Künstliche Intelligenz in der Architektur – Wie weit ist die Praxis wirklich?
Ergebnisse der Berufspolitischen Befragung 2025 der Bundesarchitektenkammer zum Einsatz von künstlicher Intelligenz in Architektur.
Künstliche Intelligenz spielt in der Planungsbranche eine immer größere Rolle, doch wie intensiv wird sie tatsächlich im Alltag der Büros genutzt? Die bundesweite Berufspolitische Befragung aus dem Jahr 2025 liefert erstmals ein Bild der aktuellen Situation. Insgesamt nahmen 15.624 Kammermitglieder teil und geben Aufschluss über Einsatz, Potenziale, Risiken und Fortbildungsbedarfe rund um KI-basierte Werkzeuge.
KI im Büroalltag – Nutzung bleibt begrenzt
29 % der Befragten nutzen KI in ihrer täglichen Arbeit, während 71 % zum Zeitpunkt der Umfrage noch ganz ohne KI im Büroalltag arbeiten.
Die Größe eines Büros hat einen Einfluss auf die Nutzung von KI, denn je größer das Architekturbüro ist, desto häufiger werden KI-Anwendungen eingesetzt. In Büros mit 25 oder mehr Mitarbeitenden nutzt bereits mehr als die Hälfte KI, während in kleinen Strukturen mit weniger als fünf Mitarbeitenden nur 19 % der Selbstständigen KI verwenden.
Anwendungsfelder von KI in Architekturbüros
Architektinnen und Architekten, die KI in ihrem Arbeitsalltag einsetzen, nutzen diese vor allem für Textarbeiten. Dazu gehören zum Beispiel Texte für die Öffentlichkeitsarbeit oder die Erstellung von Protokollen, was 58 % der Nutzenden sehr häufig oder häufig tun.
Auch für die Klärung rechtlicher Fragen, etwa zu Verträgen oder Honoraren, sowie für die Arbeit mit Normen wird KI regelmäßig verwendet. Ein knappes Drittel der Befragten nutzt KI in diesem Bereich sehr häufig oder häufig. Rund ein Viertel setzt KI für Dokumentationsaufgaben ein.
Etwa ein Fünftel der Personen, die KI nutzen, greift auf entsprechende Anwendungen zurück, um die Einhaltung baurechtlicher Vorgaben zu prüfen, Visualisierungen zu erstellen oder Informationsmaterialien für das Büro zu entwickeln, wie zum Beispiel interne Handbücher.
Für die Termin- und Kostenplanung verwenden 13 % KI Anwendungen. Alle weiteren Aufgaben, wie Bestandsanalysen, Simulationen, die Optimierung von Planungsvarianten, die Erstellung von 3D-Modellen oder das Training von KI-Modellen, werden von weniger als 10 % häufig ausgeführt.
Drei KI-Nutzertypen
Mithilfe einer Clusteranalyse lassen sich drei KI-Nutzertypen identifizieren:
Die größte Gruppe, rund 64 %, steht noch am Anfang und tastet sich erst an den Einsatz von KI heran. Sie nutzt entsprechende Anwendungen insgesamt wesentlich seltener als die anderen beiden Gruppen.
Etwa 16 % der Befragten setzen KI besonders intensiv im Planungsprozess ein. Dazu gehören zum Beispiel Visualisierungen/Renderings, 3D-Modellierung, Simulationen oder die Optimierung von Entwurfsvarianten.
Das verbleibende Fünftel der Befragten nutzt KI häufiger als die anderen zur Prozessoptimierung, das heißt zur Texterstellung, Dokumentation, Recherche und Überprüfung rechtlicher Fragen/Vorgänge, Bestandsanalyse und Projektplanung.
Ziele des Einsatzes von KI
Beim Blick auf die Ziele des KI-Einsatzes wird deutlich, dass Architektinnen und Architekten künstliche Intelligenz vor allem nutzen, um Routineaufgaben in der Planung effizienter zu bewältigen. 72 % der Befragten setzen KI in erster Linie auf diese Weise ein. Für gut die Hälfte steht dabei im Vordergrund, Projekte insgesamt wirtschaftlicher und reibungsloser zu gestalten.
Rund ein Fünftel der Personen, die KI verwenden, nutzt sie zudem als Inspirationsquelle, etwa um neue Ansätze, Ideen oder Varianten zu entwickeln. Aspekte wie eine nachhaltigere Planung oder die Förderung der Baukultur spielen aktuell jedoch nur eine geringe Rolle.
Hier wird deutlich, dass KI derzeit vor allem pragmatisch genutzt wird. Sie dient in erster Linie als Werkzeug zur Entlastung und zur Steigerung der Effizienz von Projekten. Das Ziel KI für die Förderung der Baukultur spielt derzeit eine geringe Rolle.
Potenziale der KI
Beim Blick auf die Erwartungen der Planenden sehen 78 % das größte Potenzial in der Automatisierung von Prozessen. Ebenso groß ist die Hoffnung auf eine fundierte Entscheidungsfindung auf Grundlage von Daten, denn 55 % der Befragten gehen davon aus, dass KI dabei helfen kann, komplexe Zusammenhänge schneller und präziser zu bewerten.
Auch im Hinblick auf das Kosten- und Terminmanagement versprechen sich viele Unterstützung: 51 % sehen die Chance, durch KI-Prognosen, Plausibilitätschecks und automatisierte Auswertungen genauer planen zu können. Ein weiterer zentraler Mehrwert wird in der Erhöhung der Planungsqualität gesehen. 45 % der Befragten erwarten, dass KI Fehler reduziert und die Konsistenz von Planungsständen verbessert. Darüber hinaus erkennen die Planenden auch kreative und strategische Potenziale. 42 % schreiben KI die Fähigkeit zu, Inspiration und neue Ideen zu liefern.
Mit KI verbinden einige die Hoffnung, ein Werkzeug für ein nachhaltigeres und ressourcenschonenderes Planen zu gewinnen. 38 % sehen darin einen wichtigen Hebel, um ökologische und energetische Anforderungen besser zu erfüllen.
32 % erwarten zudem Verbesserungen in der Zusammenarbeit im Projekt, zum Beispiel durch intelligentere Kommunikationswerkzeuge und klarere Datenflüsse.
Risiken der KI
Neben den erhofften Potenzialen prägen auch Sorgen den Blick der Planenden auf den Einsatz von KI. 95 % der Befragten sehen Risiken – ein Wert, der zeigt, wie hoch der Bedarf an Orientierung, Standards und Regulierung ist.
Besonders groß ist die Sorge vor einer unkritischen Übernahme von Daten, die 71 % der Teilnehmenden als Risiko benennen. Hier zeigt sich die zentrale Herausforderung: KI kann Entscheidungen nur so gut treffen, wie die Datenbasis es zulässt. Fehlerhafte oder verzerrte Informationen könnten unmittelbar in Planungsprozesse einfließen.
Ebenfalls geben mehr als die Hälfte der befragten Bedenken vor einer zunehmenden Abhängigkeit von Softwareunternehmen an.
Ein weiterer Grund sind die ungeklärten (datenschutz-)rechtlichen Fragen, etwa im Hinblick auf Urheberrecht, Haftung oder Verantwortlichkeiten im Planungsprozess. In die gleiche Richtung weisen die Bedenken hinsichtlich Datenmissbrauchs und Sicherheitsrisiken, auch sie werden von rund der Hälfte geteilt.
Herausforderungen in der Umsetzung
So groß die Erwartungen an KI-gestützte Werkzeuge sind, so deutlich zeigen sich auch die praktischen Hürden im Arbeitsalltag. 90 % der KI-Nutzenden berichten von Schwierigkeiten, die den Einsatz erschweren oder verlangsamen.
An erster Stelle steht der mangelnde Zugang zu verlässlichen und umfassenden Datensätzen, den 54 % als zentrale Herausforderung nennen. Ohne qualitativ hochwertige Daten bleibt das Potenzial vieler Anwendungen eingeschränkt.
Fast ebenso häufig wird ein Mangel an Kompetenzen im Umgang mit KI genannt. 52 % der Befragten fühlen sich noch nicht ausreichend sicher im Verständnis, in der Anwendung und in der Einschätzung von KI-basierten Ergebnissen. Dies zeigt, dass der Bedarf an Fortbildung und praxisnaher Unterstützung erheblich ist.
Auch technische Hürden spielen eine große Rolle. 41 % berichten von Kompatibilitätsproblemen mit bestehender Software, die zu Mehraufwand oder Medienbrüchen führen.
Darüber hinaus wird der hohe Energieverbrauch von KI-Anwendungen von 30 % kritisch gesehen, ein Aspekt der sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Fragen berührt. Schließlich nennen 24 % hohe Kosten oder einen eingeschränkten Zugang zu KI-Tools als Hemmnis.
Diese Ergebnisse machen deutlich: Neben technischen Fragen geht es vor allem um Datenqualität, Qualifikation, Infrastruktur und Zugänglichkeit. Erst wenn diese Herausforderungen adressiert werden, kann KI ihr volles Potenzial in der Planung entfalten.
Fortbildungsbedarf – groß, dringlich und breit
Der Bedarf an Weiterbildung im Umgang mit KI ist ausgesprochen hoch. 77 % der Befragten wünschen sich Angebote zu Themen rund um künstliche Intelligenz. Besonders gefragt sind Fortbildungen zu KI im Planungs- und Baubereich, die 50 % der Teilnehmenden als wichtig hervorheben.
Auch Themen zur Effizienz und Automatisierung stehen hoch im Kurs und werden von 42 % nachgefragt. 36 % wünschen sich vertiefte Kenntnisse zu KI für nachhaltige Planung, während 34 % Interesse an einer stärkeren Verbindung von KI und Building Information Modeling (BIM) zeigen.
Weitere Bedarfe bestehen bei Automatisierung und Prompting, das von 21 % genannt wird, sowie bei KI-gestützten Massenmodellen, die 18 % der Befragten als relevant einstufen
Fazit
Die Befragung zeigt klar, dass KI in der Architektur angekommen ist, jedoch noch nicht flächendeckend genutzt wird. Viele Architekturbüros stehen erst am Beginn einer Entwicklung, die langfristig große Auswirkungen auf Planung, Qualitätssicherung, Nachhaltigkeit und Effizienz haben wird. Gleichzeitig bremsen fehlende Daten, unzureichende Kompetenzen und offene rechtliche Fragen den Fortschritt.
Entscheidend wird nun sein, wie die Planenden ihre Rolle in einer von KI unterstützten Planungswelt definieren. Der Weg ist bereitet, doch es braucht klare Strukturen, Orientierung und eine offene Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken, damit das Potenzial von KI verantwortungsvoll genutzt werden kann.
Die Ergebnisse machen zudem deutlich, dass die Planenden nicht nur das Potenzial der Technologie sehen, sondern auch die Notwendigkeit, Kompetenzen weiter auszubauen, um KI sinnvoll, verantwortungsvoll und fachlich fundiert in ihre Arbeitsprozesse integrieren zu können. Die Architektenkammern haben längst auf diesen wachsenden Bedarf reagiert und bieten bereits vielfältige Fort- und Weiterbildungen an. Damit unterstützen sie ihre Mitglieder aktiv dabei, neue Kompetenzen aufzubauen, technologische Entwicklungen einzuordnen und KI verantwortungsvoll in die berufliche Praxis zu integrieren.
Quellen
Vom 19.05. bis 23.06.2025 wurden die selbstständig tätigen, angestellten und beamteten Mitglieder der Architektenkammern der Länder befragt (alle Fachrichtungen / nur Mitglieder bis 70 Jahre). Zu der Befragung eingeladen wurden insgesamt 96.171 Kammermitglieder.
Die Angaben von 15.624 Kammermitgliedern (5.714 selbstständig Tätige und 9.910 angestellte und beamtete Beschäftigte) flossen in die länderübergreifende Datenanalyse ein. Die Umfrage wurde von der Reiß und Hommerich GmbH durchgeführt und begleitet. Sie war für die Auswertung und Analyse verantwortlich.
Gabriele Seitz
Referatsleitung Digitalisierung, BundesarchitektenkammerDas könnte Sie auch interessieren
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