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In seinem Sinne, auf meine Art

Peter Kulka war Architekt, Hochschullehrer und eine prägende Figur der deutschen Architektur. Nach seinem Tod im Februar 2024 führt seine langjährige Kollegin, Vertraute und Adoptivtochter Katrin Leers-Kulka das Büro weiter.

DAB Redaktion
13.05.2026 14min
Katrin Leers-Kulka mit Peter Kulka. © Dirk Sukow

DAB: Frau Leers-Kulka, seit dem Tod von Peter Kulka führen Sie das Büro, in dem Sie schon lange Teilhaberin und als Geschäftsführerin tätig waren, nun als alleinige Inhaberin weiter. Bereits 2019 hatte Peter Kulka Sie adoptiert – ein ungewöhnlicher Schritt. Wie kam es dazu?

Katrin Leers-Kulka: Das war kein einzelner Moment, sondern ein Weg. Ich habe 2001 als Studentin im Büro angefangen und bin da Schritt für Schritt reingewachsen. Am Anfang ist man ja Berufsanfängerin, man schwimmt eher. Und dann hatte ich relativ früh ein großes Projekt auf dem Tisch: das Hygiene-Museum in Dresden. Das war meine Feuertaufe – erst als Teil eines Teams, zum Schluss nur noch im Duo mit Peter Kulka. Ich war gefühlt Tag und Nacht damit beschäftigt, alles so gut wie möglich zu machen und zu einem überzeugenden Ergebnis zu bringen.

Dabei merkt man irgendwann, dass es nicht nur um Architektur selbst geht. Mich haben schon immer auch die Dinge interessiert, die drum herum passieren: Organisation, Abläufe, Verantwortung im Team. Ich habe Aufgaben gesehen und sie übernommen, auch wenn sie nicht direkt zum klassischen Architektenbild gehören. So ist nach und nach mehr Verantwortung dazugekommen. Gleichzeitig ist über die Jahre ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Peter Kulka und mir entstanden. Ich war früh in projektübergreifende Gespräche eingebunden und kannte viele Hintergründe.

Als er mich 2012 fragte, ob ich mir vorstellen könne, das Kölner Büro mit ihm zu leiten, wurde ich dort Geschäftsführerin. Acht Jahre lang bin ich fast jede Woche zwischen Dresden und Köln gependelt. Ich hatte zu der Zeit ein kleines Kind zu Hause, aber wir haben Mittel und Wege gefunden, wie beides funktionieren konnte.  

Als ich 2008 meine Tochter bekommen hatte, sagte sein Lebenspartner zu mir: „Katrin, bleib mal nicht so lange weg, Peter hat noch mehr mit dir vor.“ Mit dieser Aussage konnte ich damals nicht viel anfangen. Im Nachhinein war das eigentlich schon der erste Fingerzeig.

Wohnhaus KPK, Dresden © Christian Schink

Sie haben nicht nur zusammengearbeitet, sondern auch ein Haus in Dresden gebaut.

Ja, ich glaube schon, dass das auch eine Art Probe war, um herauszufinden, ob es wirklich zwischen uns funktioniert. Man überlegt sich gut, ob man mit seinen Eltern zusammenzieht, aber noch genauer überlegt man sich, ob man mit seinem Chef zusammenziehen möchte. Ich hatte damals in der Elternzeit ein Grundstück in Dresden gekauft, einfach weil es eine interessante Lage hatte und bezahlbar war. Irgendwann kam dann bei Peter Kulka die Idee auf, ob er sich in das Projekt einkaufen könnte. Ursprünglich wollte er einfach eine Stadtwohnung in Dresden haben. Und dann haben wir angefangen zu denken und zu planen. In jeder Mittagspause skizzierten wir auf Servietten, wie das Haus aussehen könnte.  

Am Ende ist ein Stadthaus mit zwei übereinanderliegenden Einfamilienhäusern daraus geworden. Ich habe mit meiner Familie oben gewohnt und er untendrunter über zwei Etagen. Im Erdgeschoss hatten wir unser kleines privates Atelier, unseren gemeinsamen Ort, in dem wir gearbeitet, uns ausgetauscht und auch Bauherren empfangen haben. Wichtig war uns, dass wir diese Verbindung haben, aber trotzdem jeder sein privates Reich – Distanz und Nähe.  

Und gleichzeitig sieht man im Inneren des Hauses auch, wie unterschiedlich wir sind und waren. Seine Wohnung ist reine Architekturlehre: Sichtbeton, sehr skulptural, sehr konsequent. Unsere Wohnung ist, wie ich immer ein bisschen flapsig sage, familientauglicher sozialer Wohnungsbau. Das ist natürlich überspitzt, beschreibt aber schon die unterschiedlichen Lebensphasen, in denen wir uns beim Bau sowohl familiär als auch finanziell befanden. Von außen ist es ein Haus, eine Einheit. Innen sind es zwei Welten, die trotzdem harmonieren. 

Büro Peter Kulka Architektur © Franziska Kestel

Es klingt, als hätte sich das alles sehr organisch entwickelt. Gab es trotzdem einen Moment, in dem klar wurde, dass es über eine normale Zusammenarbeit hinausgeht?

Wir haben zusammengearbeitet, wir haben viel Zeit im Büro und auf Reisen miteinander verbracht und wir haben dieses gemeinsame Haus gebaut – dabei ist einfach ein sehr großes Vertrauen entstanden.

Und dann gab es diesen Moment unten bei uns im Atelier. Das Haus war fertig, wir haben dort gearbeitet und er sagte zu mir: „Katrin, ich habe mir überlegt, ich würde dich gerne adoptieren.“ Ich habe nicht sofort Ja gesagt, sondern bemerkt, dass es für mich eine große Ehre ist, ich aber trotzdem erst einmal darüber nachdenken muss.  

Aber gleichzeitig war mir klar, was dahintersteckt. Für ihn war das eine Lösung für die Frage, wie er sein Büro und sein Werk später einmal weitergeben kann. Und für mich war es ein absoluter Ritterschlag sowohl fachlich als auch menschlich dafür in Betracht gezogen zu werden.

 

Die Adoption wirkt nach außen hin wie ein sehr persönlicher Schritt. Gleichzeitig hat sie auch eine ganz konkrete fachliche Dimension. Warum war dieser Weg notwendig?

Das war tatsächlich beides. Natürlich hat es eine persönliche Komponente, ohne die solch eine Überlegung niemals zustande gekommen wäre, aber es gab auch einen ganz klaren fachlichen Hintergrund. Es ging um Kulkas Urheberrechte.  

Ein Architekturbüro kann übertragen oder verkauft werden, das Urheberrecht ist jedoch an die Person gebunden und kann nur innerhalb der Familie weitervererbt werden. Und das war für ihn ein ganz entscheidender Punkt.  

Er hat sich lange damit beschäftigt, was mit seinem Werk passiert, wenn er nicht mehr da ist. Es geht um sechzig Jahre Architekturgeschichte, und er wollte, dass alles zusammenbleibt und in seinem Sinne weitergeführt wird. Parallel zur Adoption haben wir angefangen, das Büro auch formell zu übertragen. Ich habe 25,1 % der Anteile gekauft, der Rest war testamentarisch geregelt. 

Kraftwerk Mitte, Büro Peter Kulka Architektur © Jakob Müller
Kraftwerk Mitte, Büro Peter Kulka Architektur © Jakob Müller

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Wie verändert sich der Alltag, wenn jemand fehlt, mit dem man vorher alle Entscheidungen gemeinsam getroffen hat?

Dieser direkte Austausch fehlt natürlich. Früher haben wir sehr viel miteinander gesprochen, Lösungen gemeinsam entwickelt und Entscheidungen getroffen. Seit er nicht mehr da ist, stelle ich fest, dass ich diese Gespräche nun innerlich weiterführe.  

Und das ist vielleicht das Überraschende: Die Entscheidungen fallen mir trotzdem leicht und ich fühle mich sicher. Ich hatte erwartet, dass mir der Weg allein schwerer fällt, aber dem ist nicht so. Ich führe das Büro voller Freude in seinem Sinne auf meine Art.

© Peter Kulka Architektur

Wie zeigt sich heute, nach all den Jahren gemeinsamer Arbeit, Ihre eigene Handschrift im Büro?

Ich glaube, meine Handschrift zeigt sich weniger darin, dass ich Dinge komplett anders mache, sondern vielmehr darin, wie ich die Handschrift des Büros weiterdenke. Wir arbeiten sehr stark über das Gesamtkonzept. Wir betrachten also nicht nur einen einzelnen Raum, ein einzelnes Thema für sich, sondern immer den Zusammenhang: Wie kommt man rein, wie bewegt man sich durch das Gebäude, welche Atmosphäre entsteht und so weiter. Das sind Dinge, die ich über viele Jahre gelernt und verinnerlicht habe. Das Arbeiten mit Farbkarten und Materialien, das langsame Herantasten an eine Lösung und das permanente Ringen um die beste Qualität – das habe ich verinnerlicht.  

Und gleichzeitig gibt es Punkte, an denen ich heute bewusst anders entscheide. Ich sage immer: „Wir bewahren das, was gut war.“ Aber ganz ehrlich, nicht bei jedem Bau ist jedes Detail gelungen. Das, was nicht gut war, versuchen wir heute besser zu machen. Deshalb war es für mich auch keine Option, komplett neu anzufangen.  

Wenn man alles umkrempeln will, sollte man ein neues Büro gründen. Wenn man aber die DNA eines Büros versteht, verinnerlicht hat und weitertragen möchte, dann fühlt sich genau dieser Weg richtig an, den ich verbindlich, klar und mit Haltung gehe. 

Sächsischer Landtag, Dresden, 1991–1997, Sanierung und Erweiterung seit 2019 © Peter Kulka Architektur
Sächsischer Landtag, Dresden, 1991–1997, Sanierung und Erweiterung seit 2019 © Peter Kulka Architektur
Lessing-Museum, Kamenz, seit 2022 © Peter Kulka Architektur
Lessing-Museum, Kamenz, seit 2022 © Peter Kulka Architektur

Denken Sie heute selbst schon über das Thema Nachfolge nach?

Ja, dieser Gedanke kommt mir zwar noch selten, aber schon manchmal. Denn ich habe ja selbst erfahren, wie lang ein solcher Prozess dauern kann. Ich habe noch kein fertiges Konzept, aber ich beobachte natürlich, wie sich die Mitarbeitenden im Büro entwickeln. Und gleichzeitig gibt es auch eine persönliche Ebene. Meine Tochter ist jetzt 18 und überlegt, Architektur zu studieren. Es gibt keinen Druck, keinerlei Verpflichtung – und wer weiß schon, wohin die Wege führen, aber auch dieser Gedanke ist vorhanden. 

Zur Person

Katrin Leers-Kulka

Katrin Leers-Kulka studierte Architektur an der TU Dresden. Seit 2001 im Büro von Peter Kulka tätig, übernahm sie schrittweise Verantwortung – zunächst als Projektleiterin, später als Geschäftsführerin des Kölner Standorts und Gesellschafterin. Seit 2024 führt sie das Büro als Inhaberin weiter und engagiert sich als stellvertretende Vorsitzende des BDA Sachsen in der Berufspolitik.

www.peterkulka.de

DAB Redaktion

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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