Stadtentdeckerprojekt Brandenburg: Baukultur früh vermitteln
Mit dem Stadtentdecker-Projekt lud die Brandenburgische Architektenkammer Schüler:innen in Bernau ein, ihre Stadt neu zu sehen und Ideen für Veränderung zu entwickeln. Die Architektinnen berichten.
Die Gestaltung von Gebäuden und Freiräumen, ihre Funktionalität und Ausstrahlung sowie die Frage, wie lebenswerte und auch schöne Städte entstehen – all das liegt uns Architekt:innen und Planer:innen am Herzen. Doch bereits als Kinder verfügen wir über ein feines Gespür für die Qualität unserer Umgebung. Kinder wissen intuitiv, wo sie sich gern aufhalten und was sie als schön empfinden. Hier setzt das Stadtentdecker-Projekt an, das von der Brandenburgischen Architektenkammer entwickelt wurde. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen spielerisch einen neuen Blick auf ihre gebaute Umwelt zu ermöglichen und sie früh für Fragen der Stadtentwicklung zu sensibilisieren.
Projektstart in Bernau
Die Idee, Kinder aktiv in die Auseinandersetzung mit ihrer Stadt einzubeziehen, fanden wir von Ganter Architekten GmbH spannend und waren sofort dabei, als die Brandenburgische Architektenkammer uns anfragte, ob wir das Projekt erstmalig in der Stadt Bernau in der Georg-Rollenhagen-Grundschule begleiten wollen.
Welche Orte in meiner Stadt gefallen mir am besten? Welche Gebäude oder Plätze finde ich besonders schön? Kinder und Jugendliche bei der bewussten Wahrnehmung ihres Umfeldes zu unterstützen, war uns wichtig, denn dies stärkt die Identifikation mit dem eigenen Lebensumfeld und fördert ein grundlegendes Verständnis für ihre Stadt.
Gemeinsam mit zwei Architektinnen aus dem Büro arbeiteten die Schülerinnen und Schüler mit einer Stadtkarte, markierten persönliche Lieblingsorte und diskutierten, welche Plätze sie als gelungen empfinden – und wo sie Verbesserungsbedarf sehen.
Die Stadt als Lernraum
Beim Stadtspaziergang erkundeten die Kinder entlang der Bernauer Stadtmauer die Innenstadt in fünf thematischen Gruppen: Sie dokumentierten Materialien und Farben, nahmen Geräusche und Gerüche auf, kartierten Grünflächen, erforschten historische Gebäude und beobachteten Menschen und Tiere im Stadtraum. Dabei entstanden Steckbriefe zu Bauwerken, Fotos und kurze Videos – eine unmittelbare und forschende Annäherung an Architektur und Stadtraum.
Gestaltung durch die „Rollenhagener Roller“
Auf Basis ihrer Beobachtungen entwickelten die Schülerinnen und Schüler anschließend eigene Vorschläge zur Gestaltung und Umnutzung von Stadträumen. In Modellen und Präsentationen wurde deutlich, welche Themen sie besonders bewegen: mehr Natur, mehr Raum für Tiere und ein saubereres Stadtbild mit weniger Müll.
Beteiligung stärkt Selbstbewusstsein
Wie würden unsere Städte aussehen, wenn unsere Kinder diese gestalten würden, wenn sie Bürgermeister oder Bürgermeisterin in ihrer Gemeinde wären? „Mit dem Stadtentdecker-Projekt geben wir Schülerinnen und Schülern eine echte Stimme in der Stadtentwicklung. Sie lernen, ihre Umwelt bewusst wahrzunehmen, eigene Ideen zu entwickeln und diese öffentlich zu vertreten. Das stärkt nicht nur ihr Selbstbewusstsein, sondern schafft auch neuen Gesprächsstoff für unsere kommunale Planung“, so Robert Steffien, Amtsleiter für Schul-, Sport- und Jugendangelegenheiten der Stadt Bernau. Ganz nebenbei lernen die Kinder bei dem Projekt Berufe rund um Architektur und Stadtplanung kennen.
An der öffentlichen Präsentation nahmen auch Detlef Tabbert, Minister für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) des Landes Brandenburg (Hauptförderer des Projektes), André Stahl, Bürgermeister der Stadt Bernau bei Berlin, und Andreas Rieger, Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer teil. Das war eine gute Gelegenheit, wichtigen Institutionen die Ideen der Schüler:innen zu vermitteln!
Wir bedanken uns bei allen Beteiligten.
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