Thüringer Architekt:innentag 2025
KI, digitale Werkzeuge und neue Rollenbilder – der erste Thüringer Architekt:innentag zeigte, wie Digitalisierung Planungsprozesse und Verwaltung verändert.
Wie verändern Künstliche Intelligenz (KI) und digitale Werkzeuge die Planungspraxis – und welche Potenziale eröffnen sie für Architektur, Stadtentwicklung und Baukultur? Fragen wie diese standen im Zentrum des ersten Thüringer Architekt:innentags (THAT) der Architektenkammer Thüringen.
Rund 200 Fachleute kamen am 28. August 2025 in der Zentralheize Erfurt zusammen, um unter dem Motto „Digital planen. Mit Intelligenz gestalten.“ aktuelle Entwicklungen der Baupraxis zu diskutieren. Im Fokus: der wachsende Einsatz digitaler Werkzeuge und Künstlicher Intelligenz sowie deren Einfluss auf Entwurfsprozesse, Entscheidungsfindung und die zukünftige Rolle von Planerinnen und Planern.
Zentrale Impulse und inhaltliche Erkenntnisse
KI in der Planung: Effizienzgewinn bei unveränderter Gestaltungsverantwortung
Philipp Eichstädt, se.g architekten, Berlin, ordnete KI als Werkzeug ein. Systeme generieren Planungsdaten, automatisieren Abläufe und verkürzen Prozesszeiten. Entwurf und architektonische Qualität bleiben an menschliche Entscheidungen gebunden.
Folgen für die Praxis: steigende Anforderungen an Datenkompetenz, Schnittstellenmanagement und den Umgang mit beschleunigten Projektabläufen.
Architektur als Treiber von Innovation
Prof. Dr.-Ing. Christos Chantzaras, Frankfurt University of Applied Sciences, stellte die Disziplin als innovationsorientiertes Arbeitsfeld dar. Entwurfsbasierte Methoden strukturieren komplexe Aufgaben und eröffnen neue Tätigkeitsfelder.
Neben Planung gewinnen unternehmerische Rollen, strategische Beratung sowie Beiträge zu Material- und Systementwicklung an Bedeutung. Der Fokus liegt auf nachhaltiger Transformation der Bauwirtschaft.
Arbeitsmarkt und Wertschöpfung im Wandel
Prof. Dr. Christian Kellermann, University of Labour, Frankfurt am Main, analysierte ökonomische Effekte von KI. Prognosen gehen bis 2030 von tiefgreifenden Veränderungen aus. Bereits heute zeigen sich Effizienzpotenziale, etwa bei automatisierter Variantenbildung. Parallel entstehen neue Qualifikationsanforderungen. Steuerung und Gestaltung technologischer Entwicklung gewinnen an Bedeutung.
Politische Perspektive
Steffen Schütz, Thüringer Minister für Digitales und Infrastruktur, formulierte Ziele für die Verwaltung. Bis Ende 2026 soll der digitale Bauantrag in allen Behörden eingeführt werden. Ergänzend stehen die Erprobung von Building Information Modeling und KI-Anwendungen sowie die Vereinfachung und Standardisierung von Verfahren im Fokus. Digitalisierung wird dabei als Instrument zur Effizienzsteigerung und stärkeren Bürgerorientierung eingeordnet.
Praxis und Anwendungen
Nachmittagsformate vertieften die Inhalte in Workshops und Demonstrationen. Im Fokus standen Anwendungen aus den Bereichen Reality Capture und mobile Datenerfassung, digitale Zwillinge im urbanen Kontext sowie KI-gestützte Planungs- und Analysewerkzeuge. Die direkte Interaktion ermöglichte die Übertragung theoretischer Ansätze in konkrete Anwendungsfälle.
Abschluss-Keynote: Automatisierung und Verantwortung
Prof. Dominik Bösl, Wirtschaftsinformatiker, Zukunftsforscher und Berater des Deutschen Bundestags, beschrieb die Entwicklung hin zu autonomen, KI-basierten Systemen. Automatisierung reduziert repetitive und körperlich belastende Tätigkeiten. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Kontrolle, Regulierung und Datenhoheit.
Digitale Werkzeuge verändern vor allem Prozesse, nicht die Entwurfsprinzipien. Gleichzeitig erweitern sich Rollenprofile um Daten- und Systemkompetenz. Interdisziplinäre Zusammenarbeit nimmt zu, insbesondere an den Schnittstellen zu IT und Verwaltung. Strategische Auseinandersetzung mit Technologie wird damit zur zentralen Aufgabe der Planungspraxis. Formate wie der Thüringer Architekt:innentag unterstützen die fachliche Einordnung dieser Entwicklungen.
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Architektenkammer Thüringen
Team Presse- und ÖffentlichkeitsarbeitDas könnte Sie auch interessieren
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