Parkpflege: Kommunale Aufgabe in Zeiten von Klimastress
Parks sind weit mehr als grüne Erholungsräume: Sie kühlen Städte, fördern die Biodiversität und machen Kommunen widerstandsfähiger gegen den Klimawandel. Doch ihre Pflege wird immer anspruchsvoller – und stellt Städte vor finanzielle und organisatorische Herausforderungen.
Summer in the City, das ist heutzutage die Zeit der braun-gelben „Wiesen“. An den staubtrockenen, ehemaligen Rasenflächen ist für das Auge meist als Erstes erkennbar, wie sich Trockenheit und Hitze im Stadtbild ausbreiten, auch wenn diese sich später regenerieren. Die heißen Tage der letzten Wochen haben jedenfalls – neben den wieder aufgeflammten Diskussionen über den Wert von Klimaanlagen – auch zu einer verstärkten Beachtung der Rolle von Parks und Grünflächen in der Stadt geführt.
Dabei mussten wir erfahren, dass die Maßnahmen zur Klimaresilienz der Städte – unter anderem Hitzepläne – keine sogenannte Gemeinschaftsaufgabe des Staates darstellen, sondern in den Aufgabenbereich der Kommunen fallen.
Immerhin wurde vor Kurzem ein Prüfauftrag erteilt, ob der Bund Hitzeschutz als Gemeinschaftsaufgabe übernimmt. Die Kommunen aber haben bekanntlich immer weniger Geld, während ihre Gartenämter mit der Arbeit kaum nachkommen: Sie sichten und analysieren Baumbestände, erstellen Anpflanzpläne, erarbeiten Listen von hitzeresistenten Zukunftsbäumen, sind mit der Bereitstellung von Personal und der Auftragsvergabe befasst, kümmern sich um die Sicherung von Wegen und nicht zuletzt um eine nachhaltig-effiziente Bewässerungsstrategie, bei der heute eine moderne Sensorik zum Einsatz kommt, die den Feuchtigkeitsgehalt im Boden misst. Und, und, und. Parkpflege ist heute eine Aufgabe mit wachsender strategischer Bedeutung, die umso anspruchsvoller wird, je mehr die klimatischen Effekte des Stadtgrüns an Bedeutung gewinnen.
Wobei diese Klimafunktion – vor allem die der Bäume als Temperatursenker, im Umfeld, als Feuchtigkeitsspender und als Element der Feinstaubbindung – zu den traditionellen Qualitäten des Stadtgrüns noch hinzukommt: Zur Erinnerung: Parks und Grünanlagen sollen der Stadtbevölkerung eine erreichbare innerstädtische Naturerfahrung ermöglichen und gleichzeitig Raum für Freizeitaktivitäten bieten; sie sind Klimaräume und Biotope, daneben aber eben auch Veranstaltungsfläche, und schließlich haben sie – in besonderer Weise die denkmalgeschützten historischen Anlagen – in ihrer planvollen Gestaltung wie in ihrem städtischen Kontext eine erhebliche ästhetische Bedeutung.
Stadtgrün heute ist ein arbeits- und kostenintensiver Aufgabenbereich, der, so formuliert es das Umweltbundesamt, das „zentrale Handlungsfeld kommunaler Nachhaltigkeit (darstellt), weil es Innenentwicklung, Lebensqualität und Klimaanpassung miteinander verbindet“.
Mehr als eine Baumbilanz
Am meisten Aufmerksamkeit wird heute in den Kommunen den sogenannten Baumbilanzen, dem Verhältnis von Neupflanzungen und Fällungen, gewidmet. Um ein Beispiel zu nennen: Die Stadt Düsseldorf hatte 2025 zum ersten Mal seit Jahren eine negative Baumbilanz zu verzeichnen. Man pflanzte wie in den letzten Jahren ca. 1.500–1.600 Bäume, musste aber 1.900 Bäume fällen. Gründe sind laut Gartenamt zunehmende klimabedingte Stressfaktoren wie Stürme, Starkregen, Hitze, erhöhte Strahlung und Trockenheit, durch die insbesondere die rund 60.000 Straßenbäume in der Stadt geschwächt und damit anfälliger für Pilzbefall und andere Krankheiten werden.
Vor allem für die Straßenbäume gilt wie für Menschen: Die Klimaveränderung trifft die Schwächsten. In den Jahren zuvor war die Bilanz noch positiv gewesen – auch ein Resultat des Einsatzes von fünf Millionen Euro, die die Stadt seit 2022 jährlich für Projekte „zur Anpassung an den Klimawandel und zur ökologischen Aufwertung“ in den Haushalt eingestellt hatte. Dennoch sind diese jährlichen Baumbilanzen, mit denen die Städte ihre Anstrengungen auf diesem Feld in der Regel nachweisen, nur die halbe Wahrheit. Sie lassen außer Acht, dass neu angepflanzte Bäume bei Weitem nicht die erwünschten Klimaeffekte haben wie ältere Bäume mit ausladenden Kronen.
Angemessener wäre, so sieht es zum Beispiel die Initiative der Baumschützer in Düsseldorf, ein Kriterium wie der sogenannte „Deckungsgrad“ von Bäumen, der in detaillierten Luftaufnahmen ablesbar wäre. Hinzu kommt, dass in denkmalgeschützten Anlagen die Parkpflege auf gewachsene „Pflanzenbilder“ zu achten hat.
Der Leiter von Schloss und Park Benrath, Stefan Schweizer, hebt hervor, dass hier die durchaus zahlreichen älteren kranken Bäume, die in den letzten Jahren gefällt werden mussten, nicht durch neue, hitzeresistente Bäume ersetzt werden können, ja dürfen. Angesichts der hohen Anforderungen, für die die Gelder knapp werden, sehen viele Experten den Ausweg nur in einer stärkeren Anstrengung um Fördergelder, sei es durch das Land, den Bund oder der EU.
Neue Wege in der Parkpflege
Auf diesem Weg erfolgreich scheint in den letzten Jahren offensichtlich die Freie und Hansestadt Hamburg gewesen zu sein, die mit dem Projekt „Natürlich Hamburg!“ zugleich neue Wege in der Parkpflege geht. Schon 2017 wurde die Initiative ins Leben gerufen, die sich selbst als erstes Naturschutzgroßprojekt einer deutschen Großstadt bezeichnet.
Ziel ist es, die in der Stadt vorhandenen Grünanlagen nicht nur durch die traditionellen Pflegemaßnahmen zu erhalten, sondern stärker ökologisch als bislang zu bewirtschaften und nebenbei – pädagogischer Aspekt – das Naturerleben in den Schutzgebieten durch Lenkung der Besucher und Besucherinnen zu stärken. Im Fokus ist ein Gebiet von 5.540 ha mit 14 Naturschutzgebieten, 20 Park- und Grünanlagen sowie Straßenbegleitgrün entlang von vier Magistralen (entspricht 7 % der Landesfläche von Hamburg).
Konkret bestehen die Maßnahmen beispielsweise in der Anpflanzung und Ansaat von Wildpflanzen, die mehr Nahrung für die heimische Tierwelt bereithalten und häufig robuster gegenüber Klimaveränderungen sind. Neben dieser sukzessiven Transformation vorhandener Anlagen wird auf dem Gelände von Planten un Blomen alle zwei Jahre ein neuer Experimentiergarten angelegt, zuletzt vom englischen Gartenarchitekten Tom Stewart-Smith.
In seinem Garten der Wildpflanzen wurden rund 9.000 Wildstauden und 8.000 Geophyten in den Sand gepflanzt, was die Pflanzen zur Ausbildung tiefreichender Wurzeln anregt, wodurch sie resistenter gegenüber Trockenheit werden. Ziel ist es – außer dass man auch Wildbienen und Käfer anziehen will –, zukünftig die Bewässerung zu vermindern oder sogar überflüssig zu machen.
Hinter dem bis 2032 konzipierten Projekt von „Natürlich Hamburg!“ steht der Versuch, den Konflikt von Freizeitnutzung und Naturschutz in Parkanlagen neu auszutarieren und die ökologische Seite zu stärken. Zu 75 % wird das Projekt mit Mitteln des Bundes gefördert, das Amt für Naturschutz und Grünplanung des Stadtstaates arbeitet dabei eng mit den Bezirken zusammen, fördert mit Know-how und Gerätschaften.
Die Projektleiterin Barbara Engelschall sieht die Stadt Hamburg jedenfalls auf einem gutem Weg: „Viele Hamburger und Hamburgerinnen haben ihre anfängliche Sorge vor Wildwuchs abgelegt und sehen in den ökologischen Maßnahmen eine Bereicherung für die Stadt.“ Wie sehr der neue Ansatz sich durchsetzt, wird angesichts der knappen Gelder die Zukunft zeigen. Dass die Aufgaben weniger werden, ist angesichts der Klimaveränderungen und des Verlustes der Biodiversität jedenfalls nicht zu erwarten.
Zusatzinformation Düsseldorf
Zusatzinformation Düsseldorf
Das Gartenamt Düsseldorf ist für die Pflege der öffentlichen Grünflächen in Düsseldorf mit einem Umfang von rund 3.500 ha (Parkanlagen, Friedhöfe und Waldflächen) sowie einem Bestand von rund 250.000 Bäumen im öffentlichen Raum, in Parkanlagen, auf Friedhöfen und im Straßenraum zuständig. Hierfür steht jährlich ein Finanzvolumen von rund 44 Millionen Euro Sachkosten zur Verfügung. Aus diesem Budget wird unter anderem die Pflege der rund 430 Spiel- und Bolzplätze und aller öffentlichen Grün- und Parkanlagen finanziert.
Zusatzinformation Hamburg
Zusatzinformation Hamburg
Mit Natürlich Hamburg! setzt die Hansestadt als erste deutsche Großstadt ein Naturschutzgroßprojekt im urbanen Raum um. Auf insgesamt 5.378 ha – rund 8 % der Landesfläche – werden 14 Naturschutzgebiete, 20 Parks und Grünanlagen sowie Straßenbegleitgrün ökologisch aufgewertet. Ziel ist es, die Artenvielfalt in der Stadt zu stärken und gleichzeitig Erholung, Freizeitnutzung und Naturschutz besser miteinander zu verbinden. Wildblumenflächen, naturnahe Pflege und neue Lebensräume sollen insbesondere Insekten und anderen gefährdeten Arten zugutekommen.
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