweilen ein.
© Enver Hirsch
Eine Reihe von lila Blütenähren steht im Vordergrund, dahinter eine Wand aus hohen, trockenen Gräsern. Im Hintergrund steht eine Gruppe von Menschen, die nur teilweise sichtbar sind, da sie hinter den Gräsern stehen. Die Szene ist sonnig und die Menschen scheinen einer Erklärung zuzuhören.
Die Pflanzung in einer Sandschicht macht die Wildstauden resilienter gegenüber Trockenheit.
© Enver Hirsch
Eine Nahaufnahme zeigt zwei Bläuling-Schmetterlinge, die auf blühendem Oregano mit kleinen lila Blüten sitzen. Die Schmetterlinge haben leuchtend blaue Oberflügel mit feinen dunklen Rändern. Der Hintergrund besteht aus unscharfen grünen und beigen Gräsern.
Viele Insekten, wie die Hauhechelbläulinge, finden sich auf den Blüten der Wildpflanzen ein.
© Umweltbehörde Hamburg

Hinter dem bis 2032 konzipierten Projekt von „Natürlich Hamburg!“ steht der Versuch, den Konflikt von Freizeitnutzung und Naturschutz in Parkanlagen neu auszutarieren und die ökologische Seite zu stärken. Zu 75 % wird das Projekt mit Mitteln des Bundes gefördert, das Amt für Naturschutz und Grünplanung des Stadtstaates arbeitet dabei eng mit den Bezirken zusammen, fördert mit Know-how und Gerätschaften.  

Die Projektleiterin Barbara Engelschall sieht die Stadt Hamburg jedenfalls auf einem gutem Weg: „Viele Hamburger und Hamburgerinnen haben ihre anfängliche Sorge vor Wildwuchs abgelegt und sehen in den ökologischen Maßnahmen eine Bereicherung für die Stadt.“ Wie sehr der neue Ansatz sich durchsetzt, wird angesichts der knappen Gelder die Zukunft zeigen. Dass die Aufgaben weniger werden, ist angesichts der Klimaveränderungen und des Verlustes der Biodiversität jedenfalls nicht zu erwarten. 

Zusatzinformation Düsseldorf

Das Gartenamt Düsseldorf ist für die Pflege der öffentlichen Grünflächen in Düsseldorf mit einem Umfang von rund 3.500 ha (Parkanlagen, Friedhöfe und Waldflächen) sowie einem Bestand von rund 250.000 Bäumen im öffentlichen Raum, in Parkanlagen, auf Friedhöfen und im Straßenraum zuständig. Hierfür steht jährlich ein Finanzvolumen von rund 44 Millionen Euro Sachkosten zur Verfügung. Aus diesem Budget wird unter anderem die Pflege der rund 430 Spiel- und Bolzplätze und aller öffentlichen Grün- und Parkanlagen finanziert. 

Zusatzinformation Hamburg

Mit Natürlich Hamburg! setzt die Hansestadt als erste deutsche Großstadt ein Naturschutzgroßprojekt im urbanen Raum um. Auf insgesamt 5.378 ha – rund 8 % der Landesfläche – werden 14 Naturschutzgebiete, 20 Parks und Grünanlagen sowie Straßenbegleitgrün ökologisch aufgewertet. Ziel ist es, die Artenvielfalt in der Stadt zu stärken und gleichzeitig Erholung, Freizeitnutzung und Naturschutz besser miteinander zu verbinden. Wildblumenflächen, naturnahe Pflege und neue Lebensräume sollen insbesondere Insekten und anderen gefährdeten Arten zugutekommen.

© privat

Frank Maier-Solgk

Düsseldorf / München

Frank Maier-Solgk ist von der Gartenkunst auf die Architektur gekommen. Er hat Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften und Philosophie in München und Heidelberg studiert und mit einer Arbeit über den Österreicher Robert Musil promoviert. Nach Tätigkeiten als Berater von Institutionen und Unternehmen im kulturellen Bereich schreibt er seit vielen Jahren für überregionale Tageszeitungen sowie für Kunst- und – natürlich und hauptsächlich für Architekturmagazine.

Für das DAB schreibt Frank Maier-Solgk sowohl überregional als auch für den NRW-Teil. Das Spektrum seiner Themen reicht von Städtebau über Landschaftsarchitektur bis zum zirkulären Bauen. Er hat ferner Lehraufträge über journalistisches Arbeiten in Berlin und Düsseldorf wahrgenommen.

Eigentlich hat sich Frank Maier-Solgks Interesse für Architektur aus einer Leidenschaft für die europäische Gartenkunst entwickelt. Mehrere Bücher zum Beispiel über englische Landschaftsgärten in Deutschland, Renaissancegärten in Italien und französische Gärten in und um Paris sind dazu erschienen. Seine jüngste Publikation behandelt Skulpturengärten und Kunst in grünen Umfeldern („Green Fields“). Er lebt und arbeitet in Düsseldorf sowie gelegentlich in München.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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