Starke Impulse für das Bauen im ländlichen Raum
In drei bayerischen Gemeinden diskutierten Fachleute, wie Ortsentwicklung gelingen kann – trotz knapper Haushalte, steigender Baukosten und komplexer Planungsaufgaben.
Mehrere Hundert Gäste folgten der Einladung der Bayerischen Architektenkammer (ByAK), der Verwaltung für Ländliche Entwicklung und des Bayerischen Gemeindetags zur Veranstaltungsreihe „Gestalten statt abwarten“. Das Ziel: Impulse für eine innovative, verantwortungs- und qualitätsvolle Gestaltung ländlicher Räume zu setzen. Die Tagungen fanden am 13., 18. und 20. November in den Schulen der Dorf- und Landentwicklung von Plankstetten, Thierhaupten und Klosterlangheim statt.
Weichenstellung in der Phase 0
Ariane Jungwirth, Vorständin der ByAK, leitete die Auftaktveranstaltung mit einem Grußwort ein und stellte einen zentralen Aspekt der Reihe klar heraus: Zukunftsfähige Ortsentwicklung sei nur durch enge Kooperation und partnerschaftliches Handeln zwischen Kommunen, Planenden, Behörden und der Bürgerschaft umsetzbar. Architektin Stefanie Seeholzer (Orte gestalten) vertiefte dieses Thema mit ihrem Beitrag „Zukunftsweisendes Planen und Bauen“. Sowohl Jungwirth als auch Seeholzer betonten die entscheidende Bedeutung der vorbereitenden Planungsphase – der sogenannten Phase 0 – im Hinblick auf Qualität, Wirtschaftlichkeit und langfristige Tragfähigkeit von Projekten. Ebenso wichtig sei der sorgsame Umgang mit dem Bestand, denn so werde nicht nur graue Energie eingespart, sondern auch die „goldene Energie“ unserer kulturellen Identität bewahrt.
Musterbeispiele für erfolgreiche Ortsentwicklung
An allen drei Vortragstagen stellten die Standorte eigene Praxisbeispiele aus der Region vor. In Plankstetten beeindruckte die prämierte Umnutzung eines alten Stadels zum Dorfgemeinschaftshaus ebenso wie die Sanierung einer Arztpraxis in Egglham, die die medizinische Versorgung vor Ort sichert. Thierhaupten zeigte innovative Wohnlösungen vom Wohnraum über dem Supermarkt bis zur genossenschaftlich wiederbelebten Alten Schule Bühl. In Klosterlangheim wurde deutlich, dass erfolgreiche Ortsentwicklung nur mit aktiver Beteiligung von Gemeinderäten und Bürgerschaft gelingt – und durch das konsequente Nutzen regionaler Netzwerke.
Entscheidend für das Gelingen der Projekte sei eine gute Balance zwischen Schnelligkeit und Qualität gewesen. Gestaltungskraft entsteht dort, wo Kommunen, Architektinnen und Architekten sowie ihre Partner Verantwortung übernehmen, klug priorisieren und entschieden handeln. Die Beispiele machten deutlich, wie Gemeinden trotz der bestehenden Herausforderungen eigene Vorhaben umsetzen können – durch klare planerische Ziele, Instrumente wie städtebauliche Verträge und einen entschlossenen Fokus auf kompakte Siedlungsentwicklung.
Die „Schulen der Dorf- und Landentwicklung“ veranstalteten am 13., 18. und 20. November ihre Herbsttagungen unter dem Motto „GESTALTEN statt abwarten. Ideen entwickeln und Lösungen umsetzen in ländlichen Orten“.